Audio: radioeins | 09.06.2025 | Peter Schwenkow | Bild: dpa/Kalaene
Die Bilder des verhüllten Reichstags in Berlin vor 30 Jahren gingen um die Welt. Eine Lichtprojektion will ab Montagabend an die spektakuläre Kunstaktion erinnern.
Anlässlich des 30. Jahrestages der Verhüllung des Reichstags durch das Künstler-Ehepaar Christo und Jeanne-Claude wird das Reichstagsgebäude in Berlin ab Montagabend illuminiert.
Die riesige Lichtprojektion des verhüllten Reichstags soll bis zum 20. Juni täglich an der Westfassade des Gebäudes zu sehen sein. Projiziert wird jeweils nach Einbruch der Dunkelheit ab etwa 21:30 Uhr bis 1 Uhr in der Nacht. Zum Start am Pfingstmontag wird auch der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erwartet.
So soll die Reichstagsverhüllung am Gebäude leuchten | Bild: Picture Alliance/Jens Kalaene
Kosten von rund einer halben Million Euro
Die Vorbereitungen für das Kunstprojekt laufen bereits seit einigen Tagen. 24 Hochleistungsprojektoren sollen die Projektion auf die Fassade bringen. Diese stünden auf insgesamt drei Gerüsttürmen in 3 bis 3,5 Meter Höhe und 80 Meter weit vom Reichstagsgebäude entfernt, sagte der technische Leiter, Andreas Boehlke, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.
Das Projekt koste etwa eine halbe Million Euro, sagte kürzlich Kulturmanager Peter Schwenkow, der – wie auch vor 30 Jahren schon – gemeinsam mit dem Unternehmer Roland Specker maßgeblich beteiligt ist. Die Kosten würden von der Stiftung von Christo und Jeanne-Claude, welche Christos Neffe Vladimir Yavachev leitet, von Specker und ihm selbst getragen, sagte Schwenkow. Mit der Inszenierung sollten Berlin, die Wiedervereinigung, die Demokratie und die Kunst gefeiert werden, hieß es.
Verhüllter Reichstag: Alles begann mit einer Postkarte
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Es ist einer der spektakulärsten Momente deutscher Parlamentsgeschichte: die Verhüllung des Berliner Reichstags im Jahr 1995.
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Das Projekt des Künstler-Ehepaars Christo und Jeanne-Claude beginnt mit einer Postkarte eines befreundeten, in Berlin lebenden US-Amerikaners Anfang der 1970er-Jahre. Auf der Rückseite ist der Reichstag abgebildet. Vorne steht der Satz: "Wie wärs, wenn ihr den mal verpacken würdet?". 1978 präsentiert der gebürtige Bulgare Christo ein erstes Modell.
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Seitdem lässt die Idee des "Wrapped Reichstags" Christo und Jeanne-Claude nicht mehr los. Doch der Weg zur Genehmigung ist zäh.
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Sie konzipieren Modelle und Entwürfe und versuchen parallel dazu, Politiker für ihr Vorhaben zu begeistern. Zahlreiche Besuche in Deutschland sind nötig, um für das Projekt zu werben.
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Über zwei Jahrzehnte später ist es soweit: Am 17. Juni 1995 beginnt die Verhüllung des Reichstags. Das Gebäude wurde während der Verhüllung nicht als Parlament genutzt.
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Für die gigantischen Stoffbahnen wird über 100.000 Quadratmeter feuerfestes Polypropylengewebe mit einer Aluminiumschicht überzogen.
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Viele Neugierige kommen, um live dabei zu sein, als das silbrig schimmernde Gewebe von 90 Fassadenkletterern festgezurrt wird. Die Künstler verzichteten bewusst auf den Einsatz von Maschinen.
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15 Kilometer Seil, genauer 15.600 Meter, werden verwendet.
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Das glänzende Verhüllungsmaterial und das tiefblaue Seil bilden einen ganz besonderen Kontrast.
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Am 24. Juni 1995 ist das Reichstagsgebäude vollständig verhüllt - und sorgt sofort für weltweites Aufsehen. Doch der Weg bis zu diesem Tag war lang und mühsam.
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23 Jahre lang hatten Christo und Jeanne-Claude hartnäckig versucht, die Politik zu überzeugen. Der erste Fan war Rita Süssmuth (CDU), die den Verpackungskünstler Christo kurzerhand in Kontakt mit ihrem Parteifreund Helmut Kohl brachte. Der damalige Bundeskanzler lehnte die Idee des verhüllten Reichstags aber strikt als pietätlos ab.
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Doch Christo und Jeanne-Claude gaben nicht auf. Schließlich wurde im Bundestag darüber abgestimmt. Am 25. Februar 1994 entscheiden sich die Abgeordneten mit 295 zu 223 Stimmen für die Verhüllungs-Aktion. Mittlerweile ist der Reichstag längst vom Symbol der Trennung zum Symbol der Einheit geworden.
Dann muss alles schnell gehen. 16 Stunden täglich arbeiten etwa diese Mitarbeiterinnen der kleinen Firma Zeltaplan in Taucha bei Leipzig in zwei Schichten. Ab dem 17. Juni 1995 sollen die Planen an am Reichstagsgebäude angebracht werden. Die größte Plane, die aus einem mit Aluminium bedampften Spezialstoff genäht wird, misst 40 mal 50 Meter.
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1995 ist der Reichstag dann zwei Wochen lang von einer silbrig glänzende Stoffbahn aus Spezialgewebe umhüllt. Etwa fünf Millionen Menschen kommen, um das Spektakel anzusehen.
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Die einen schauen kurz vor der Arbeit vorbei oder treffen sich danach zum Picknick, liegen auf der Wiese, manche verbringen die ganz Nacht hier.
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Die S-Bahn bietet für zwölf bis 15 D-Mark Sonderfahrten mit Foto-Stopp an.
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Je nach Lichteinfall sieht der schimmernde Koloss anders aus.
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30 Jahre nach der Reichstagsverhüllung sind Jeanne-Claude und Christo bereits verstorben. Christos Neffe Vladimir Yavachev, Direktor der Projekte des Künstler-Ehepaares, initiiert eine Projektion, um an die legendäre Reichstagsverhüllung zu erinnern.
Bild: Picture Alliance/Jens Kalaene
Vom 9. bis 20. Juni 2025 soll eine Projektion in Berlin den verhüllten Reichstag wieder aufleben lassen.
Christo (1935-2020) und Jeanne-Claude (1935-2009) hatten vor 30 Jahren nach viel Überzeugungsarbeit die Genehmigung bekommen, das Reichstagsgebäude 1995 zu verhüllen - kurz vor dem Umbau zum Sitz des Bundestags und noch ohne die charakteristische Glaskuppel. Sie verpackten das Gebäude mit 100.000 Quadratmeter silbrig-glänzender Folie. Die 14-tägige Aktion hatte hunderttausende Besucher angelockt. Die Bilder vom "Wrapped Reichstag" gingen um die Welt.
Am 13. Juni wäre auch der 90. Geburtstag des Künstler-Ehepaares gewesen, beide waren am 13. Juni 1935 geboren worden.
„ Reine Geldverschwendung.“
Wenn Sie sich ein neues Möbel kaufen, finde ich das auch reine Geldverschwendung. Was sagen Sie nun?
Diese Aktion hier ist rein privat finanziert. Wenn Ihnen diese Kunstaktion nicht gefällt, schauen Sie einfach nicht hin.
Ich war vor 30 Jahren im Vorfeld der Verhüllung extrem skeptisch, war dann aber von ihrer Wirkung vollkommen überwältigt. Diese Kunst wirkt im besten Sinne. Man und Frau muss sich einfach darauf einlassen.
Gerade in Zeiten, die von Schwierigkeiten geprägt sind, sind schöne Dinge wichtig.
Alle, die ich kenne erinnern sich gerne an die damalige Aktion, weil die Stimmung dabei eine sehr schöne war.
Zu den Kosten: „ Die Kosten würden von der Stiftung von Christo und Jeanne-Claude, welche Christos Neffe Vladimir Yavachev leitet, von Specker und ihm selbst getragen, sagte Schwenkow.“. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
„ Super. Geld zum Fenster rausschmeißen kann die "Obrigkeit".“
Es ist privates Geld! Aus den Budgets des Landes Berlin kommt da nix für. Steht auch im Artikel.
Es steht doch im Text: es zahlt die Stiftung und ein Sponsor. Soziale Dinge zahlt der Staat! Das war damals ein Superevent, ich hoffe auch diesmal, bin dabei!
Der Kunst einen Zeitgeist verorden zu wollen?
Wer bestimmt was Zeitgeist ist und was nicht, die jeweilige Regierung, so wie in Diktaturen?
Und was macht man mit Kunst, die diesem Zeitgeist nicht enspricht?
Fazit: Die Kunst ist frei und vielfälltig wenn sie entsteht, aber ebenso ist sie als Erbe für die Nachkommen zu achten.
Habe heute noch 1 Schnipsel des damals verteilten Einpack-Stoffs in der Schublade. War eine tolle Aktion, die auch etwas den Spirit der Stadt zum Positiven veränderte. Danke an Christo und Jeanne-Claude.
Cool, und wann machen wir noch einmal 1 h das Licht aus, um auf den Umgang mit Ressourcen der Erde aufmerksam zu machen??
Und befinden wir uns nicht gerade in einer Art Krieg, bei dem auch Energieverschwendung ein Thema ist. Aber wir können gern im Winter wieder bei 19 Grad im Büro sitzen....
Kunst kann man ja machen, aber auch hier sollte Zeitgeist und Maßhaltigkeit im Auge behalten werden.
Die Aktion damals war bereits voll daneben, da es auch damals schon Ressourcenverschwendung war.
Für diese Aktion werde ich extra in die deutsche Hauptstadt kommen. Vor 30 Jahren bin ich auch schon wegen der damaligen Verhüllung am Reichstag gewesen.