Interview | Katja Lucker - "Kultur muss noch mal mehr dafür kämpfen, wie relevant und wichtig sie ist"

Sa 13.01.24 | 12:37 Uhr | Von Magdalena Bienert
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Archivbild:Katja Lucker am 07.06.2023.(Quelle:imago images/R.Owsnitzki)
Audio: rbb24 Inforadio | 09.01.2024 | Bild: imago images/R.Owsnitzki

Katja Lucker ist seit Anfang Januar Geschäftsführerin der Initiative Musik - ein fordernder Job. Einen Schwerpunkt will die ehemalige Musicboard-Berlin-Chefin auf Vernetzung legen - auch mit anderen Ländern, sagt sie im Gespräch mit dem rbb.

Vor elf Jahren hat Katja Lucker das Musicboard Berlin aus der Taufe gehoben. Diese Plattform unterstützt Berliner Musikerinnen und Musiker durch Förderprogramme und Auftrittsmöglichkeiten, etwa beim Berliner Pop Kultur-Festival.

Seit diesem Monat nun ist Katja Lucker auf die Bundesebene gewechselt. Die Initiative Musik verfolgt seit 15 Jahren ähnliche Ziele wie der Berliner Ableger: Bundesweit Popmusik und Popkultur zu fördern und zu unterstützen. Es gibt Künstler:innenförderung, Club- und Festivalförderung, sowie drei Awards. Neben dem Deutschen Jazzpreis, werden beim "Applaus" Spielstätten ausgezeichnet, deren Veranstalter:innen ein besonders gutes Programm kuratieren. Im November letzten Jahres wurde außerdem erstmals der neue Musikpreis "Polyton" vergeben.

Zur Person

Katja Lucker, Jahrgang 1969, ist Festivalkuratorin und Kulturmanagerin und ausgebildete Schauspielerin. In Berlin leitete sie seit 2013 das Musicboard und hat mehrere Festivals organisiert, u.a. das Pop-Kultur Festival. Im Januar 2024 wechselte Lucker als Geschäftsführerin zur Initiative Musik.

"Ich bin die, die ich bin und vertrete gewisse Werte"

Zwischen 16-20 Millionen Euro wird Katja Lucker dafür zur Verfügung haben. Aber noch ist der Bundeshaushalt nicht verteilt und das Bundesministerium für Kultur und Medien finanziert die Einrichtung. Doch der neuen Chefin geht es weniger um Zahlen, als um die Inhalte, für die sie brennt. "Ich bin immer diejenige, die ich bin. Also ich bin immer Katja Lucker, die mit gewissen Werten agiert, der die popkulturellen Szenen am Herzen liegen. Der es darum geht, Künstler:innen zu unterstützen. Und das Ganze verantworte ich jetzt auf Bundesebene, das finde ich eine ganz tolle Herausforderung."

Auch Luckers Jazz-Liebe wird mit dem Jazzpreis ihrer Organisation wieder gefüttert. Früher hat sie Jazz-Festivals nach Berlin geholt und veranstaltet, kennt die Szene gut. "Das finde ich sehr interessant aber natürlich auch eine Herausforderung, weil es als Aufgabenfeld neu hinzukommt."

Das Welt-Geschehen macht es der Branche nach wie vor nicht leicht

Das sei nicht die einzige Schwierigkeit, wenn man auf die bundesweite Kulturlandschaft schaue, sagt Katja Lucker. Die aktuellen weltpolitischen Themen machten ihrer Branche nach wie vor zu schaffen, jetzt müsse sie das auch bundesweit im Blick haben. "Wir haben natürlich mit Themen zu kämpfen, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab, wie Pandemien, Krisen, Kriege in der Nachbarschaft, was einfach dazu führt, dass die Kultur immer noch mal mehr auch wieder dafür kämpfen muss, wie relevant und wie wichtig sie ist. Und das wird, denke ich, eine große Aufgabe."

Infobox

Die Initiative Musik fördert im Auftrag der Bundesregierung bundesweit Musik und Popkultur. Jährlich stehen 16 Millionen Euro zur Förderung zur Verfügung. Gefördert werden insbesondere Nachwuchsmusiker:innen und Integrationsprojekte.

Das Musicboard Berlin unterstützt mit Förderprogrammen die Popkulturszene Berlins. Gefördert werden jährlich zahlreiche Künstler:innen, Labels, Festivals und andere relevante Musikprojekte.

In Zukunft: Synergien schaffen & Budgets bündeln

Einen Schwerpunkt in ihrer Arbeit möchte Katja Lucker auf Vernetzung und Synergien legen. In anderen Kultursparten, wie Film und Theater, aber auch mit anderen Ländern. Was geht denn gerade auf dem afrikanischen Kontinent oder wo lassen sich neue Märkte erschließen, die Potential haben? Oder wo macht es Sinn sich mit Organisationen auf Bundesebene zusammenzuschließen?

Diesen Fragen möchte die neue Geschäftsführerin nachgehen. "Ich denke, das ist die Zukunft. Da, wo es schwieriger mit Budgets wird, sich mehr Verbündete zu suchen, und das nicht nur national, sondern natürlich auch international. Ich möchte gucken, was uns mit anderen synergetisch gut verbindet und uns tatsächlich dann auch im Gesamtkontext kulturpolitisch gemeinsam stärker macht."

Sendung: rbb24 Inforadio, 09.01.2024, 7:55 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

4 Kommentare

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  1. 4.

    Kultur wurde in kreativ schöpferischer Breite schon immer gefördert. DDR, heute auch. Warum auch nicht. Sie ist immer ein Spiegel unserer Gesellschaft. Sie zeigt immer die Fähigkeiten, Bemühungen, Talente und Überraschungen die das Publikum fasziniert. Bezahlbar solls auch bleiben für alle. Sinnvolle Förderung ist wichtig. Es gibt z.b. ausgezeichnete Filmprojekte, im Abspann liest man die Werkzeuge der Förderung die bemüht wurden, um sowas auf die Reihe zu bringen. Ich finde diese Förderung rundum betrachtet, wertvoll.

  2. 3.

    Falsch! LEIDER habe ich das nicht zu entscheiden - Sonst hätte der Staat mehr Geld für WIRKLICH wichtiges!

  3. 1.

    Wenn Kultur so relevant und wichtig ist, sollte sie sich ENDLICH mal darum kümmern, sich selbst zu finanzieren!

    Warum werden so viele Kulturprojekte und Theater, Bühnen, Ateliers, ... mit öffentlichen Mitteln gefördert?
    Wer Kultur genießen will, soll auch dafür bezahlen - den VOLLEN Preis!

    Wenn Kunst und Kultur unrentabel sind, sollen sie verschwinden oder sich von Spendern und Mäzenen finanzieren lassen, der Staat braucht sein Geld an anderen Stellen!

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