Reihe zum Palast der Republik gestartet - Das Humboldt-Forum erinnert an seinen Vorgängerbau

Mo 02.05.22 | 06:35 Uhr
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Archivbild: Der Palast der Republik im Oktober 1990 (Quelle: imago-images/Herb Hardt)
Audio: rbb24 Inforadio | 02.05.2022 | Laurina Schräder | Bild: imago-images/Herb Hardt

Unter dem Titel "Hin und weg – Der Palast der Republik ist Gegenwart" widmet sich das Humboldt-Forum in den kommenden Jahren dem abgerissenen Gebäude und seiner historischen Bedeutung. Am Wochenende gab es den Auftakt. Von Laurina Schräder

Mit wehender Fahne steht Clemens Schöll vor der Fassade des neu aufgebauten Stadtschlosses. Auf seiner Fahne gedruckt die Forderung: Palast jetzt. "Wir denken, dass es nicht reicht, wenn man darüber mal spricht", so Schöll, "und mal ein kurzes Event im Museum hat, sondern es geht darum, langfristig für Menschen, die daran vorbeilaufen, die historische Integrität des Ortes zu bewahren, dass es städtebaulich sichtbar ist, was hier war, und was die Geschichte die letzten hundert Jahre mit diesem Ort gemacht hat."

Schöll ist im Vorstand des Fördervereins Palast der Republik. Die Gruppe aus Künstler:innen, Architekt:innen, Denkmalpfleger:innen und Kulturschaffenden fasst die Auftaktreihe des Humboldt-Forums, um an den Palast der Republik, den Sitz der Volkskammer der DDR, zu erinnern, eher als Zynismus auf. Daran zeigt sich, dass der Wiederaufbau des Schlosses nach wie vor umstritten ist. Die baulichen Spuren der Ostmoderne rund um Dom und Staatsoper würden weggespült, betont Schöll.

Einige Relikte erinnern an den Palast der Republik

Eine Position, die der Programmleiterin Judith Prokasky von der Stiftung Humboldt-Forum stets bewusst ist: "Gleichzeitig wird mit einer Verortung des Palastes auch Wertung verbunden. Allein den Palast zu zeigen, auf unseren Plakaten, wurde kritisiert als eine Verherrlichung des Unrechtsstaates DDR." Anders als andere Museen sei das Humboldt-Forum eben kein Ort, der weitgehend als neutral wahrgenommen werde. Gerade deshalb sei die Auseinandersetzung und der aktuelle Diskurs aber auch gleichermaßen wichtig wie spannend.

Am Wochenende wurde der Palast der Republik unter anderem durch spezielle Führungen zur Geschichte "vergegenwärtigt": In einer Sound-Installation waren Interviews mit Zeitzeugen zu hören, ein Dokumentarfilm zeigte ein detailliertes Portrait. Während die Kegelbahnen im Schlüterhof eine Referenz sind auf die Bowlingbahn, die im Palast der Republik existierte, finden sich in den Innenräumen des Humboldt-Forums an mehreren Stellen auch tatsächliche Spuren. Relikte wie das ursprüngliche Wegeleitsystem oder auch ein Wandrelief aus Meissner Porzellan, die als Ausstellung aufbereitet weitere Informationen zum Palast der Republik liefern.

Als wäre es nie weg gewesen - "das ist der Zustand, vor dem wir uns fürchten"

Einen Platz bei einer der Führungen zu bekommen, ist allerdings gar nicht so einfach, und so sehen wohl viele, die spontan ins Humboldt-Forum gestolpert sind, die eigentlichen Ausstellungsobjekte mitunter gar nicht. Andere kommen mit gezieltem Interesse, wie umstritten der Ort ist haben aber auch sie immer im Kopf.

In den kommenden Jahren sollen in vier Phasen die Themen Architektur und Nutzung in der Zeit der DDR, die Umbruchzeit 1989/90, die Zwischennutzung bis zum Abriss im Jahr 2008 und die Erinnerungsorte im heutigen Humboldt-Forum dargestellt werden. Für Clemens Schöll vom Förderverein Palast der Republik reicht das aber nach wie vor nicht: "Es gibt doch diesen Ausspruch: 'Wenn es einmal Patina hat, sieht es aus, als wäre es nie weggewesen' – und genau das ist der Zustand, vor dem wir uns fürchten."

Um den Palast also wirklich zu vergegenwärtigen, brauche es mehr – eigentlich einen Wiederaufbau, zumindest aber erst einmal ein Modell des Palastes der Republik. Um auch außen – auf dem Gelände des Humboldt-Forums – dauerhaft auf ihn aufmerksam zu machen.

Vom Berliner Stadtschloss zum Humboldt-Forum

Sendung: rbb24 Abendschau, 30.04.2022, 19:30 Uhr

19 Kommentare

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  1. 19.

    Mag sein, dass ich da auch mehr ideologisch geprägt bin. Als Ossi war für mich die Rechnung: da ist die Regierung drin; also: schlecht. Drinnen war ich ab und zu: War so 70er jahre DDR-Schick. Das Humboldtforum gefällt mir, bis auf die "moderne" Seite, ganz gut. Da das alte Stadtschloss vor meiner Zeit abgerissen wurde, ist es für mich keine Kopie, sondern ein Neubau. Auch, wenn ich die alten Bilder natürlich kenne.

  2. 18.

    Diese Aussage hat überhaupt nichts mit Verherrlichung der DDR-Diktatur zu tun!

    Erichs Lampenladen ist nun mal Teil unserer selbst erlebten Geschichte und man kann keine Aufarbeitung durch Abreißen betreiben.

    Mit etwas mehr Respekt vor den Lebenserfahrungen der DDR-Bürger und der Geschichte dieses Ortes wäre eine architektonisch klügere Lösung möglich gewesen.

  3. 17.

    Hallo Volker,
    diese Verherrlichung der pleite gegangenen DDR ist ja nicht mehr auszuhalten.

  4. 16.

    Vor allem nach heutigen Maßstäben(!) war der Palast sicherlich nicht die absolute Krönung der Ästhetik … Den Entwurf dafür hat man damals aber bestimmt auch nicht deshalb ausgewählt, weil man ihn da schon so außerordentlich hässlich fand ; ) Mit seiner in der Sonne kupferfarben glänzenden Glasfassade mochte ich ihn wirklich sehr. Meiner Meinung nach hätte man lieber zu diesem bestehenden Stück Geschichte stehen und das Stadtschloss in Frieden ruhen lassen sollen – anstatt es wie einen Untoten wiederauferstehen zu lassen. Denn so fühlt es sich leider für mich an: wie ein seelenloser Zombie … Aber nun steht’s da – und wenn‘s andern gefällt, soll‘s mir auch recht sein!

  5. 15.

    Ich, als Ost-Kind, bin da vollkommen gegensätzlicher Meinung und bin froh, dass der "Palast" weg ist. Schön? Na ja...;)) Und ich sag nicht, dass das Humboldtforum jetzt das Maß der Dinge ist. Auch wenn ich für den Aufbau gespendet habe, interessieren mich die anderen Meinungen natürlich auch...

  6. 14.

    Ich sehe das genauso. Wenn man anstelle der langweiligen Schießscharten-Architektur auf der Ostseite die Fassade des Palastes rekonstruiert hätte, wäre dies ein Statement gewesen an die Menschen, welche in Erichs Lampenladen mehr als nur die Volkskammer gesehen haben.
    Das war eben auch ein Kulturzentrum mit Bühnenshows, Bowlingbahn und Familienfeiern. Da geht man regelmäßig hin, in ein Museum nur hin und wieder mal. Das Stadtschloss steht für nichts modernes mit einem rückwärtsgewandten Bibelspruch am Turm.

  7. 13.

    An dieser prominenten Stelle würde ich da doch widersprechen. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, aber schön, naja. Ausserdem wie hätte er denn genutzt werden sollen. Er hätte genauso vor sich hin gegammelt wie das ICC.

  8. 12.

    "... und wollen weiter in der Vergangenheit leben."??
    Weil die ewig Gestrigen lieber in der Zeit des Feudalismus leben wollen, oder weshalb sonst sollten die Dresdner Frauenkirche und das Berliner Schloss wieder aufgebaut worden sein?
    Die Berliner wurden übrigens nie gefragt, was für ein Gebäude an der Stelle stehen soll!

  9. 11.

    Sie glauben doch nicht, dass dort das Leben toben würde. So schön die Linden sind. Es reizt dort einfach nicht zum bummeln. Es gibt dort, genau wie in der Friedrichstraße wenig schöne Geschäfte oder Kaffees. Und wenn man mal die Emotionen, die ich nachvollziehen kann weglässt, dann muss man zugeben, dass es jetzt schön und stimmig ist. Museumsinsel und Lustgarten sind jetzt einfach wunderschön. Das kann man ruhig mal wichtig nehmen.
    Wenn Sie jetzt gerne aufrechnen. Ich war sehr traurig als die Deutschlandhalle abgerissen wurde. Das wäre beim ICC weniger der Fall. Ausserdem steht es an einer Stelle, an dem es nicht "stört" Mir fehlt die Phantasie um mir vorzustellen, was da alternativ hin könnte. Das einzige Argument wäre der Unterhalt.

  10. 10.

    Ich, als West-Kind, bin da voll und ganz Ihrer Meinung. So ein schönes und wichtiges Stück sozialistischer Architekturgeschichte hätte definitiv als Zeitdokument erhalten werden müssen!

  11. 9.

    Es gab eine Inspiration für ein den "Linden" zugewandtes Bauwerk.
    Und dann rollten später die Baumaschinen. Das ist natürlich technische Gewalt, allerdings keine geistige.

    Das Beste wäre natürlich gewesen, die Spreefassade wäre erhalten geblieben. Dass das nicht so kam, ist wieder einmal dem beidseitig aufgebauschten Gegensatz zuzuschreiben.

  12. 8.

    Da frage ich mich wieso man den Palast erst abgerissen hat um denn ihn wieder einzeln als Model wieder aufzubauen. Hier wurde politischer Wille mit Gewalt durchgesetzt.

  13. 6.

    Ein Glück das nicht die Diktatur gesiegt hat.
    Und TOT ist ja vor allem die "DDR" :)

  14. 5.

    Lustig! Der Ballast der Republik ist also selbst als Modell eine Reminiszenz an die DDR - das geht nicht weil dort der Teufel wohnte - klar!
    Der Aufbau einer patjomkinschen Fassade in Form eines Stadtschlosses ist dann was? Der Zukunft zugewandt unter Verdrängung der Zeiten des WW1 und WW2 - welche maßgeblich durch Kaiser Gott und Vaterland losgetreten wurden?
    Der Palast war ein Statement welches nie so angenommen wurde.
    Man ging zuShow, Theater, Disco und Essen und "schiß" auf Partei und Co.

  15. 4.

    Siegerjustiz. Ein Protz- und Prestigeobjekt für die "wichtigen" in Zentraler Lage. Da hätte die Kultur bleiben sollen, welche das Stadtzentrum belebt. Denn diese Gegend ist nach Geschäftsschluss TOD.
    Das ICC muss auch abgerissen werden. Gleiches Recht für "alle"

  16. 3.

    Künstler machen aus allem etwas. Das ist geradezu das Lebenselexier der Kunst. Dass im Stadtraum nicht alles gemacht werden kann, weil es städtebauliche Kompositionen und - bei Missverständnissen darüber - eklatante Disproportionen gibt, ist darin gemeinhin nicht vorgesehen.

    Das betrifft jetzt die spezielle Aktionskunst. Die Baukunst hat sich in ihrer Blütezeit immer von so einem ortsungebundenen Vorgehen gelöst. Deshalb Venedig, deshalb Prag, deshalb Budapest, deshalb die Straße Unter den Linden mit ihrem Auftakt, mit ihrem Verlauf und ihrem "Finale". Wer das Brandenburger Tor als "Finale" will, muss auch das Berliner Schloss wollen.

    Der Palast war nie und nimmer Auftakt der Linden und der sollte das auch nie sein. In Schöneweide, in Hellersdorf oder an der Rhinstraße gestanden, hätte ihn niemand abgerissen.

  17. 2.

    Wie witzig. Die Schlossfassade ja so zukunftsgewandt. Und das Kreuz auf der Kuppel steht für Weltoffenheit.

  18. 1.

    Bitte nicht die alten DDR-ZEITEN inform eines Wiederaufbaus und sei es auch nur als Modell heraufbeschwören.
    Warum können manche Menschen nicht loslassen und wollen weiter in der Vergangenheit leben.

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