Ausgrabung im Humboldthain - Seit Kriegsende verschollene Stier-Skulptur in Berlin wiederentdeckt

Di 12.04.22 | 16:44 Uhr
Bei einem Pressetermin zeigt Archäologin Claudia M. Melisch die wiederentdeckte Marmorskulptur eines Stieres im Volkspark Humboldthain. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: rbb24 | 11.04.2022 | Victor Marquardt | Bild: dpa/Paul Zinken

Seit dem Zweiten Weltkrieg galt die Stier-Skulptur aus dem Berliner Humboldthain verschollen. Nun wurde sie wiederentdeckt – und zwar genau in dem Park, in dem sie um 1900 aufgestellt wurde. "Ein kleines Wunder", sagt eine Archäologin.

Der Verein "Berliner Unterwelten" hat im Volkspark Humboldthain eine verloren geglaubte Marmorskulptur wiederentdeckt. Am Dienstag präsentierten Vereinsvorstand Dietmar Arnold und Archäologin Claudia Melisch erste Fundstücke des "Weißen Stiers vom Humboldthain".

Der Berliner Bildhauer Ernst Moritz Geyger (1861-1941) hatte die drei Tonnen schwere Plastik im Jahr 1901 erschaffen. Sie avancierte auf einem kleinen Hügel im Humboldthain schnell zu einem beliebten Treffpunkt. In den letzten Kriegstagen wurde die Marmorskulptur zerstört.

Eine alte Postkarte zeigt den Marmor-Stier von Fritz Geyger im Berliner Humboldthain. (Quelle: imago-images/Arkivi)
Eine alte Postkarte zeigt, wie der Stier einst aussah | Bild: imago-images/Arkivi

Anstoß kam von "Berliner Unterwelten"

Die Plastik sei wahrscheinlich zwischen 1947 und 1949 an Ort und Stelle vergraben worden, sagte die Archäologin Claudia Melisch dem rbb. "Das ist eigentlich ein kleines Wunder, dass dieses Kunstwerk noch da liegt." Der im Krieg zerstörte Park wurde ab 1948 komplett neu angelegt.

Den Anstoß für die Ausgrabungen gab der Verein Berliner Unterwelten. Der Vereinsvorsitzende Dietmar Arnold begann nach eigener Aussage mit der Recherche, nachdem er im Kiezblatt "Brunnen"-Magazin etwas über die verschollene Marmorfigur gelesen habe.

Gefahr von Blindgängern

Die Polizei ist auch mit vor Ort, weil bei solchen Ausgrabungen immer wieder Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden können. Im Volkspark Humboldthain soll es besonders viele Kriegsrückstände geben. "Deswegen müssen wir ganz vorsichtig sein und jedes unbekannte Metallobjekt hier eben auch mit dem Handaushub rausholen", erklärte Melisch.

Mithilfe der Archäologin werden die Teile nun freigelegt. Korpus und Platte seien gefunden, sagte Arnold. Noch fehlten etwa Hörner und Beine. "Und schön wäre es natürlich, wenn wir das Ganze wieder im Rahmen eines archäologischen Fensters ausgestellt kriegen."

Sendung: rbb24, 11.04.2022, 21:45 Uhr

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