Konzertkritik | Dua Lipa in Berlin - Mainstream im besten aller Sinne

Mi 11.05.22 | 08:30 Uhr
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Dua Lipa bei einem Konzert in den USA im Jahr 2022 (Quelle: Invision/Rob Grabowski)
Invision/Rob Grabowski
Audio: rbb24 Inforadio | 11.05.2022 | Jakob Bauer | Bild: Invision/Rob Grabowski

Dua Lipa ist in den letzten Jahren zu einem der größten Popstars der Welt aufgestiegen. Ihr Album "Future Nostalgia" hat sich über drei Millionen Mal verkauft und wurde mit einem Grammy ausgezeichnet. Jakob Bauer war von ihrem Konzert in Berlin begeistert.

Teenager stehen neben erwachsenen Männern mit Glitzer im Gesicht und neben ergrauten Damen und Herren. Es ist ein außergewöhnlich diverses Publikum, das sich an diesem Abend in der Arena am Ostbahnhof versammelt. Noch außergewöhnlicher ist, dass die Älteren hier nicht als Aufpasser für die Jungen da sind. Nein, alle sind wegen Dua Lipa gekommen. Sie ist das, was man einen Mainstream-Popstar nennt – und das im besten aller Sinne.

Auf Rollschuhen und mit Regenschirmen

Denn was Dua Lipa hier abzieht, ist wirklich begeisternd. Fast 20 Leute stehen da auf der Bühne, Musikerinnen und Musiker, Sängerinnen und Sänger und zehn Tänzerinnen und Tänzer, die gemeinsam mit der 26-Jährigen durch das Konzert führen. Mal im Hip-Hop-Schritt, mal mit Streetdance, mal mit Regenschirmen, dann auf Rollschuhen. Auf der Bühne passiert immer das, was den Song gerade am besten illustriert. Von Anfang an greift dabei alles ineinander, die Show lenkt nicht von der Musik ab, sie unterstützt diese unwiderstehlichen Ohrwürmer.

Beeindruckend ist auch, wie Dua Lipa sich trotz artistischer Höchstleistungen stimmlich keine Blöße gibt. Angeraut ist die, wenn’s kräftiger zugeht, aber auch soulig geschmeidig und poppig beweglich. Dazu spielt die Band eine Mischung aus Funk-Gitarre und Disco-Rhythmen in Verbindung mit aktuellem R’n’B und elektronischem House-Punch. Der Versuch, sich dem Mitzucken zu verwehren bleibt zwecklos.

Hängen bleiben auch die Texte, eine Zeile wie "Boys Will Be Boys/But Girls Will Be Women/If You’re Offended By this Song/Then You’re Probably Saying/Boys Will Be Boys…". Das ist mal eben auf den Punkt gebracht ein ziemlich bitteres feministisches Statement.

Body-Positivity statt Fleischbeschau

Denn Dua Lipa ist schon immer auch politisch, in und außerhalb ihrer Musik. Sie hat sich gegen den Brexit positioniert, für die demokratische Bewegung im Sudan eingesetzt und sie ist eine Ikone der queeren Community. Infolgedessen ist Dua Lipa natürlich auch eine Künstlerin, die, wie eine Beyoncé oder eine Rihanna, die Stereotypen des Pop-Geschäfts für sich umdeutet. Sie bewegt sich zwar sinnlich in knappen Outfits, aber nicht unterwürfig, sondern lässig selbstbewusst.

Bei ihr geht es um Body-Positivity anstatt Fleischbeschau. Immer wieder bricht die Engländerin auch wunderbar so richtig mit den Klischees: Einmal schlüpfen alle ihre Tänzer in ein riesiges Hummer-Kostüm, hüpfen auf und ab wie ein Lowrider-Auto. Und Dua Lipa? Räkelt sich vor diese Hummer – und das ist wirklich einfach lustig.

Auf einer neuen künstlerischen Ebene

Großartig macht dieses Konzert, dass trotz einer so minutiös durchgeplanten Show alles authentisch wirkt. Als hätten wirklich alle Bock darauf, hier nicht einfach nur die Musik runterzuspielen, sondern das Ganze mit viel Körpereinsatz, mit Witz, Charme, Sinnlichkeit und einem Sinn für Dramaturgie auf eine neue künstlerische Eben zu heben. Das hat Dua Lipa an diesem Abend tatsächlich geschafft und damit ihren Status als Ausnahme-Popstar bestätigt.

Sendung: rbb24 Inforadio, 11. Mai 2022, 6:55 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Es war beste Unterhaltung und alles stimmig. Kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal so viele gut gelaunte, unbeschwert feiernde Menschen gesehen habe - muss in den 90ern gewesen sein:-)Großes Kino. Bin immer noch gedanklich in der Arena mit der Musik im Kopf und dankbar dabei gewesen zu sein.

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