Konzertkritik | Coldplay im Olympiastadion - Coldplay tut sehr umweltfreundlich

Mo 11.07.22 | 08:37 Uhr | Von Simon Brauer
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Chris Martin, Gesang, Klavier, Rhythmusgitarre, steht am 02.07.2022 auf der Bühne im "Deutsche Bank Park". (Quelle: dpa/Andreas Arnold)
Audio: rbb24 Inforadio | 11. Juli 2022 | Simon Brauer | Bild: dpa/Andreas Arnold

Die Band Coldplay gehört zu den erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Jetzt will sie auch noch die umweltfreundlichste Band aller Zeiten werden. Gleich drei Mal spielen die Briten im Berliner Olympiastadion. Von Simon Brauer

Normalerweise enden Stadionkonzerte mit Feuerwerk und Konfettiregen - bei Coldplay gibt es das gleich zu Beginn. Es funkelt, glitzert, blinkt und knallt, als Frontmann Chris Martin zum ersten Mal über einen langen Laufsteg quer durchs Olympiastadion rennt - begleitet vom Song "Higher Power" vom aktuellen Album "Music Of The Spheres".

Schon beim zweiten Stück fliegen dann auch noch Dutzende gigantische Luftballons durch die Gegend, die vom Publikum freudig hin- und hergeschubst werden. Das macht Spaß, ist beeindruckend und für Coldplay-Neulinge sicherlich überwältigend; wer die Band aber schon mehrfach live gesehen hat, weiß, dass Coldplay-Konzerte eigentlich immer wie knallbunte Kindergeburtstage ablaufen.

Konfetti für alle

Dagegen ist ja eigentlich nichts zu sagen: gegen Konfetti und Pyrotechnik und eine gut gelaunte Auszeit vom grauen, schnöden Alltag. Eigentlich. Aber vor dem Konzert werden die Besucherinnen und Besucher ausführlichst über zwei Videoleinwände darüber informiert, wie viel Gutes sie mit ihrem Konzertbesuch tun und wie Coldplay versucht, umweltfreundlich die Arenen der Welt zu bespielen. Jedes verkaufte Ticket pflanzt einen Baum, unterstützt den Tierschutz und die Reinigung der Meere; im Stadion wird Strom erzeugt durch kleine Windrädchen, Solarplatten und kinetische Dancefloors - das heißt, die Fans können durch Hüpfen und Tanzen die Coldplay-Batterien wieder aufladen.

Nachhaltigkeit und Lasershow passen nicht zusammen

Im hinteren Teil des Stadions stehen sogar ein paar festgeschraubte Fahrräder - so genannte Powerbikes, mit denen sich auch Strom erzeugen lässt. Um aber die Energie bereitzustellen, die Coldplay in nur einem Song verballert mit Videoleinwänden, Laser und nicht zuletzt der Beschallung, bräuchte es allerdings das gesamte Starterfeld der Tour de France auf diesen Powerbikes. Von Nachhaltigkeit reden und gleichzeitig bei jedem zweiten Song ein Feuerwerk in den Berliner Himmel blasen - das passt einfach nicht zusammen.

Ferngesteuerte Glühwürmchen

Trotzdem hat das zweistündige Konzert auch seine guten und berührenden Momente: Der mittlerweile über 20 Jahre alte Coldplay-Song "Yellow" zum Beispiel ist und bleibt einfach ein Hit; die Idee, alle Besucherinnen und Besucher mit LED-Armbändern auszustatten und so zum Teil der Lichtshow zu machen: genial - auch wenn dadurch alle zu ferngesteuerten Glühwürmchen werden. Und bei den Zugaben singt Chris Martin auch noch mit einem ukrainischen Kinderchor. Coldplay: fast zu gut für diese Welt - nur das mit dem Energiesparen, das muss die Band noch üben.

Sendung: rbbKultur, 11.07.2022, 6:00 Uhr

Beitrag von Simon Brauer

33 Kommentare

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  1. 33.

    Mir ist es doch völlig wuppe, ob ich Sie überzeuge. Ich habe Sie, genau wie rbb24, lediglich darauf aufmerksam, dass die Verwendungs des Plurals in Bezug auf Bands üblich und alles andere als neu ist.

  2. 32.

    Ich fand das Konzert am Sonntag (10.07.) sehr schön. Die Band, die Zuschauer und auch das Personal drumherum haben alle ihren Teil dazu beigetragen. Der obige Artikel ist zwar insgesamt etwas negativ gehalten aber er spricht Aspekte an, die durchaus diskutiert werden dürfen. Das sich Coldplay für Umweltschutz und ähnliches einsetzt finde ich super. Eine Band mit der Reichweite kann da viel bewirken. Das sie auch bei ihren Konzerten Maßnahmen dazu aktiv umsetzen ist lobenswert. Bei dem Konzert am Sonntag habe ich aber auch bemerkt, dass es im Hinblick auf die Pyroshow mit dem selbstgewählten Ansatz des Carbon neutral nicht richtig klappt. Auch ohne Pyro wäre das Konzert sehenswert. Wenn man nicht ganz drauf verzichten möchte hätte es auch weniger Feuerwerk getan. Ein weiterer Aspekt bei dem man die selbst oder fremd erzeugte elektrische Energie hätte sparen können war die Lautstärke der Musik, zumindest des Instrumentalteils. Weniger wäre auch hier mehr gewesen.

  3. 31.

    Ich war auch auf dem Konzert und ja, natürlich wäre es deutlich umweltfreundlicher wenn das Konzern ÜBERHAUPT nicht stattfindet. Und dann waren noch so viele Fans aus allen Teilen der Welt angereist - wie umweltschädlich ist dass denn Bitte?

    Spass bei Seite. Dieser Artikel ist wieder ein typisch deutsches "MiMiMI", verkrampft und vor allem dogmatisch/ideologisch aufgeladen. Freies und zielorientes Denken sieht wirlich anders aus.

  4. 30.

    Wenn Sie mehr Hintergrundinfos haben - gerne her damit, wir wollen doch nicht im Dunklen bleiben..... Ich bitte um eine qualifizierte Info zu den überall gesetzten Bäumen pro Ticket.

  5. 29.

    Konzerte sind nie umweltfreundlich, allein dem Umstand des Bühnenequipments und den nötigen Transportkapazitäten sowie der Infrastruktur geschuldet. Dann kommen noch die Flüge dazu. Und dass sich diese Band als vermeintlich klimaausgleichend präsentiert ist wohl eher dem benötigten Zuspruch des Publikums geschuldet. Aber der Privatjet wird dabei gerne vergessen..... Naja.

  6. 28.

    "Normalerweise enden Stadionkonzerte mit Feuerwerk und Konfettiregen-bei Coldplay gibt es das gleich zu Beginn." Ach ja? Und das nennt sich "umweltfreundlich"? Wie wäre es denn, wenn man diesen ganzen PyroSchnickschnack und sonstige "Verstärker" des Auftrittes weglässt? Ich habe immer gedacht, man geht wegen der Musik in ein Konzert??? Und dennoch ist Coldplay einer der besten Bands, die ich kenne.

  7. 27.

    Genau wegen so Artikeln und den Kommentaren wünscht man sich grad auszuziehen aus Deutschland. Ich mein ein Konzert an sich ist ja schon nicht unweltfreundlich aber sie machen immerhin solche Ideen mit den Powerbikes und dem Kinetik-Feld und dann kann man nur so einen scheiss Beitrag lesen dass es nicht genug sein soll? Also welche Band macht das bitte überhaupt und dass auch ein Teil des Tickets gespendet wird für solche Organisationen, also machen Sie mal richtige Recherche und gönnen auch mal wenn eine Band so eine Idee hat. Immer diese nervige deutsche Mentalität an allem guten etwas schlechtes suchen…

  8. 26.

    War so'n One-Hit-Wonder 2000 mit "Yellow". Danach komplett in der Versenkung verschwunden. Die tingeln jetzt wohl durch die Kleinstädte mit ihrem Hit, keene Ahnung.

  9. 25.

    Das Konzert war cool...es hat Spaß gemacht und der Rest ist mir egal.

  10. 24.

    Der Überlegung vom Kollektiv als Begründung für den Plural überzeugt mich nicht. Beispiele für Kollektive: Polizei, SPD, Fußballmannschaft. Die folgenden dazu gebildeten Sätze hören sich für meine Ohren nicht korrekt an:
    Die Polizei haben den Täter schnell gefunden.
    Die SPD haben den Finanzminister kritisiert.
    Die Mannschaft des FC Klein Nemerow haben 3:1 gewonnen.

  11. 23.

    Diese Leute, die immer zu allem eine Meinung haben. Ob so eine Tour nun umweltfreundlich ist, sei mal ohnehin dahingestellt - umso besser, dass CP überhaupt Maßnahmen zur Nachhaltigkeit ergreift. Warum wird nicht von der unglaublichen Stimmung unter den Leuten und die super Songauswahl berichtet? Da musste einfach wieder jemand Grund zum Motzen haben.

  12. 22.

    Immer ruhig mit den jungen Pferden. Diese Konzerte sind nicht systemrelevant und bekommen demnächst keine Stromzuteilung mehr. Also besucht sie, solange es noch geht.

  13. 21.

    Wer sind eigentlich Coldplay? Hab ich was verpasst?

  14. 20.

    Was wurde denn behauptet, gar erlogen? Zumal es sich lediglich um eine Konzertkritik handelt. Ihr Kommentar liest sich dagegen wie die unreflektierte Schimpftirade eines gekränkten Groupies...

  15. 19.

    Wir sind echt "konzerterprobt", aber einen derartig grottigen und schmerzhaft übersteuerten Sound haben wir noch nicht gehört.

    Peinlich für diese super Band.

    Gestern hat Coldplay außer einer geilen Bühnenshow nicht geliefert .

  16. 18.

    Wie verlogen kann man so einen Artikel schreiben. Nichts recherchiert, nichts neues herausgefunden, einfach etwas behauptet.
    Die einzig akzeptable Nachhaltigkeit wäre also gewesen, wenn Coldplay selbst mit dem Fahrrad angereist wären und Akustikgitarren im Dunkeln gespielt hätten? Wie albern, selbstgerecht und inhaltslos kann man sein?

  17. 17.

    Vorab: ich mag die Musik von Coldplay. Nicht genug, um mir ein Ticket zu kaufen (zumal ich das Konzert in meiner Wohnung auch gut hören konnte), aber ich mag sie.

    Aber die Weltenretterattitüde der Band ist schon reichlich verlogen. Nach deren Angaben müssten allein für die drei Olympiastadionkonzerte 240.000 Bäume gepflanzt werden, und unwillkürlich fragt man sich, wo bitte das der Fall sein soll.

    Und wenn man dann am Tag vor dem Konzert mehr als 30 in der Jesse-Owens-Allee aufgereihte 40-Tonnen-Trucks sieht, die das Equipment durchs Land fahren, dann wird der propagierte Umweltschutz endgültig zur Lachnummer. Wenn Chris Martin & Co. nämlich tatsächlich klimafreundlich sein wollten, müssten sie auf Tourneen ganz verzichten. Damit allerdings auch auf etliche dutzend Millionen Dollar Einnahmen. Und daran scheitert's dann vermutlich.

  18. 16.

    Das eine ist der Umweltschutz, feine Sache.
    Das andere ist für das musikalische Ohr alllerdings sehr ärgerlich
    und wird auch auf anderen Foren Und Kritiken heftigst bemängelt:
    Für 90 € Eintrittspreis war der Sound einfach nur Müll!!!

    Klar, es hat alles toll gefunkelt, durch die Armbändchen
    und es gab extrem viel Feuerwerk und schöne bunte Riesenbälle.
    Aber ich gehe auch auf ein Konzert, um mir eine Band anzuhören.
    Die Tracks waren durchweg schlecht gemischt und Priorität auf Lautstärke gelegt.
    Der Gesang ging im dumpfen Brei teilweise extrem unter.
    Das war mit das schlechteste, was ich live je erlebt habe -
    Hoffentlich haben die Zuhörer an den nächsten beiden Terminen
    mehr Glück, für die Zuschauer war‘s ein schönes Erlebnis.

  19. 15.

    Man kann darüber streiten, welche Form grammatikalisch angebracht ist. Da es sich aber bei einer Band stets um ein Kollektiv handelt, ist es recht gängig, den Plural zu verwenden. Und diese Verwendung ist auch nicht neu, dies als "Neusprech" zu bezeichnen, ist insofern definitiv falsch.

  20. 14.

    Ich war ebenfalls auf dem Konzert. Super Stimmung und super Musik!!!
    Ich weiß nicht was der Reporter hat? Eine Band die für Nachhaltigkeit wirbt und viele Menschen anspricht.
    (Coldplay hätte ja auch vor wenigen am Lagerfeuer singen können) - Den Artikel kann man sich sparen oder objektiv berichten.
    VG aus Thüringen

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