Konzertkritik | René Marik & the Sugar Horses - Von der Straße auf die Bühne

Mi 23.02.22 | 11:51 Uhr | Von Hendrik Schröder
The Sugar Horses: Bodo Goldbeck, René Marik und Ulrike Arzet (von links). (Quelle: René Marik)
Audio: Inforadio | 23.02.2022 | Hendrik Schröder | Bild: René Marik

Puppenspieler René Marik gründete in der Pandemie eine Straßenmusikband, um wenigstens unter freiem Himmel spielen zu können. Am Dienstag folgte der erste Bühnenauftriff in der Bar jeder Vernunft - mit Cover Songs. Von Hendrik Schröder.

Die Entstehungsgeschichte ist schonmal toll: Bekannter Puppenspieler René Marik gründet pandemiebedingt eine Straßenmusikband und tritt schließlich nach wochenlangen Touren durch deutsche Fußgängerzonen in der Bar jeder Vernunft auf.

Beim ersten Auftritt von René Marik & the Sugar Horses am Dienstagabend ist der Laden gut gefüllt. Das Publikum ist Ü40 und so, tja, normal im besten Sinne. Nicht schick, nicht schlusig, nicht arm, nicht reich. Pünktlich um 20 Uhr kommt die Band auf die Bühne und wird warm, aber auch etwas abwartend empfangen. Was genau das an diesem Abend werden soll, weiß schließlich noch fast keiner.

Archivbild: Rene Marik bei einem Live-Auftritt. (Quelle: imago images/BOBO)
Rene Marik | Bild: imago images/BOBO

Scorpions in cool

Die Sugar Horses sind Bodo Goldbeck am Kontrabass und Ulrike Arzet an der Trompete und am Backgroundgesang. René Marik singt und spielt Gitarre - ein altes, abgewetztes Instrument, das schon viel gesehen haben muss. Fertig.

Nur diese drei Musiker:innen stehen auf der Bühne. Ihr Programm besteht aus Cover Songs. Und da geht es schon mal los. Lieder nachzuspielen, und dann noch in dieser Instrumentierung, das riecht nach Langeweile. Aber es wird, zumindest die meiste Zeit über, ganz wunderbar. Der Sound ist warm, transparent, aber auch ordentlich laut. Marik und seine kleine Band schaffen es, jedem der gespielten Songs eine eigene Version abzutrotzen und einen eigenen Sound überzustülpen. Und das Programm ist grenzenlos: Lieder der Pixies, von David Bowie, Christina Aguilera, Bruce Springsteen, den Eurythmics und den Scorpions!

Die Scorpions zu covern, muss man sich auch erstmal trauen, aber es wird eine sehr lustige Version von "I'm still loving you".

Immer auf den Bassisten

Mit seiner naturcoolen, wie lustigen Art hält René Marik den Laden zusammen: groß, schlank, ergraut, schwarzes Hemd, schwarze Jeans, ein fettes Tattoo auf dem Handrücken. Seine Ansagen zwischen den Songs sind fast so gut wie die Musik selbst. Man merkt, dass er es gewohnt ist, auf Bühnen zu stehen, Leute zu unterhalten - wenn auch nicht als Musiker.

Wortreich erklärt er, dass man die Pixies auf keinen Fall covern dürfe, dass es immer immer schief gehen würde, wenn jemand die Pixies covert - um dann "where is my mind" zu spielen. Sicherlich nicht der stärkste Song des Abends, aber gelungen. Geht doch. Running Gag des Abends ist, dass Kontrabassist Bodo fertig gemacht wird, hauptsächlich ob seines vermeintlich hohen Alters, so dass man ihn etwa mit der Sackkarre zum Konzert fahren musste. Der Bassist selbst schaut beim Spielen so ungerührt und stoisch, wie Kontrabassisten das einfach tun müssen. Er muss dann aber ob der immer ausschweifenderen Sticheleien seitens seines Bandleaders doch auch lachen - so wie der ganze Saal.

Kleine Tiefen, viel Trompete

Nach der Pause ist für eine Weile dann die Energie raus. Das Publikum hat das Konzept verstanden, die Songs sind nicht mehr so sehr überraschend, Gitarre und Kontrabass verfallen immer wieder in denselben Groove, dieselbe Rhythmik. Das war eine gute Stunde lang sehr schön, aber jetzt wird es ein bisschen Standard.

Gut, dass es die Trompete von Ulrike Arzet noch gibt. Die tupft nämlich ihre kleinen Noten hell und zackig in die Songs. Oder spielt eine schöne Leadline, eine Melodie, eine Art Solo - und die Songs schwuppen wieder weiter. Ganz grandios ist das dann beim letzten Song vor den Zugaben: Bei "Final Countdown" von Europe ist die Trompete quasi der Star. Wer das öffentlich aufführt, hat wirklich Humor.

Insgesamt bleibt es ein lustiger und guter Abend. Für die abendfüllende Show reicht das Programm allerdings noch nicht. Das ist vielleicht auch gar nicht so gedacht. Schließlich sind René Marik & the Sugar Horses ja eine Straßenband.

Sendung: Inforadio | 23.02.2022 | 07:55 Uhr

Beitrag von Hendrik Schröder

Nächster Artikel