Nach monatelangen Querelen - Deniz Yücel als PEN-Präsident zurückgetreten

Fr 13.05.22 | 20:16 Uhr
Deniz Yücel, Präsident der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrums Deutschland steht zu Beginn der Mitgliederversammlung am Rednerpult. (Quelle: dpa/Martin Schutt)
Bild: dpa/Martin Schutt

"Ich möchte nicht Präsident dieser Bratwurstbude sein" - mit diesen Worten hat Deniz Yücel nach nur sieben Monaten als PEN-Präsident hingeschmissen. Bei der Mitgliederversammlung in Gotha war seine Abwahl zuvor knapp gescheitert.

Der Berliner Journalist Deniz Yücel ist am Freitag als PEN-Präsident zurückgetreten. Zugleich kündigte er seinen Austritt aus der Schriftstellervereinigung an. "Ich möchte nicht Präsident dieser Bratwurstbude sein", sagte Yücel auf der Mitgliederversammlung in Gotha.

Zuvor war ein Abwahlantrag knapp abgelehnt worden. Von 161 abgegebenen gültigen Stimmen votierten 73 Mitglieder für seine Abberufung, 75 Mitglieder stimmten dagegen.

Erst seit Oktober im Amt

Das jetzige Präsidium mit dem 48-jährigen Yücel an der Spitze war erst im vergangenen Oktober gewählt worden. Die vergangenen Monate waren von heftigem Streit innerhalb der Führungsriege geprägt. Dabei ging es unter anderem um Beleidigungen, Mobbingvorwürfe und den Umgangston. Der Führungsstil des Präsidiums wurde in Gotha hitzig und in sehr aufgebrachter Stimmung debattiert.

Yücel schrieb unter anderem für die "taz" und für die "Welt". In der Türkei hatte er bis zum Februar 2018 ein Jahr lang wegen angeblicher "Terrorpropaganda" in Untersuchungshaft gesessen.

Das PEN-Zentrum Deutschland mit nach eigenen Angaben 770 Mitgliedern ist eine der weltweit mehr als 140 Schriftstellervereinigungen, die im internationalen PEN vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists und Novelists.

Sendung: Tagesschau, 13.05.2022, 20:00 Uhr

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