Neue Vereinigung von Schriftstellern - Mehr als 200 Autoren um Deniz Yücel gründen PEN Berlin

Di 07.06.22 | 16:38 Uhr
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Archivbild: Christoph Nix, PEN- Mitglied, steht neben Deniz Yücel (l), Präsident der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrums Deutschland, zu Beginn der Mitgliederversammlung am Rednerpult. (Quelle: dpa/M. Schutt)
Audio: radioeins | 07.06.2022 | Timo Mascheski | Bild: dpa/. Schutt

Mehr als 200 in Deutschland lebende Schriftsteller, Autorinnen und Publizisten wollen am Freitag einen neuen Schriftstellerverband mit dem Namen "PEN Berlin" gründen. Damit bekommt das zuletzt mit Querelen kämpfende deutsche Zentrum der "Poets, Essayists, Novelists" (PEN) Konkurrenz.

"Wir wollen einen neuen, zeitgemäßen und diversen PEN, in dem sich auf Deutsch schreibende oder in Deutschland lebende Schriftsteller:innen und Übersetzer:innen aller literarischen und publizistischen Genres zusammenfinden", heißt es in der am Montag in Berlin verbreiteten Ankündigung.

Zu den Gründern zählen Berkel, Kaminer, Kehlmann und Yücel

Gebraucht werde ein neuer PEN, der gemeinsam und unabhängig von Herkunft und Haltung Missstände anprangert und denjenigen hilft, die in ihrer freien Meinungsäußerung bedroht werden, heißt es weiter: "Ohne Präsident:innen und andere Titel, mit einem paritätischen Board an der Spitze." Die Freiheit des Wortes sei weltweit zunehmend bedroht. "Unser Fokus wird deshalb auf der materiellen und ideellen Unterstützung verfolgter Kolleg:innen liegen."

Unter den 232 Gründungsmitgliedern sind unter anderem Nora Bossong, Katja Lange-Müller, Christian Berkel, Hanns Zischler, Wladimir Kaminer, Daniel Kehlmann und Deniz Yücel. Yüzel war Mitte Mai vom Amt des Präsidenten des PEN Deutschland zurück- und dann aus dem PEN ausgetreten. Er warf der Schriftstellervereinigung unter anderem vor, er bestehe "in der Mehrheit" aus "selbstbezogenen kleinen Wichtigtuern".

PEN-Zentrum reagiert gelassen

Derweil beurteilt das deutsche PEN-Zentrum die angekündigte Neugründung einer Autorenvereinigung in einer ersten Reaktion als Ergänzung. "Wir sehen das als Bereicherung der Arbeit des PEN in dem Bemühen, uns neu aufzustellen", sagte die Generalsekretärin des deutschen PEN-Zentrums mit Sitz in Darmstadt, Claudia Guderian, am Dienstag auf Anfrage. Man wolle den Kontakt suchen.

Die Autoren, die sich zu der Neugründung bekannt hätten, seien überwiegend weiter auch Mitglieder im PEN. Es habe nur sehr, sehr wenige Austritte gegeben. Darüber hinaus habe jeder die Freiheit, einen Verein zu gründen. Inzwischen führt der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger den Verband interimistisch. Das PEN-Zentrum Deutschland hatte bislang rund 770 Mitglieder.

Weltweit sind mehr als 150 Schriftstellervereinigungen im PEN International zusammengeschlossen. Die 1921 in England gegründete Vereinigung versteht sich als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Yücel selbst saß wegen angeblicher Terrorpropaganda von Februar 2017 bis Februar 2018 in türkischer Untersuchungshaft.

Sendung: radioeins, 07.06.2022, 17 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Wer braucht den Yüzel noch? Der soll seine Wutanfälle besser mal woandershin richten.
    Unklar, was der so verbreitet.

  2. 3.

    Endlich mal eine einigermaßen ausgewogene Mischung von wirklich relevanten und diversen zeitgenössischen
    Schriftstellern im neuen Berliner PEN !
    Wurde auch mal Zeit.

  3. 2.

    Wozu brauchen wir das? Mir scheint hier wollen sich einige Autoren selbst verwirklichen und üben nun mal den Aufstand. Insbesondere Herr Yücel probt hier seine Selbstverwirklichung.

  4. 1.

    Was für ein Kindergarten, in Szene gesetzt von unseren intellektuellen Eliten.
    Das ist ja geradezu peinlich.

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