Konzertkritik | Jack White in der Verti Music Hall - Rocken soll er - und das macht er

Di 05.07.22 | 10:10 Uhr
  2
Archivbild: Jack White bei einem Live-Auftritt mit seiner Band. (Quelle: dpa/B. Birchall)
Audio: rbb24 Inforadio | 05.07.2022 | Hendrik Schröder | Bild: dpa/B. Birchall

Jack White hat mit seiner Band The White Stripes und dem Song "Seven Nation Army" Rockmusikgeschichte geschrieben. 20 Jahre später ist er solo unterwegs und spielte am Montag in der Verti Music Hall ein umwerfendes Konzert, findet Hendrik Schröder.

Jack White gilt laut dem Musikfachblatt "Rolling Stone" als einer der besten Rockgitarristen der Welt. Das Prädikat hat auch 20 Jahre nach dem Mega-Hit "Seven Nation Army" mit den White Stripes noch Gültigkeit. Was der Typ abfeuert, ist unglaublich. Wie ein frei gelassener Tiger sprintet er am Anfang des Konzerts in der Berliner Verti Music Hall an den Bühnenrand. Seine Gitarre hält er fest in der Hand. Nicht wie ein Instrument, eher wie ein Werkzeug.

Die Gitarre glitzert blau, Jack Whites Haare sind blau gefärbt, der Vorhang, das Licht, die gespenstischen Visuals, alles blau. Eine Art Corporate Design, denn auch die Optik seines aktuellen Albums ist von Blau dominiert.

Jack White © imago images/Matrix
Jack White | Bild: imago images/Matrix

Der Schlagzeuger treibt den Frontmann grinsend an

Fotografieren kann die Farborgie an diesem Abend niemand. Handys sind verboten, müssen am Eingang in einer Art Minitasche versiegelt werden. Das ist klasse, so liegt volle Konzentration auf der Show. Und Jack White gibt es den Leuten so richtig. Solo-Songs vom neuen Album, Lieder von seinen Bands Dead Weather, The Raconteurs und eben The White Stripes Hits, es ist alles dabei an diesem Abend.

Das Kinn gereckt, blitzende Augen, schwarze Jeans, weiße Lederschuhe, so steht Jack White vor seinem Berliner Publikum. Hebt ein mal kurz die Hände zur Mitklatsch-Geste über den Kopf und drischt dann in die Saiten. Seine nur dreiköpfige Band hochkonzentriert hinter ihm. Ein entspannter Basser im weißen Anzug, ein Typ mit Sonnenbrille hinter Keyboards, Synthie und Klavier. Und mit Daru Jones ein Schlagzeuger, wie man selten einen sieht.

Ein massiver Mann im bunten Hemd, eine Art Gummikappe auf dem Kopf, spielt er die Snaredrum (also die hohe Haupttrommel) zwischen den Beinen, springt immer mal wieder dauergrinsend auf von seinem Schlagzeugschemel, um dabei die Drumsticks in die Höhe zu recken und den nächsten Einsatz anzukündigen. Alleine um den anzugucken, wie er grinsend seinen Frontmann voran treibt, hat sich das Konzert schon gelohnt.

Eine Band wie ein atmender Organismus

Und White und Konsorten spielen nicht einfach nur die Songs runter, sie improvisieren und jammen. Wie ein gemeinsam atmender, sich umeinander windender Organismus kommen sie rüber, immer im Blickkontakt miteinander, immer aufmerksam, White immer vorne, außer beim Singen keine Sekunde verharrend, die Band hinten, lauernd auf die nächste Wendung.

Die Riffs sind derbe und roh, die Soli sind ausaufernd und noisy, nie langatmig. Die Tempi wechseln, die Sounds wechseln, zwischendurch gibt es auch mal Akustikgitarre und Kontrabass. Jack White sagt wenig, gut so, was soll er auch sagen? Rocken soll er und das macht er. Es gibt fast keine Pausen zwischen den Liedern.

Das Publikum schreit und jubelt und reckt Fäuste und spielt Luftschlagzeug und die Leute können sich kaum entscheiden, wann sie Bier holen oder zur Toilette gehen sollen, ständig passiert ja etwas Unerwartetes. Ein toller Ritt durch 20 Jahre Gitarrenrock von Jack White.

Sendung: rbb24 Inforadio, 05.07.2022, 06.00 Uhr

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 2.

    Es war gnadenlos gut, ein Erlebnis. Jack White sollte man live hören, sehr viel besser als aus der Konserve.

  2. 1.

    Super Kritik zum Auftritt. Da wünscht man sich nochmal jung zu sein um mittendrin zu stehen. Nur so geht Konzert.

Nächster Artikel