Neues Museum in Berlin - Grosz gibt's an der Tankstelle

Sa 14.05.22 | 16:12 Uhr | Von Marie Kaiser
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Das Kleine Grosz Museum; dpa/Jörg Carstensen
Audio: rbb Kultur | 13.05.2022 | Marie Kaiser | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Das kleine Grosz Museum eröffnet am Samstag in Berlin-Schöneberg. Interessant ist dabei die Entstehung - und die Überzeugungskraft der Künstler. Und dann ist da noch der ganz spezielle Ausstellungsort. Von Marie Kaiser

Früher wurde hier Benzin getankt und Reifendruck geprüft - jetzt ist die ehemalige Tankstelle vom "Standardtyp der Shell AG von 1956" eine kleine Oase im Berliner Stadtgewimmel. An der Bülowstraße rattern die U-Bahnen vorbei. Aber da, wo einst Zapfsäulen standen, plätschert jetzt ein Teich mit Koi-Karpfen in einem Kieferngarten vor sich hin.

Galerist Juerg Judin hatte die Tankstelle gekauft und 15 Jahre darin gewohnt. Jetzt ist Judin aus dem kleinen Flachbau mit großer Glasfront und geschwungenem Dach ausgezogen, um Platz für das kleine Grosz Museum zu machen.

Kleines Museum für großen Karikaturisten

"Das hätte ihm auf jeden Fall gefallen"

Es ist ein Ort, der auch den Künstler überzeugt hätte, da ist sich Ralf Kemper, zweiter Vorsitzender des Vereins "George Grosz in Berlin", sicher: "Das hätte ihm auf jeden Fall gefallen. Wir sind auch direkt dort, wo er auch war. Hier um die Ecke ist der Nollendorfplatz. Da war die Piscator-Bühne, damals ein proletarisches Theater. Die Potsdamer Straße war immer ein Galerienviertel, in dem er sich bewegt hat. Vergnügungsstätten gab es noch und nöcher. Der Ort passt also wie die Faust aufs Auge."

In Berlin geboren, in Berlin gestorben

Ralf Kemper ist Anwalt für Baurecht und begeistert sich seit seiner Schulzeit für den Künstler. Heute sammelt er Arbeiten von Grosz. 2015 hat er den Verein George Grosz in Berlin gegründet - zusammen mit Ralph Jentsch, der den Nachlass von Grosz verwaltet.

Als weltberühmter Künstler, der in Berlin geboren und gestorben ist und auch als politischer Künstler, der schon 1923 vor Hitler gewarnt hat, kommt George Grosz in den Berliner Museen viel zu kurz, davon ist der Verein überzeugt: "Hier in der Stadt ist er einer unter vielen. Es heißt, er sei nicht bedeutsam genug und ja auch schon tot. Da gibt es sogar eine gewisse Ablehnung, die uns entgegengeschlagen ist. Man macht heute nicht mehr für einen Künstler ein Museum, hieß es da."

Ein dauerhafter Ort für George Grosz

In Berlin sind die Arbeiten von Georg Grosz auf verschiedene Museen verteilt wie die Akademie der Künste, die Berlinische Galerie und die Neue Nationalgalerie. Immer wieder kommen diese Kunstwerke für Grosz-Ausstellungen zusammen wie zuletzt 2018 in einer großen Retrospektive im Bröhan Museum. Der Verein aber wünscht sich einen dauerhaften Ort für George Grosz in Berlin und eröffnet nun an diesem Samstag gleich zwei kleine Ausstellungen im neuen Anbau, der extra fürs Museum an der Tankstelle entstanden ist.

Von Dada bis zur Nachkriegszeit

In der Dauerausstellung kann sich jeder einen Überblick machen über die Kunst von Grosz von Dada bis zur Nachkriegszeit. Die Wechselausstellung "Schreiben Sie doch bitte Grosz statt Gross. Wie aus Georg Ehrenfried Gross der politische Künstler George Grosz wurde" bringt wohl auch eingefleischte Grosz-Fans noch zum Staunen. Zu sehen sind Kinder- und Jugendzeichnungen des Künstlers.

Besonders in Erinnerung bleibt ein herausgerissener Zettel, auf dem der kleine Georg mit elf Jahren Frösche beim Schwimmtraining zeichnet. Der böse Schwimmlehrer droht mit der Rute, während den Schwimmschülerfröschen dicke Tränen aus Augen kullern. Da lässt sich der spätere Karikaturist George Grosz schon erahnen.

Ein Angebot an die Stadt

Ein gelungener Auftakt für dieses wirklich sehr kleine Museum, in das gerade einmal 50 Besucherinnen und Besucher passen und das auch keine eigene Sammlung vorweisen kann, sondern mit verschiedenen Leihgaben aus privaten Sammlungen arbeitet, wie Ralf Kemper erklärt. "Es ist in vielerlei Hinsicht das kleine Grosz Museum. Von der Größe. Von der Bedeutung. Sie werden hier nicht bombardiert mit 500 Werken aus allen Schaffensphasen. Auch vom Ansatz. Es ist ja ein temporärer Ansatz, für eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort. In der Hoffnung, dass Berlin das so toll findet, dass der Druck wächst und man sagt, da muss ein dauerhafter Ort für gefunden werden. Es ist ein Angebot an die Stadt."

Erst einmal wird es dieses Angebot an die Stadt nur für fünf Jahre geben - finanziert durch Sponsoren und Spenden. Was danach kommt, hängt ganz stark davon ab wie dieses kleine Grosz Museum beim Publikum ankommt.

"Das kleine Grosz Museum" startet fürs Publikum mit der Ausstellung "Schreiben Sie doch bitte Grosz statt Gross. Wie aus Georg Ehrenfried Gross der politische Künstler George Grosz wurde". Die Ausstellung ist bis 30. September zu sehen im kleinen Grosz Museum in der Bülowstraße in Berlin-Schöneberg. Geöffnet ist immer von Donnerstag bis Montag - Zeitfenstertickets können Sie vorab online buchen. Sie kosten 10 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Sendung: rbb24 Abendschau, 14.05.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Marie Kaiser

3 Kommentare

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  1. 3.

    Bülowstraße 18
    Schöneberg
    10783 Berlin
    Sehr nahe am U-Büllowstr.

    Das dort so eine kleine Oase entstanden ist, beeindruckt mich und es sieht schön aus. Ich kenne die Tankstelle noch im Verfallszzstand / ungenutzten Zustand und dachte immer, das anliegende Hotel betreibt dort ein Eventraum.

  2. 2.

    Da hat der Galerist Jürg Judin? 15 Jahre lang gewohnt. Zu sehen G.Grosz Arbeiten meist auf Papier super gehängt!

  3. 1.

    Von Vorteil ist, dass die Bülowstrasse nur ca 400m lang ist, um die Adresse zu finden.

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