A-ha in der Mercedes Benz Arena - Ein Mal noch

a-ha live bei einem Konzert der 'Hunting High and Low'-Tour in der Mercedes-Benz Arena. Berlin, 11.05.2022 (Quelle: Geisler-Fotopress/Thomas Bartilla)
Audio: Inforadio | 12.05.2022 | Hendrik Schröder | Bild: Geisler-Fotopress/Thomas Bartilla

1985 wurden A-ha mit ihrem Album "Hunting High and Low" über Nacht weltberühmt. Nun sind sie auf Tour, um die Platte für ihre Fans noch ein Mal am Stück zu spielen. Eine Idee, die die Mercedes Benz Arena am Mittwoch zum Beben brachte. Von Hendrik Schröder

Beim Betreten der Halle erst mal etwas Enttäuschung, denn die Bühne ist so karg und schmucklos, einfach eine leere Bühne. Aber dann geht es los und es wird klar: eine tennisplatzgroße Videowand macht die ganze Show. Dort fliegen Planeten durch die Gegend, tauchen Waldlandschaften auf, animierte Zeichentrickflime und natürlich immer wieder die Musiker in Nahaufnahme. Die Videowand ist derart dominant, dass A-ha darunter regelrecht klein wirken. Also physisch und charismatisch.

Die drei sind zwar nicht lustlos und spielen zusammen mit ihrer kleinen Begleitband sehr gut, aber wie bei der Arbeit, ohne Euphorie. Gitarrist Pal mit Hut auf dem Kopf rockt noch ein kleines bisschen, wenn ihm eines seiner bluesigeren Riffs besonders gefällt. Keyboarder Magne taut ein oder zwei Mal auf, vor allem als er ernst und engagiert erklärt, dass das kommende Album "True North" sich mit dem Klimawandel und der Hoffnung auf die nächste Generation beschäftigt.

Sympathisch sind sie. Stehen aber echt viel rum, als liefe noch der Soundcheck. Und man fragt sich: Ist das die ganz normale norwegisch kühle, bescheidene Art oder was ist los? Und dann ist da noch der Sänger Morten Harket und sein Knopfproblem.

Die Leiden des Sängers

Morten Harket trifft die ganz hohen Töne manchmal nicht mehr. Das ist nicht ungewöhnlich, Harket hat zwar immer noch Oberarme wie ein Bauarbeiter, die gewohnte Wuschelfriese und sehr treue Augen, ist aber mittlerweile 62. Die Songs im zweiten Teil des Konzerts sind über 35 Jahre alt und vom Gesang her sehr ambitioniert, klar kann er diese krassen Falsett-Stellen heute nicht mehr alle sauber singen. Das nimmt ihm auch keiner übel, das ist für die mega Stimmung in der Halle auch total egal.

Aber er sieht dabei so leidend und angespannt aus. Greift sich im Minutentakt an seinen Knopf im Ohr, hält den Arm ganz krampfig neben dem Körper. Und manchmal wirkt er so verloren auf der Bühne, als wisse er gar nicht so genau, wo er sich hinstellen soll, so schüchtern.

Wenn die anderen ihre Instrumental-Passagen spielen, dann geht er ein bisschen hin und her, sieht aber gar nicht mehr wie ein Teil der Band aus. Ist das immer so? Liegt es daran, dass A-ha nach eigenem Bekunden nie Freunde, sondern immer nur Kollegen waren und Harket eh eher der Außenseiter in der Konstellation? Es wirkt jedenfalls alles seltsam.

Klatschen, knutschen, Taschenlampen

Geil ist aber, dass das Berliner Publikum in der ordentlich vollen Arena die etwas sehr defensive Performance mehr als wett macht. Ab spätestens Song vier sitzt keiner mehr im bestuhlten Innenbereich, die ganz aufgekratzten Supporter springen vorne am Absperrgitter auf und nieder. Handytaschenlampen gehen zu hunderten in die Luft, Norwegen Schals wirbeln durch die Gegend, an den richtigen Stellen wird mitgesungen, im Takt geklatscht, geschrien, Zugabe gerufen, gestrahlt und geknutscht. Obwohl das Konzept des Abends etwas ungewöhnlich ist. Erst kommen weniger bekannte und brandneue Songs, dann ist 20 Minuten Pause, dann kommt das ganze "Hunting High and Low"-Album am Stück, aber in anderer Reihenfolge, damit die drei großen Hits am Ende kommen.

Und ganz zum Schluss, als einzige Zugabe dann "Take On Me", der mit fast einer Milliarde Youtube-Klicks einer der erfolgreichsten Songs aller Zeiten ist. Also trotz dieses etwas konstruierten Ablaufs machen die Leute, was sie bei einem Konzert einer Band wie A-ha machen sollen. Sie feiern sich selbst, ihre Jugend, ihre Geschichte, ihre Gedanken und Gefühle, die für immer mit diesen Melodien verknüpft sein werden. Und das ist am Ende doch schön.

Sendung: rbb24 Inforadio, 12.05.2022, 7.55 Uhr

Beitrag von Hendrik Schröder

3 Kommentare

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  1. 3.

    Take on me hat 1,7 Milliarden Klicks, nicht fast eine Milliarde.

  2. 2.

    Jaaa danke sage ich auch... endlich einmal live erlebt..grosses Glücksgefühl für mich, und meinen Kindern die Musik gezeigt, die meine Zeit begleitete, als ich in ihrem Alter war! Man hat euch euer Alter angemerkt, aber das war so sympathisch, denn auch wir Fans sind älter geworden...es war ein großartiges Konzert!!

  3. 1.

    ;-) es war einfach nur schön......Danke das ihr noch einmal für uns gespielt habt.

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