Clapton und Zucchero in der Waldbühne - Blues als große Oper

Mo 30.05.22 | 07:58 Uhr | Von Hans Ackermann
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Der britische Gitarrist und Sänger Eric Clapton tritt am 29.05.2022 in der Berliner Waldbühne auf (Quelle: dpa / Britta Pedersen).
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Audio: Inforadio | 30.05.2022 | H. Ackermann | Bild: dpa

Zwei Legenden des europäischen Blues spielten am Sonntag in der Berliner Waldbühne: der italienische Sänger Zucchero und die britische Gitarrenzauberer Eric Clapton. Sie interpretieren den Blues völlig unterschiedlich - und überzeugten beide. Von Hans Ackermann

Natürlich ist Eric Claptons Name auf den Plakaten für das Konzert in der Waldbühne etwas größer gedruckt als der seines italienischen Kollegen Zucchero. Dennoch kommt der italienische Superstar am Sonntag hier nicht als gewöhnliche "Vorgruppe" auf die Bühne - im Gegenteil.

Mit seiner zehnköpfigen Band - die Schlagzeuge, Gitarren und Keyboards sind doppelt besetzt, dazu ein Bass, zwei Bläser und eine exzellente Backgroundsängerin - steht der Sänger aus der Lombardei pünktlich um 18 Uhr vor seinem Publikum. Adelmo Fornaciari, wie er bürgerlich heißt, präsentiert dort in gut eineinhalb Stunden ein Best Of seiner Hits aus 30 Jahren - inklusive dem "Miserere", das in einer Zusammenarbeit mit Luciano Pavarotti entstanden ist.

Der italienische Musiker Zucchero tritt am 29.05.2022 in der Berliner Waldbühne auf (Quelle: dpa / Britta Pedersen).
Vater des italienischen Blues: Zuccheros einprägsamer Künstlername geht auf seine Grundschullehrerin zurück. | Bild: dpa

Duett mit dem Idol

Auf zwei Videoleinwänden links und rechts der Bühne sieht und hört man dabei den 2007 gestorbenen Operntenor Pavarotti, der Bluesrocker Zucchero verehrte ihn über alles. "Per Luciano", "für Luciano" raunt er nach dem herrlich pathetischen Duett ins Mikrofon. Dann kommen mit "Diamante" und "Il Volo" weitere Balladen zur Aufführung, die den "Vater des italienischen Blues", wie Zucchero ohne allzuviel Übertreibung genannt wird, auch bei uns bekannt gemacht haben.

Zum Ende hin singt er dann natürlich auch seinen größten Erfolg "Senza una donna". Ein Lied, das Zucchero schon 1987 aufgenommen hat, "Blues" hieß damals das dazugehörige Album.

Blues mit Kapuze

Blues, der bei Eric Clapton mit Titeln wie "Key to the Highway" oder dem "Hoochie Coochie Man" im zweiten Konzert des Abends dann doch etwas anders klingt. Und anders als der freundlich-aufmunternde Zucchero, der das Waldbühnen-Publikum zum Mittanzen und Mitklatschen animiert hatte, wirkt Eric Clapton anfangs doch recht verschlossen. Unter der kurzen schwarzen Steppjacke trägt er einen Hoodie mit Kapuze - die er sich auch immer mal wieder über den Kopf zieht. Einerseits als Mittel gegen die Waldeskälte, die nun merklich heraufzieht, vielleicht aber auch, um sich besser auf seine Soli konzentrieren zu können.

Diesem Meister beim Spielen zuzuschauen ist und bleibt das Vergnügen jedes Eric-Clapton-Konzerts. Seine entspannten Soli zu hören und dabei zu staunen, mit welch einfachen Mitteln er diesen besonderen und sehr eigenen Sound kreiert. Und mühelos vom elektrischen Instrument zur akustischen Gitarre wechselt, in der Mitte des Konzerts "Tears in Heaven" und "Layla" spielt.

Sunshine of your Love

Bei "Layla" klatscht und singt dann auch das Publikum mit. Manche kennen den Song in der elektrischen Fassung aus den 60er Jahren, anderen vielleicht von "MTV-Unplugged", eine Sendung, in der Clapton in den 90er Jahren einen riesigen Erfolg feiern konnte. Sein "Unplugged"-Livealbum gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Alben der Rockgeschichte. Insgesamt hat der gerade 77 Jahre alt gewordene Musiker rund 300 Millionen Platten verkauft, unter eigenem Namen, aber auch in seinen frühen Jahren mit der Superband Cream.

Und wenn dann gegen halb zehn über der fast ausverkauften Waldbühne die Sonne untergeht, bekommt Eric Clapton für "Sunshine of your Love" auch besonders viel Beifall. Beim Hinausgehen fällt noch einmal auf, wie grandios der Sound in dieser Natur-Arena an diesem Tag ist. Sowohl direkt vor der Bühne als auch in mehreren Hundert Metern Luftlinie, am oberen Rand der Arena. Von dort kann man Clapton jetzt nur noch als winzigen Punkt auf der Bühne erkennen. Seine Bluesgitarre aber elektrisiert die Waldarena bis in den letzten Winkel.

Sendung: Inforadio, 30.05.2022, 8 Uhr

Beitrag von Hans Ackermann

33 Kommentare

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  1. 33.

    Die Waldbühne ist wunderschön - eigentlich. Das Konzert mit Eric Clapton - sehr blumig und emotional angekündigt - war eine mittlere Katastrophe. Eine dunkle Bühne, lieblos hingehustete Technik mit Gerümpel rechts und links der Musiker und offenbar keine Möglichkeit, mit Wärmestrahlern zu verhindern, dass Clapton wegen der Kälte in Daunenjacke und mit Schiebermütze (!) spielen musste. Der hatte aber offensichtlich auch keine Lust oder war einfach noch krank(?). Er hat sein Ding runtergespielt, die Gitarre hingestellt und ist gegangen. Dafür brauche ich nicht für teuer Geld in ein Live-Konzert. Der Gipfel war aber, dass nach Beginn des Clapton-Teils neben der Bühne mit Gabelstablern die Technik von Zucchero abgefahren wurde. Das geht gar nicht!!!
    Allerdings: Wenn Zucchero nicht gewesen wäre (klasse!), wärs der totale Reinfall geworden.

  2. 32.

    Mir hat Zucchero wesentlich besser gefallen als Clapton. Ich schliesse mich den Kommentaren über wenig Bühnenbeleuchtung an. Die Kameraführung bei Clapton war grottenschlecht, man hat oft nur die Gitarren gesehen, keine Gesichter dazu. Schade. Preise völlig überzogen. Ich musste auch meinen kleinen Rucksack abgeben und habe über 1,5 Stunden gewartet bis ich ihn wieder hatte. 1 Frau nahm das Ticket entgegen, die andere wühlte sich durch hunderte Taschen. Der Witz war aber, dass es ganz viele Leute gab, die viel größere Taschen und sogar Stockschirme mit rein nehmen durften. Mit welchem Maß wurde da gemessen? Schlimm war noch, dass hinter uns die Schlange noch doppelt so lang war, keine Ahnung, wie lange die Armen noch warten mussten.

  3. 31.

    Immer das Gemecker derer von den billigen Plätzen.
    Wer Eric Clapton hätte sehen wollen, sollte sich zuhause eine DVD einwerfen.
    Um dem eine Krone aufzusetzen, wird dann auch noch Clapton für seine Meinung diffamiert und als Rassist verunglimpft.
    Vielleicht wären da die Meckerer besser vor dem Brandenburger Tor aufgehoben gewesen.

  4. 30.

    Ich schließe mich den meisten Fans an, Zucchero war spitze, aber Clapton kam, spielte und ging. Was den ganzen Abend noch übertroffen hatte geht an die Veranstalter der Waldbühne. Einen Rucksack aus Sicherheitsgründen abgeben habe ich gerade noch verstanden, 5 Euro kassieren und man dann stundenlang bei der Abholung warten muss, weil nur 2-3 Frauen in einem Container mehrere hundert Rucksäcke und Taschen herausgeben mussten. Das war absolutes Chaos.

  5. 29.

    Also ich bin voll bei Thomas, David und Andreas. Ich weiß auch nicht was der Ackermann gesehen und gehört hat. Der Clapton hat keine Lust gehabt. Eine Beleidigung für so viele gut zahlende Fans. Einmal thank you gesagt und dann winkend mit dem Rücken zum Publikum abgehauen. Respektlos ohne Ende.

  6. 28.

    Also ich bin voll bei Thomas, David und Andreas. Ich weiß auch nicht was der Ackermann gesehen und gehört hat. Der Clapton hat keine Lust gehabt. Eine Beleidigung für so viele gut zahlende Fans. Einmal thank you gesagt und dann winkend mit dem Rücken zum Publikum abgehauen. Respektlos ohne Ende.

  7. 27.

    Ich weiß ja nicht welches Konzert ihr gehört haben wollt, aber der Sound in den oberen Rängen war sehr dürftig irgendwie wie hinter einer Wolldecke (lag wahrscheinlich an den Regenschutz Hüllen)und vom Gesang her zu Leise. Von Eric Clapton waren wir sehr Enttäuscht er wirkte sehr Lustlos und Gelangweilt.
    Noch als Anmerkung an die Betreiber, es ist ja Verständlich das ihr die letzten 2 Jahre zu kämpfen hattet, aber die Preise waren überzogen.

  8. 26.

    Herr Hans Ackermann,
    waren wir bei dem selben Konzert? Zucchero war absolut überragend, das muss man einfach sagen. Super Musiker, Super Sound, Super Stimmung.

    Clapton? Eine große Enttäuschung. Wie einige schon angemerkt haben: Bühne dunkel, kaum was zu erkennen. Der Ton war sowas von schlecht.: Brei, zu leise (erst gegen Ende dann zumindest lauter) und die Instrumente untereinander nicht gut abgestimmt. Dei beiden Leinwände haben recht nett immer wieder Bilder der Musiker übertragen. Allerdings war bei sehr vielen Liedern plötzlich die Drum Cam nicht mehr involviert und es wurde hauptsächlich die rechte Hand Claptons an der Gitarre gezeigt - auch extrem "spannend" auf Dauer.

    Dass Clapton nicht der große Redner ist, geht völlig in Ordnung und an sich der Preis der Karten war auch ok, dafür dass Zucchero hier noch als "Vorband" agierte. Und Clapton hat nach wie vor eine Wahnsinns Stimme. Aber wir wären auf Grund der schlechten Qualität fast während des Hauptacts gegangen.

  9. 25.

    Wie hiess die Vorband aus Münster, der Ersatz für den Special Guest, die am 29.5.22 in der Berliner Waldbühne vor Zucchero gespielt haben. Die werden nirgendwo erwähnt und waren so super.

  10. 24.

    Richti! Ich kenne Eric, er ist sehr pedantisch, aber kein Rassist. Sonny (einer der weltbesten Schlagzeuger), Nathan (grandioser Bassist), sowie Sharon und Katie als Sängerinnen sind Schwarz, nur Doyle, Paul und er selbst sind Weiße. Diese Zusammensetzung spielt schon seit Jahren zusammen und widerspricht einem Rassismus. Im übrigen nenne ich Schwarze auch so, da sie schwarz sind, wie wir weiß. Eine Änderung in Afroamerkaner (viele sind es gar nicht) oder Hyperpigmentirte ändert das Problem in den Köpfen einiger auch nicht. Eine blonde oder schwarzhaarige Person wird ja auch so genannt.

  11. 23.

    Vorband Spitze. Zucchero die Überraschung, auch der Sound war top. Bei Clapton passte gar nichts. Die Bühne war schwarz. Aus Block K3 nichts zu sehen. Gar nichts. Was soll das? 150€ Tickets und der Hauptact versteckt sich. Sound immer wieder schlecht außer bei I Shot the sheriff. Keine Begrüßung, keine Verabschiedung. Clapton sollte Live-Konzerte beenden. Habe ihn oft gesehen, nie so lustlos oder krank? wie gestern. Das Publikum verlässt scharenweise die Waldbühne. Zu Recht? Denke schon. Schade.

  12. 22.

    Mäßigen Sie sich. Clapton hat berechtigte Gründe, die Impfung gegen Corona aufgrund von starken Nebenwirkungen zu kritisieren. Sie reden Unsinn.

  13. 21.

    Clapton fand in musikalischer und akustischer Hinsicht großartig. Dass er nicht der Showman ist, der Phrasen drischt ("it's great to be back in Berlin" o.ä.) oder viel plaudert, sollte jeder wissen. Ich habe "Guten Abend" und zweimal "Thank you" gehört. Na und? Dafür geht er in seiner Musik auf. Kristallklarer Signature -Sound, schöne Arrangements der Klassiker, Virtuosität. Und bei Stimme ist er auch noch, und das alles mit 77 Jahren. Kritisieren könnte man die fehlende Lightshow, welche die Band lange im Dunkeln spielen ließen. Da halfen die Videowände.
    Zucchero nicht ganz mein Ding, trotzdem mitreißend, wenn man es mag. Aber zu laut und in der Aussteuerung der Bässe so durchdringend, dass man Herzrhythmusstörungen befürchten konnte. Nach meiner Beobachtung hatten auch einige Altersgenossen von Eric zu kämpfen.
    Schlimm die Orga. Eine Stunde Anstehen vor einem Nadelöhr mit 3 Kontrolleuren und dann NACH Ende der Vorband per Megaphon die Info über den geöffneten "Haupteingang".

  14. 20.

    Einer muss doch Ihren "schönen Abend" beschützen. Campino hat es abgelehnt.

  15. 19.

    Den vielen Kommentaren zu diesem Event kann ich nur beipflichten! Beim Kartenpreis von 214 EUR kann man die Band auf dieser dunkelgrauen absolut schlecht beleuchteten Bühne erkennen! Ein Hörgenuss war es (!)mit Bildausschnitten auf der Leinwand! Zucchero war grandios und hat das Publikum begeistert. Doch unser unterkühlte Gitarrenvirtuose stand plötzlich im dunklen auf der Bühne; sagt keinen Ton zu seinen Fans, die so viele Stunden auf den Beginn bei kühlen Temperaturen gewartet haben. Programm abgespult und weg war er. Resümee: Leider nicht DAS emotionale Event, wie angepriesen. Schlechter Ablauf, schlechte Beleuchtung. Zu viele Stunden! Super Sound - trotzdem enttäuscht.

  16. 18.

    Dieser Vergleich ist so dermaßen hanebüchen und schief, dass er mich unfreiwillig köstlich amüsiert hat. Danke dafür und einen schönen Abend! Ein Kriegsdienstverweigerer

  17. 16.

    Gute Plätze für 180,00 Euro p.P. und dann kann ich mir Clapton ausschließlich auf dem großen Screen anschauen, weil die Bühne nur hinten beleuchtet wird? Vorne sieht man Schattengestalten mit Instrumenten in der Hand. Eine Unverschämtheit!
    Ich habe Eric Clapton schon vor dreißig Jahren in der Waldbühne erlebt. Und es war ein Fest! Ungeachtet seines Alters, der kühlen Temperaturen und allem was in seinem Leben passiert ist - wer sich entscheidet auf Tour zu gehen, der sollte doch ein wenig motivierter sein. Dem Publikum zu zeigen, dass man eigentlich überhaupt keine Lust hat, ist, angesichts des langen Anstehens und Auf-ihn-Wartens und des Kartenpreises ebenfalls ein sehr unerfreulicher Aspekt, der auch mit seinem Gitarrentalent nicht wettgemacht werden kann; deutlich zu erkennen daran, dass immer mehr Leute noch während des Konzerts die Waldbühne verlassen haben. Nach dem Konzert bleibt ein bitterer Nachgeschmack und ein großes "Schade!" Elektrisiert hat hier leider gar nichts.

  18. 15.

    .Leider mussten wir die Waldbühne 21 Uhr verlassen um unseren Zug zu erreichen. Bei einem Konzertbeginn von 16:30 Uhr hätte ich nie gedacht 40 min von Eric Clapton zu verpassen. Das war schon sehr ärgerlich.
    Die Beleuchtung der Bühne war in der Tat sehr schlecht. Die Kameras konnten natürlich mit dem Restlicht mehr anfangen als unser Auge.
    Den Sound fand ich sehr gut.
    Was ich ebenfalls als übertrieben fand, war das Theater den zu großen Taschen, die nicht mit hinein durften. Mein Mini Mountainbike Rucksack (8l)war schon zu groß. Da ist doch albern.

  19. 14.

    Campino ist Kriegsdienstverweigerer.....und alle rennen hin.
    Wo ist da der Unterschied???

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