Konzertkritik | Nick Cave in der Waldbühne - Hochemotionaler Abend mit dem australischen Schmerzensmann

Do 30.06.22 | 09:40 Uhr | Von Simon Brauer
  1
Nick Cave singt auf der Bühne. (Quelle: dpa/M.Kamaryt)
Audio: rbb24 Inforadio | 30.06.2022 | Simon Brauer | Bild: dpa/M.Kamaryt

Nick Cave ist beim Konzert in der Berliner Waldbühne nur selten bei seiner Band, den Bad Seeds. Lieber ist er auf dem Laufsteg vor der Bühne. ganz nah beim Publikum. Ein langer Abend, an dem in keinem Moment die Spannung nachlässt. Von Simon Brauer

Macht euch bereit für die Liebe: "Get Ready for Love", singt Nick Cave gleich zu Beginn des Konzerts. Er hätte auch singen können: Macht euch bereit für mehr als zweieinhalb Stunden berauschende Livemusik, die ihr so schnell nicht wieder vergessen werdet.

Von Anfang an sucht Nick Cave an diesem Mittwochabend in der Berliner Waldbühne die Nähe zum Publikum. Auf der großen Bühne ist er nur selten - bei seinen Bad Seeds, beim dreiköpfigen Gospelchor und bei seinem Flügel. Nick Cave ist lieber auf einem langen, schmalen Laufsteg unterwegs, direkt vor der Bühne, direkt bei den Fans. Er schüttelt Hände, wirft sich in die Menge und verteilt Umarmungen.

Lust auf Lärm

Die Band sieht wie so oft fantastisch aus: Der Background-Chor in weiten Glitzergewändern, die älteren Herren der Bad Seeds, alle so um die 60, und auch Nick Cave in dreiteiligen schwarzen Anzügen mit Weste und weißem Hemd. Und alle haben Lust auf Lärm. Schon beim dritten Song wälzt sich Nick Cave über die Bühne, animiert seinen Mitmusiker Warren Ellis, noch schrägere und lautere Töne aus seiner Geige rauszuholen.

In seinen Liedern ist Cave der große Geschichtenerzähler: Immer wieder geht es um Liebe und Schmerz, Verlust und Erlösung. Zwischen den Songs hat er dagegen beim Konzert kaum etwas zu sagen. Nur immer wieder: "Thank you, danke, Berlin!" Er würdigt die Stadt, in der er sieben Jahre lang gelebt hat, als herrlich heruntergekommen und erwähnt kurz, dass sein großer Hit "The Mercy Seat" hier in Berlin entstanden ist.

Die Hauptstadt herrlich heruntergekommen

Gut 20 Songs aus ihrer fast 40-jährigen Karriere spielen Nick Cave und seine Bad Seeds - und zu keinem Moment lässt die Spannung nach. Die wenigen Balladen sind wehmütig und berührend, die lauten Stücke wild und krachend. Vor allem direkt vor der Bühne sind die Menschen kaum zu halten: Jung und Alt, Mann und Frau - alle strecken sich und wollen ihn unbedingt ein Mal berühren, den düsteren Prediger und Schmerzensmann.

Beim Konzert hat er nicht darüber gesprochen, aber erst im Mai musste Nick Cave den Tod seines zweiten Sohnes verkünden. Beim Konzert in der Waldbühne war deutlich zu sehen, was ihm gerade Trost und Kraft spendet: seine Fans, seine Band und seine Musik. Wieder einmal ein hochemotionaler Abend mit dem australischen Ex-Berliner.

Sendung: rbb24 Inforadio, 30.06.2022, 07:00Uhr

Beitrag von Simon Brauer

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    Es war ein sehr emotioneller fantastischer Abend mit Nick Cave. Danke Nick und danke dem Rbb für diese schöne Konzertkritik.

Nächster Artikel