Regierungsvertreter aus drei Ländern - Linke sehen Kultur ohne kostenlose Bürgertests gefährdet

Do 07.07.22 | 14:09 Uhr
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Katja Kipping (Die Linke), Bundesvorsitzende, und Klaus Lederer (Die Linke) (Quelle: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen)
Audio: Inforadio | 07.07.2022 | Sebastian Schöbel | Bild: picture alliance/dpa | Jörg Carstensen

Regierungsvertreter der Linken in den Ländern haben ihre Sorge um sichere Kulturveranstaltungen geäußert. Die Abschaffung der kostenfreien Corona-Bürgertests erhöhe das Gesundheitsrisiko von Menschen mit geringen Einkommen und gefährde die Existenz von Kultureinrichtungen, heißt es in einem gemeinsamen Appell aus den drei Ländern, in denen die Linke mitregiert. Das Schreiben liegt der dpa vor, wie diese am Donnerstag vermeldete.

Unterschrieben wurde der Appell an die Bundesregierung von Kultursenator Klaus Lederer, Sozialsenatorin Katja Kipping (beide Berlin), Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (beide Bremen) sowie Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff und Gesundheitsministerin Heike Werner (beide Thüringen).

Tests vermeiden unnötige Risiken

Das Linke-Sextett verweist darauf, dass für Herbst und Winter mit einer weiteren Zunahme des Infektionsgeschehens zu rechnen sei. Mit der neuen Testverordnung des Bundes entfalle ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Corona. "Für weite Bevölkerungsgruppen ist die Eigenbeteiligung finanziell nicht tragbar", heißt es in dem Appell.

Dies gefährde das Erreichte auch im Kultursektor. "Wir sind angewiesen auf flächendeckende und kostenfreie Tests, weil wir nur so unsere Schutzmaßnahmen für Kultureinrichtungen möglichst sicher gestalten können, unnötige Risiken vermeiden und Zugänge für alle anbieten können", schreiben die Linke-Regierungsmitglieder. Menschen, die die Eigenbeteiligung nicht tragen könnten, würden ausgeschlossen. Dieser Umstand sei unwürdig und unhaltbar.

Kostenfreie Bürgertests seien auch eine Frage der ökonomischen Vernunft, heißt es weiter. Verwiesen wird auf "enorme Mittel" der vergangenen Jahre, um Kunstschaffende und Kultureinrichtungen zu schützen und ihr Überleben zu sichern. "Die kostenfreie Testung war wesentlicher Bestandteil von Öffnungsszenarien und sicherem Kulturerleben. Das Ende der Kostenfreiheit unterläuft diese Bemühungen massiv, gefährdet uns alle und verhindert Teilhabe, wo sie zu ermöglichen ist."

Tests kosten seit 30. Juni drei Euro

Die bislang für alle kostenlosen Bürgertests gibt es seit Anfang Juli nur noch für bestimmte Gruppen wie Kinder bis fünf Jahre, Schwangere in den ersten drei Monaten oder Krankenhaus- und Pflegeheimbesucher ohne Zuzahlung. Auch einen Test für drei Euro gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen. Dazu zählt auch der Besuch einer Kultur- oder anderen Freizeitveranstaltung in einem Innenraum am selben Tag.

Sendung: Inforadio, 07.07.2022, 14 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    "Aber auch da sind absolute Zahlen nutzlos,sondern man muss es immer im Verhältnis zu allen aktuell Infizierten sehen. " Dem muss ich aber widersprechen. Letztlich geht es vielmehr um die Frage, inwieweit das Gesundheitssystem insgesamt (also inklusive infiziertes Personal) "belastet" ist. Und diese Belastung scheint derzeit - im Sommer - bereits zuzunehmen, wie die Zahlen in meinem ersten Kommentar zeigen.

  2. 16.

    Ich wollte darauf hinweisen,dass du die Zahlen nicht absolut nehmen darfst,was eigentlich nicht meine Aufgabe sein sollte. So wie in Bremen sollte es überall gemacht werden.

    Wo habe ich geschrieben,dass alles Zufallsbefunde sind?

    Wie viele auf Intensiv wegen Corona sind,weiß ich nicht. Es sind aber jedenfalls nicht alle offiziellen 50.
    Aber auch da sind absolute Zahlen nutzlos,sondern man muss es immer im Verhältnis zu allen aktuell Infizierten sehen. Dieses Jahr ist schließlich die Fallzahl um das Hundertfache größer.

  3. 14.

    Durchaus verständlich, und so waren die Kommentare auch sicher nicht gemeint. Aber man MUSS sich doch nicht testen (lassen)! Zum Eigenschutz setzen Sie eine Maske auf, wenn Sie keine Symptome haben, brauchen Sie keinen Test.

  4. 13.

    Heute liegen 16% mehr Menschen mit Corona in Berlin auf Intensivstationen als vor einem Jahr. Das sind wahrscheinlich alles Menschen, die sich die Hand verstaucht hatten, sich nicht anders zu helfen wussten und deshalb ins Krankenhaus kamen, sich dort mit Krankenhauskeimen ansteckten und nun zufällig positiv getestet auf die Intensivstation mussten. Sicher.

    Sie sehen in Bremen vermutlich wie ich auch den Anstieg der Hospitalisierungsinzidenz "wegen Corona" von 81% binnen einer Woche, Wie kann das denn sein, wenn es doch alles nur Zufallsbefunde sind?

  5. 12.

    Da es ja anscheinend immer noch welche gibt,die es nicht mitbekommen haben,jeder mit positivem Test wird gezählt,egal wegen was er im Krankenhaus ist. Zur Zeit ist die Mehrheit mit und nicht wegen Corona im Krankenhaus. Wurde hier auch schon in einem rbb-Artikel erwähnt.

    Die einzige Seite,die mir spontan einfällt:
    https://www.gesundheit.bremen.de/corona/zahlen/corona-fallzahlen-37649

    Unter '7-Tage-Übersicht Hospitalisierungsinzidenz' nachschauen.

  6. 11.

    Es soll jedem selbst überlassen sein, welche Kultur er sich genehmigt. Bin ich grundsätzlich dagegen Kultur, z. B. Staatsoper, für Besserverdienende hoch zu subventionieren, übertrage ich meine Abneigung generell auch auf Subventionen für Tests, die nichts mit dem Schutz anderer Menschen zu tun haben.

  7. 10.

    Ich finde es erschreckend, wie Menschen mit wenig Geld hier eine Haltung präsentiert wird von den Kommentierenden, dass 3€ Ja wohl kein Geld sei usw.
    Wissen Sie, es sieht nämlich so aus: wenn Sie ALGII bekommen, überlegen Sie sich 3x, ob der Kinobesuch für 10€ drin ist oder nicht. Wenn dann noch der Test für 3€ draufkommt, kann das ein Ausschlusskriterium sein. Wir haben zudem Inflation und die Sätze und Einkommen steigen aber nicht - die Leute mit wenig Einkommen brauchen ihr Geld für Essen…

  8. 9.

    Wer sich eine Veranstaltung anschauen möchte, dem dürften die 3 Euro für seine eigene Gesundheit nicht zu viel sein.
    Wer das nicht möchte, der kann sich auch mit einer MASKE schon ein wenig schützen.

  9. 8.

    Wem 3 Euro für die eigene Gesundheit nicht wert sind sollte Zuhause bleiben.
    Denn es ist nicht nachvollziehbar, dass der STEUERZAHLER weiterhin diese Kosten übernehmen soll.

  10. 7.

    Ein Test ist auch für Ihre eigene Gesundheit wichtig und jetzt frage ich Sie,
    warum soll der STEUERZAHLER diese Kosten für Sie übernehmen?
    Von Regierung/Kultur wird kein Test verlangt sondern N U R empfohlen und das sind zwei verschiedene Sachen.
    Wenn Ihnen die Kultur die 3 Euro nicht wert sind, dann bleiben Sie doch bitte Zuhause. Die Anhänger von Kulturveranstaltungen werden Ihnen dankbar sein.

  11. 6.

    Wer sich ein Ticket für eine Kulturveranstaltung kaufen kann, sollte auch 3 € für einen Test zur eigenen und der Sicherheit anderer übrig haben.

  12. 5.

    Ich sehe die Kultur auch mit kostenlosen Bürgertests als gefährdet!

  13. 4.

    Ja, klar. Wegen läppischen 3 Euro pro Test. Da soll die Kultur baden gehen... Aufwachen, Freunde.

  14. 3.

    Das sehe ick auch so, wenn man für einen Bürgertest bezahlen muss um zu Sport oder Kulturveranstaltungen zu gehen, dann wird bei denen Kosten die insgesamt auf uns zukommen dieses nicht mehr möglich sein. Wenn der Staat will das man sich testet, dann soll auch der Staat das bezahlen. Deutschland verschenkt Geld ohne Ende in die ganze Welt nur für das eigene Volk ist nicht's da.

  15. 2.

    "Die Abschaffung der kostenfreien Corona-Bürgertests erhöhe das Gesundheitsrisiko von Menschen mit geringen Einkommen und gefährde die Existenz von Kultureinrichtungen,.."
    "Menschen, die die Eigenbeteiligung nicht tragen könnten, würden ausgeschlossen."
    "Das Ende der Kostenfreiheit unterläuft diese Bemühungen massiv, gefährdet uns alle und verhindert Teilhabe, wo sie zu ermöglichen ist."
    Alles Vorwürfe,die nirgends begründet werden. Hat dieser Teile der Linken schon mitbekommen,das Omikron vorherrscht und sich wesentlich von der Ursprungsvariante unterscheidet? Da sind andere Parteimitglieder bereits weiter..

  16. 1.

    Die Forderung nach kostenlosen Tests ist völlig richtig, funktioniert in Nachbarländern auch. Wobei das Infektionsgeschehen bereits jetzt zunimmt, nicht erst im Herbst. So haben wir in Deutschland mehr als 162-mal so viele Coronainfizierte wie vor einem Jahr, nehmen die Krankenhauseinweisungen drastisch zu, von 0,26 (19.07.2021, erste Veröffentlichung des RKI) auf heute 5,71 auf 100000 Einwohner. Und es betrifft auch die Intensivstationen, dort haben wir aktuell 1430 Patientinnen und Patienten, während es vor einem Jahr 292 waren, ein Anstieg auf das fast Fünffache.

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