Im Alter von 90 Jahren - Schauspieler und Autor Michael Degen gestorben

Di 12.04.22 | 14:54 Uhr
Schauspieler Michael DEGEN im Alter von 90 Jahreb gestorben. (Quelle: imago images/Elmar Kremser)
Audio: Inforadio | 12.04.2022 | Daniel Kaiser | Bild: imago images/Elmar Kremser

Viele kennen ihn als "Vice-Questore Patta" in der Donna-Leon-Krimiserie oder seine Biografie "Nicht alle waren Mörder". Nun ist Schauspieler Michael Degen im Alter von 90 Jahren gestorben. Seine Karriere hatte einst in Ost Berlin begonnen.

Der Schauspieler Michael Degen ist tot. Der 90-Jährige starb am Samstag in Hamburg, wie der Rowohlt-Verlag am Dienstag in Berlin mitteilte. "Wir trauern und verneigen uns vor einem Menschen und Künstler, der mit seiner Wärme und Begeisterung berührte und mitriss, und dessen vielseitiges Werk bleiben wird", hieß es weiter.

Degen war einem großen TV-Publikum zuletzt vor allem dank der "Donna Leon"-Krimiserie der ARD vertraut. Darin verkörperte er jahrelang den "Vice-Questore Patta".

Die Nazizeit versteckt in Berlin überlebt

Seine Karriere begann er nach dem Krieg am Deutschen Theater in Ost Berlin, wo er im Ensemble von Bertolt Brecht spielte. Er arbeitete mit Regiegrößen wie Peter Zadek, Claude Chabrol und Ingmar Bergman zusammen und inszenierte auch selbst.

Mit oft autobiografisch geprägten Büchern hatte sich Degen, 1932 in Chemnitz geboren, zudem als Autor hervorgetan. So schrieb er 1999 in seinem Erstling "Nicht alle waren Mörder. Eine Kindheit in Berlin" über eigene Erfahrungen während der Nazizeit.

Als Sohn eines jüdischen Sprachenprofessors und Kaufmanns, der 1940 nach seiner KZ-Haft in Sachsenhausen gestorben war, konnte der junge Michael mit seiner Mutter Anna in Berlin untertauchen. Mutigen Freunden und Helfern verdankten beide ihr Leben. Die Geschichte wurde von Jo Baier 2006 für das Erste verfilmt.

"Herausragender Künstler und beeindruckender Mensch"

Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees in Berlin, sagte, Degen sei zu einem beharrlichen und leisen Erzähler der Erinnerung geworden, dessen Stimme dennoch weithin vernehmbar war. "Sein Vater überlebte die Folter im Lager Sachsenhausen nur wenige Monate nach seiner Befreiung. Michael Degen, den Sohn, bewahrte der Mut seiner Mutter und die Hilfe mutiger, nicht-jüdischer Deutscher vor Auschwitz und dem sicheren Tod."

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, sagte in München, man verliere mit Degen einen "großartigen Schauspieler, einen feinen Menschen und schließlich auch einen weiteren wichtigen Zeitzeugen der NS-Zeit." Er sei eine "Stimme der Erinnerung" und eine "Institution auf Bühnen und Fernsehschirmen" gewesen.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) würdigte Degen als "herausragenden Künstler und beeindruckenden Menschen". Er sei ein "tiefgründiger und vielseitiger Schauspieler gewesen, der auf den großen Bühnen und der Leinwand gleichermaßen zu Hause war".

Sendung: Inforadio, 12.04.2022, 14:40 Uhr

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