Techno-Parade in Berlin - War das die Loveparade 2.0?

So 10.07.22 | 14:27 Uhr | Von Luis Lemmen
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Unter dem Motto «Rave the Planet» zieht eine Parade aus Technofans tanzend auf der Straße des 17. Juni vorbei (Bild: dpa/Jörg Carstensen)
Video: rbb|24 | 09.07.2022 | Material: rbb24 Abendschau, ARD-aktuell, Helena Daehler | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Techno, Ekstase, jede Menge Bass. Am Samstag tanzten mehr als Hunderttausend Raver:innen bei “Rave the Planet”. Doch wie viel legendäre Loveparade steckte in dem neuen Techno-Umzug drin? Von Luis Lemmen

Wummernde Boxen, elektronische Sounds und ein Meer aus Regenschirmen - es ist laut und voll auf dem Ku'damm an diesem regnerischen Samstagmittag. Der Bass hämmert, die Meute tanzt. Die ersten Techno-Wagen, "Floats" genannt, rollen langsam los. Von oben schüttet es Regen und Konfetti, die Raver:innen geben alles.

Mittendrin im ganzen Glitzer: Fränki, Techno-Lover und Berliner Urgestein. Mit seinem orangen Overall und der lila Perücke fällt er inmitten der bunten Kostüme, nackten Haut und neonfarbenen Netzstrumpfhosen gar nicht auf. "Unglaublich, dass so viele hier am Ku'damm sind und abgehen", sagt Fränki, während der erste Float an uns vorbeirollt. Der Sound aus den Boxen ist so laut, dass ich kaum verstehe, was er sagt.

Fränki, Techno-Lover und Berliner Urgestein. (Foto: Luis Lemmen/rbb)
Fränki in Aktion. | Bild: Luis Lemmen/rbb

Erinnerungen an die Loveparade

"Dit is' wie bei den Loveparades in den 90ern", erzählt Fränki und lacht. Er muss es ja wissen: Fränki war schon bei der allerersten am Start. "1989 sind wir mit Hundert Leuten den Ku'damm runtergezogen. Seitdem war ich jedes Jahr dabei." Eine neue Techno-Parade war längst überfällig, findet Fränki: "Nach zwei Jahren Pandemie wollen die Leute wieder tanzen!"

Den Eindruck kann man durchaus gewinnen: "Freiheit und Selbstexpression", "einfach zusammenkommen und feiern" und "Techno forever", das lieben die Teilnehmer:innen an "Rave the Planet". Der Zug, bestehend aus den Floats und der Techno-Masse, bewegt sich nur langsam voran, aber mit jedem Schritt steigen Stimmung und Pegel. Verschiedene Techno-Styles bringen die Boxen zum Beben, darunter auch viele Tracks aus den 90ern.

Techno-Parade zurück in Berlin

"Techno ist gekommen, um zu bleiben"

Neben hartem Techno soll auch eine politische Message transportiert werden: Die Organisator:innen fordern auf Bannern mehr Förderung der Berliner Techno-Kultur und ein bedingungsloses Grundeinkommen für Kunstschaffende. Außerdem soll die elektronische Musikkultur UNESCO-Weltkulturerbe werden. Die "Rave the Planet"-Parade heute liefert ein gutes Argument für diese Forderungen.

Mehr als 100.000 Teilnehmer:innen

Mittlerweile ist der Himmel nicht mehr grau, sondern wolkenfrei und blau. Der Rauch aus den Nebelmaschinen der Floats glitzert im Sonnenlicht, während der Umzug am Brandenburger Tor Richtung Siegessäule einbiegt. Genau wie bei den Loveparades der 90er findet hier der Höhepunkt der Parade statt. Immer mehr Raver:innen kommen dazu. Mittlerweile seien es mehr als 100.000, sagt mir ein Polizist. Die alten Loveparades kenne ich nur aus Videos und dem Fernsehen, doch genau so muss es damals ausgesehen haben.

Auch die Outfits erinnern an die Paraden vor mehr als 20 Jahren. Bunt, freizügig, exotisch. Einige tragen wie Fränki die typischen Arbeitsoveralls und Latzhosen. Aber nicht nur das Aussehen der Techno-Meute ist bunt. Junge und ältere Raver:innen feiern hier zusammen. Die Stimmung ist locker und offen. "Jeder ist willkommen": mit dieser Aussage hatte Dr. Motte, Loveparade-Gründer und Rave the Planet"-Veranstalter, wohl Recht.

Von "Rave the Planet" zu "Save the Planet"

Doch die Loveparades der 90er hinterließen nicht nur einmalige Erinnerungen und Gehörschäden, sondern auch ein Bild der Verwüstung. Leere Flaschen, Kostümfetzen und Konfetti verschmutzten die Straßen und den anliegenden Tiergarten. Der Streit zwischen dem Berliner Senat und dem Veranstalter über die Kostenübernahme der Aufräumarbeiten endete mit dem Abzug der Loveparade aus Berlin.

Dieses Jahr hat man anscheinend aus den Fehlern gelernt: "Wir nehmen die Verantwortung gegenüber der Natur und der Umwelt ernst, um den nachfolgenden Generationen einen belebbaren Planeten zurückzulassen, auf dem sie weiter Raven können." So steht es in Facebook-Gruppen, die sich am Tag danach zum gemeinsamen Müllsammeln treffen. Außerdem auffällig: Viele achtsame Raver:innen stellen leere Flaschen gesammelt abseits der Straße hin, sodass sie einfacher abgeholt werden können.

Energie und Ekstase - war das die "neue Loveparade"?

"Rave the Planet 2022" war eine "Umbrella-Parade", "Endlich-wieder-feiern-Parade" und in den Augen vieler Raver:innen eindeutig die "neue Loveparade". Sie hoffen auf eine jährliche Wiederholung des Events. Die Stimmung sei "genauso wie damals" gewesen, sagt Fränki. Und das sei gut so, denn "Techno und die Loveparade, dit gehört einfach hier hin!" Wenn es einer weiß, dann wohl Fränki.

Sendung: rbb24 Abendschau, 09.07.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Luis Lemmen

56 Kommentare

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  1. 56.

    "Was wollen Sie?"
    Versuchen wir es mit: Der Verbreitung von Unwahrheiten entgegentreten.
    Oder haben Sie irgendwo gesehen, das die Trucks aufgefordert wurden in den großen Stern zu fahren und die Absperrung aufgehoben wurde?

  2. 55.

    "danach erzählen Sie uns, dass Sie mit dem Wagen 1 auf Grund der vielen Menschen hätten nicht vorziehen können."
    Was Sie sich so aus den Fingern saugen... Jetzt bin ich sogar schon für den Wagen verantwortlich.
    Wenn Sie sich schon keine Gedanken über Ihre eigenen Texte machen, lesen Sie wenigstens, auf was Sie antworten!
    Sie werden doch belegen können, was Sie da behaupten.
    Wie immer versuchen Sie sich zu drehen und zu winden, weil Sie nicht verstehen können, das Sie in der Realität angekommen sind.
    Der Stream von der 17. ist eindeutig und belegt, wie und wann und warum sich der Zug bewegt hat.
    Mal sehen, wie sich morgen die Veranstalter äußern. Bis dahin können Sie weiter ihre eigene Interpretation unterbringen. Aber hören Sie endlich auf zu lügen. Sie sind doch gestern schon mehrfach entlarvt worden.

  3. 54.

    "Die Straße war hinterher so voller Glasscherben, dass man sie mit dem Fahrrad kaum befahren konnte."
    Wären Sie so nett zu schreiben wann und wo?
    Ich selbst fuhr auch immer mal wieder durch Glasscherben. Eigenartigerweise gab es dort nie Raver.
    Hm...

  4. 53.

    Sehe ich auch so! Müßte es nicht statt "Rave the Planet" "Vermüllt den Planet" heißen? Wenn die Spaßgesellschaft "feiert".

    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/07/berlin-rave-the-planet-bsr-stadtreinigung-musik-parade.html


    So... mal sehen ob das jetzt weiterhin zensiert wird.

  5. 52.

    Das "Umdenken" war leider nicht zu spüren... Die Straße war hinterher so voller Glasscherben, dass man sie mit dem Fahrrad kaum befahren konnte. Und Müll und vollgepullerte Grünanlagen auch wie gehabt... Es IST eine kommerzielle Veranstaltung, für die Schäden sollte wie bei jeder anderen der Veranstalter aufkommen!

  6. 51.

    Hach, das haben Sie wirklich schön geschrieben. Das ist einfach genau das, was es früher schon ausgemacht hat. Abseits von Bewertungen und Beurteilungen anderer einfach zusammen eine schöne Zeit haben und sich frei fühlen. Und danach mit brummenden Knochen wunderbar zufrieden und entspannt erschöpft sein.

  7. 50.

    Erst haben Sie am Sonntag die Idee, dass die Wagen um den großen Stern herum hätten platziert werden sollen, danach erzählen Sie uns, dass Sie mit dem Wagen 1 auf Grund der vielen Menschen hätten nicht vorziehen können. Sie müssen sich schon für eine Geschichte entscheiden.

  8. 49.

    Hat die Polizei bei Arte gestreamt? "Die Einsatzleitung der Polizei Berlin erließ daher eine beschränkende Verfügung zum Abstellen der Musik im gesamten Versammlungsraum.."
    https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/2022/pressemitteilung.1224990.php

  9. 48.

    Der wesentliche Unterschied zu damals: die vielen smartphones. Wird wohl noch ein paar Jahre dauern,bis die Leute merken,dass sie sich den ganzen Kram größtenteils nie wieder ansehen werden.

  10. 46.

    "Hach ist das schön", freute sich das Covid-Virus. "So schön viele neue Ziele, die ich infizieren kann"

  11. 45.

    " Beendet hat die Versammlung gut 1/2 h der Versammlungsleiter, die Polizei hatte lediglich das Abstellen der Musik gefordert."

    Ich zitiere:
    "Aufgrund der unerwartet hohen Besucherzahlen wurde die Veranstaltung leider von offiziellen Seiten vorzeitig beendet"
    Dies ist was sich im Stream, als offizieller Text, von Arte während der Übertragung befindet. Nachzulesen da, wo auch zu sehen ist, das die Zufahrt in den Stern nicht möglich war.

  12. 44.

    "gemäß Ihrer Darstellung der erste Wagen nichtmals ein paar Meter hatte vorziehen können" Unsinn, das habe ich nirgend geschrieben! Wo lesen Sie, das AUF den großen Stern gefahren werden konnte? Ich lese in der Polizeimeldung: "um den Bereich des Großen Sterns erweitert, um mehr Raum für die Teilnehmenden zu schaffen. Dennoch kam es aufgrund der Tatsache, dass sich viele Teilnehmende an den Musiktrucks aufstauten zu Gefahrensituationen. Es drohten Personen gegen die aufgestellten Bauzäune gedrückt zu werden." Was auch immer Sie da rein interpretieren, es ist schlichtweg Unsinn. Der Bereich wurde erweitert, in der Arte-Doku ist das auch eindeutig zu sehen.
    Sie reden sich etwas ein und versuchen das als Tatsache zu verkaufen! Warum schauen Sie sich nicht den Arte LIVE Mitschnitt an!? Ab 4:35 fährt der Truck nach Aufforderung zur Entzerrung RICHTUNG Siegessäule. Und bei 4:37 sehen Sie wie die Zufahrt IN den Stern abgesperrt ist. Hören Sie auf sich etwas aus den Fingern zu saugen!

  13. 43.

    Was wollen Sie? Die Party war geil. Es war aber auch knallvoll. Das war das Problem. Der Mythos Love Parade lebt und das ist gut so. Das braucht es keine neuen Geschichten.

  14. 42.

    Die Polizei sagt allerdings wie der TSP aus, dass die Trucks hätten auf den großen Stern fahren sollen. Hat die Sie gar zu Ihrer Idee vom Sonntag Nachmittag inspiriert? Beendet hat die Versammlung gut 1/2 h der Versammlungsleiter, die Polizei hatte lediglich das Abstellen der Musik gefordert. Das ist ein wichtiger Unterschied für eine Versammlung im Sinne des GG und einer Tanzveranstaltung.

    Wenn schon gemäß Ihrer Darstellung der erste Wagen nichtmals ein paar Meter hatte vorziehen können, wie hätten die dann bis zum Stern können können? Damit sind wir dann auch wieder beim Opfer des eigenen Erfolges.

  15. 41.

    "wenn ich meine Aussage mit Quellen belegen kann"
    Ihre Quellen, deren Quellen auch nur Hörensagen sind und definitiv falsch. Der TSP hat seine Darstellung zumindest von der Uhrzeit her aktualisiert. Die dortigen Mitarbeiter haben irgendwas von irgendwelchen Ordner:innen. Keinen Namen?, kein Statement des VL, der vor Ort war? Irgendwie eigenartig. Die journalistische Genauigkeit ist verletzt und der Beitrag des TSP ist daher als Quelle ungeeignet.
    Nochmal: hören Sie auf die Kommentarfunktion für Ihr EGO zu missbrauchen.

  16. 40.

    Mal ehrlich, was wollen Sie hören? Alles was Sie hier von sich geben ist Hörensagen bzw. zusammengereimt.
    Der Stern war nicht für die Trucks freigegeben. Ihre Behauptung gestützt auf einen eigenartigen Artikel des TSP ist eine Ente.
    Ende war auf dem 17. Juni. Für Truck 1 war der Aufstellplatz erreicht. Bitte beachten Sie dazu den Arte-Mitschnitt. Da sind noch mehrere hundert Meter bis zum Stern. Bitte beachten Sie auch die Mitteilung des Versammlungsleiters.
    Was danach passiert: Der Truck 1 soll noch weiter an den Stern ran fahren um die Leute zu entzerren, Im Video von Arte bei 4:35 weil zuviele bei Dr. Mottes Truck hängen. Das geschieht auch. Nur auf den Stern darf er nicht! Und alle anderen auch nicht!
    Und wenn Sie andere seriöse Quellen haben, dann bitte.
    Die Polizei hat den VL aufgefordert die Musik einzustellen - auf allen Wagen, was einer Beendigung gleich kommt. Nu ist die Frage, wer beendet die Exekutive oder der Veranstalter, und warum.

  17. 38.

    Sie verkaufen uns hier die Aufforderung der Polizei als Ihre Idee. "Mehrfache Aufforderungen an den Versammlungsleitenden die Musiktrucks in Richtung Großer Stern vorzuziehen, um eine Entzerrung der Versammlung zu erreichen, blieben erfolglos." schreibt die nämlich zur Situation kurz vor Ende der Versammlung. Ich bin auf Ihre Ausreden gespannt.

  18. 37.

    Natürlich muss es eine Farce sein, wenn ich meine Aussage mit Quellen belegen kann, dass Ihre Kritik an der Polizei falsch und Ihre Idee von heute Mittag alt ist. Dass zwischen Beendigung der Versammlung und dem Bloggen der Gründe etwas Zeit vergeht, liegt in der Natur der Sache. Der Veranstalter hat i.d.R. etwas besseres zu tun als unverzüglich sofort die Journalisten zu informieren, die nicht gerade mit Ihnen oben auf dem Wagen sitzen. Sonst wäre Ihnen sicherlich die Presse aufgefallen.

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