Konzertkritik | Helge Schneider im Tempodrom - Sinn suchen im Unsinn

Mi 25.05.22 | 10:14 Uhr
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Künstler Helge Schneider mit seiner Show (Quelle: dpa/Voelker)
dpa/Voelker
Audio: Inforadio, 25.05.2022, Hans Ackermann | Bild: dpa/Voelker Download (mp3, 4 MB)

Im Berliner Tempodrom hat am Dienstag die "Helge-Schneider-Woche" begonnen - an fünf Abenden hintereinander ist der Musiker und Entertainer aus Mülheim an der Ruhr mit seinem neuen Programm zu sehen. Endlich ist er wieder da, meint Hans Ackermann

Helge Schneider hat seinem neuen Programm den Titel "Ein Mann und seine Gitarre" gegeben. Eine bemerkenswerte Überschrift, wenn man bedenkt, dass sein Hauptinstrument von je her eigentlich das Klavier ist.

Und so dauert es auch bis zum dritten Song, erst dann hängt sich Helge Schneider eine elektrische Gitarre um. Statt zu spielen, klopft er aber erstmal mit dem Finger auf den Stecker, genießt die Geräusche, die dadurch im Verstärker entstehen, lässt es knacken und brummen. Eine elektrotechnische Exkursion, die das Publikum mit kräftigem Beifall begrüßt, ihn dann aber irgendwann auch endlich als "Gitarrenmann" erleben kann.

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Helge Schneider im Tempodrom

An vier weiteren Abenden, bis einschließlich Samstag, tritt Helge Schneider mit seinem Programm "Ein Mann und seine Gitarre" in Berlin auf, immer um 20 Uhr Uhr im Tempodrom.

Papst mit "b"

Unter schrecklichen Verrenkungen - in Wirklichkeit natürlich ganz entspannt und sehr gekonnt - spielt er den Blues, quält höchste Töne aus dem Instrument heraus, begleitet von einigen ekstatischen Schreien. Nach diesem "Vorspiel" beginnt der eigentliche Song, der vom Leiden des Papstes erzählt. Wobei Helge das katholische Oberhaupt mit einem "B" in der Mitte schreibt und singt: "Der Pabst ist auch nur ein Mensch. Er kann gar nicht in die Eisdiele gehen. Ohne erkannt zu werden."

Das Lied vom "Pabst" ist an diesem Abend leider auch schon der einzige Song, bei dem Helge Schneider Gitarre spielt. Ansonsten wird er, so wie bei der "Wurstfachverkäuferin", gleich zu Beginn vom vorzüglichen Sandro Giampietro auf einer akustischen Gitarre begleitet. Giampietro ist auch auf Helge Schneiders aktuellem Livealbum der eigentliche "Mann an der Gitarre".

Künstler Helge Schneider mit seiner Show (Quelle: dpa/Voelker)

Zwischen Tegtmeier und Ellington

Das Lied von der "Wurstfachverkäuferin" hat Helge Schneider 1997 zum ersten Mal gesungen. Im gleichen Jahr wurde ihm im westfälischen Herne der "Tegtmeier-Ehrenpreis" verliehen, in einem Wettbewerb, der nach dem Komiker Jürgen von Manger benannt ist. Dessen Ruhrgebiets-Komik kombiniert Helge Schneider wie kein zweiter mit einer atemberaubenden Musikalität.

Bei Duke Ellingtons "Mood Indigo" etwa zeigt sich der begnadete Jazzpianist als Virtuose am Vibraphon, spielt zwischendurch aber auch mal Trompete oder Kontrabass. Dazu erzählt und improvisiert er lustige Geschichten, wie jene von der Stadtrundfahrt durch Berlin 1972, bei der er Duke Ellington im Bus getroffen haben will oder beschreibt höchst amüsant seinen kürzlichen Besuch bei Tina Turner in ihrer "Wohnanlage in der Schweiz". Absurde Komik, die Schneiders Kritiker auch schon mal Anti-Humor genannt haben, Sinn suchen im Unsinn trifft es aber vermutlich besser.

Künstler Helge Schneider mit seiner Show (Quelle: dpa/Voelker)

Komik mit Kräutern

Vielleicht liegt es am Pfefferminztee, den sich Helge Schneider von seinem Gehilfen immer mal wieder bringen lässt - die kräutergestützte Komik lässt auf der Bühne und im Saal jedenfalls eine äußerst angenehme Stimmung entstehen. Er sei froh, nach zwei Jahren wieder auf richtigen Bühnen spielen zu können. Und wir können froh sein, das Helge Schneider wieder da ist!

Sendung: Inforadio, 25.05.2022, 7:55 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Helge ist das beste was das Land zu bieten hat. Ich bin sehr stolz.

  2. 1.

    Puhhhh, naja, es scheint ja Bedarf zu geben...

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