Konzertkritik | Nick Waterhouse im Metropol - Rock'n'Roll mit Brille auf der Nasenspitze

Di 31.05.22 | 08:20 Uhr
Archivbild: Nick Waterhouse bei einem Konzert im Columbia Theater in Berlin, 27. März 2019. (Quelle: imago/Martin Müller)
Audio: rbb24 Inforadio | 31.05.2022 | Simon Brauer | Bild: imago/Martin Müller

Mit seiner dunklen Hornbrille sieht er ein bisschen aus wie Buddy Holly: Nick Waterhouse, Gitarrist, Sänger und Retrospezialist aus Los Angeles. Nach coronabedingter Zwangspause konnte Waterhouse seine verschobene Deutschlandtour beginnen. Von Simon Brauer

Es war eine kleine Jubiläumsfeier: Vor genau zehn Jahren ist das Debütalbum von Nick Waterhouse erschienen, und vor genau zehn Jahren hat er auch zum ersten Mal live in Berlin gespielt. Seitdem liebt er die Energie der Hauptstadt, sagt Waterhouse - und das Berliner Publikum liebt ihn auch.

Zehnjähriges Berlin-Jubiläum

"Promenade Blue", so heißt das aktuelle Album von Nick Waterhouse, mit dem er nach langer Corona-Zwangspause auf Tour gehen kann. Erste Station: das Metropol in Schöneberg.

So muss es geklungen haben zu den Anfangszeiten des Rock'n'Roll und Rhythm and Blues: Die Songs krachen und vibrieren, Waterhouse und seine fünfköpfige Band sind perfekt eingespielt. Immer wieder suchen die Musikerinnen und Musiker Blickkontakt zu Waterhouse, der seine Gitarrensoli so lässig spielt, dass er zwischendurch noch die Brille zurechtrücken kann, wenn sie mal wieder auf die Nasenspitze gerutscht ist.

Zeitreise mit dem Retrospezialisten

Das Publikum im fast ausverkauften Metropol ist vom ersten Ton an euphorisch dabei. Jedes Solo wird bejubelt, es wird getanzt und mitgesungen. Mit musikalischen Überraschungen rechnet niemand bei diesem Nick-Waterhouse-Konzert. Rock‘n’Roll, rauer Rhythm&Blues, ein bisschen Jazz und früher Soul: Alle wissen, dass sie sich auf eine Zeitreise in die 50er und 60er Jahre eingelassen haben.

Kusshände und selbstgemachte Lieblingsmusik

Nick Waterhouse ist anzusehen, wie dankbar er ist, dass er endlich wieder auf der Bühne stehen darf. Der 36-jährige Kalifornier wirft Kusshände ins Publikum, kniet vor seinem Gitarrenverstärker und tanzt zu seiner Lieblingsmusik, die praktischerweise seine eigene Band gerade spielt. Waterhouse schafft es, den alten Sound in die Gegenwart zu holen. Rau, tanzbar und unwiderstehlich. Nach gut 90 Minuten glückliche Gesichter überall auf und vor der Bühne - dank Nick Waterhouse wurde dieser miese kleine Montagabend zu einer ausgelassenen Tanzparty.

Sendung: rbb24 Inforadio, 31.05.2022, 6 Uhr

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