Bilderbuch in der Berliner Philharmonie - Lo-Fi, schlageresk und ein bisschen Beatles

Di 12.04.22 | 08:17 Uhr | Von Laurina Schräder
Die Band Bilderbuch mit Frontman Maurice Ernst hier bei einem Benefizkonzert im März in Wien. (Quelle: dpa/www.picturedesk.com)
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Bild: dpa | Audio: Inforadio | 12.04.2022 | Hendrik Schröder Download (mp3, 3 MB)

Nach dreijähriger Pause ist die österreichische Band Bilderbuch wieder auf Tour. Viele Infos zum Album "Gelb ist das Feld" gab es vorab nicht. Und so dauert es etwas, bis sich das Publikum von den Stühlen der Philharmonie erhebt. Von Laurina Schräder

"C’mon Berlin!" – euphorisch tanzt Sänger und Frontman der österreichischen Band Bilderbuch über die Bühne der Berliner Philharmonie. "Ich bin richtig froh, heute hier stehen zu dürfen, und diese Arbeit auszuüben."

Texte sitzen meist nur bei der Band

Die Pandemie, die vergangenen zwei Jahre thematisiert Maurice Ernst öfter an dem Abend. Darüber hinaus halten sich seine Zwischenreden in Grenzen, was auch dazu passt, dass die Band im Vorfeld des Album-Release keine Interviews oder andere Infos herausgegeben hatte. Die Musik solle für sich selbst sprechen, was sie tatsächlich auch tut.

Vor allem dadurch sie live zu erleben, in einem ausverkauften Konzertsaal. Allerdings beginnt das Vergnügen etwas verzögert. Vor vier Tagen haben die vier Österreicher um Sänger Maurice Ernst ihr neues Album "Gelb ist das Feld" herausgebracht. Die neuen Texte, mit denen das Konzert beginnt, sitzen meist nur bei der Band. Und so kommt es wohl auch, dass sich das Publikum etwas bitten lässt, ehe die gepolsterten Sitze nach oben geklappt werden.

Wie eine Katze und eine Ballerina

Einmal aufgestanden tanzt es sich aber fast so schön in den Reihen wie Maurice Ernst es auf der Bühne vormacht. Mal schleicht er sich wie eine Katze von links nach rechts, verbeugt sich nach mehreren Songs wie eine Ballerina und ist sichtlich überwältigt wieder auf der Bühne zu stehen.

Die vier Musiker um Sänger und Frontmann Maurice Ernst stehen alle in längs-gestreiften Hosen, die an die 70er Jahre erinnern, auf der Bühne. Ernst und Gitarrist Michael Krammer haben sich zudem für ärmellose Tuniken aus Spitze in Pink und Lila entschieden. Bassist Peter Horazdovsky und Schlagzeuger Philipp Scheibl dagegen für leicht – aber wirklich nur leicht – dezentere grünen Hemden.

Erinnerungen an die Beatles

Der optische Style Bilderbuchs unterstreicht den oft Lo-Fi und schlageresk klingenden Tönen des neuen Albums. Während der insgesamt etwa zwei Stunden taucht öfter das Bild von den Beatles in Gedanken auf. Und während die neuen Songs tatsächlich manchmal etwas kitschig oder romantisch wirken können, lässt die Band keinen Moment aus, um zu zeigen, was sie musikalisch drauf hat.

Und so schmettert beispielsweise Krammer diverse Soli hin. Einzig der Sound verschmälert die Eindrücke, je nach Sitzplatz – entgegen der Intention der Philharmonie-Architektur. Zum Teil verschwimmen Stimmen und Instrumente zu einem Brei.

Durchbruch-Song "Maschin" zum Abschluss

Wirklich getrübt hat das aber die Stimmung keinesfalls. Und, dass der letzte Song, der etwas im Kopf nach hinten gerutschte Durchbruch-Song von Bilderbuch "Maschin" von Band wie Publikum absolut gefeiert wird, bildet nur den logischen Abschluss eines Konzerts, das die Vorfreude auf weitere schürt.

Sendung: rbb|24 Inforadio, 12.04.2022, 6 Uhr

Beitrag von Laurina Schräder

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