Nutzung statt Verfall - Kirchen mit Fußbodenheizung und Küche

Do. 05.06.25 | 13:11 Uhr
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Die sanierte Dorfkirche Paulinenaue, 1931-32 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut. (Quelle: rbb)
Bild: rbb

In Brandenburg gibt es mehr als 1.500 Dorfkirchen. Viele von ihnen werden nicht mehr gebraucht, weil immer mehr Menschen aus der Kirche austreten oder Mitglieder sterben. Vielerorts haben sich neue Nutzungsformen etabliert.

Insgesamt zehn Jahre hat die Sanierung gedauert - nun ist die evangelische Kirche von Paulinenaue im Havelland wiedereröffnet worden.

Die Sanierung des 1931/32 errichteten Kirchenbaus hat 400.000 Euro gekostet, 60 Prozent davon haben das Land Brandenburg und die EU übernommen.

Der Denkmalschutz erlaubte der evangelischen Gemeinde auch den Einbau einer Wärmepumpe. Die ist nötig, weil in der Kirche künftig neben Gottesdiensten auch Veranstaltungen und Vereinstreffen stattfinden sollen. Dafür sei auch extra eine Küche eingebaut worden, sagte Pfarrer Michael Jurk im Gespräch mit dem rbb. Die Kirche solle zum Treffpunkt mehrerer Generationen werden.

Über 1.500 Dorfkirchen in Brandenburg

Das Vorgehen in Paulinenaue ist beispielhaft, denn in Brandenburg gibt es über 1.500 Dorfkirchen. Viele von ihnen werden nicht mehr gebraucht, weil immer mehr Menschen aus der Kirche austreten oder sterben. "Man kann sagen, dass die Anzahl der Kirchengebäude in keinem vernünftigen Verhältnis zur Anzahl der Mitglieder stehen", erklärte Frank Röger. Er ist Architekt und Leiter des kirchlichen Bauamts der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Seine zentrale Aufgabe ist der Erhalt der Kirchen.

Hinzukommt, dass die Unterhaltskosten für die alten Kirchenbauten steigen, viele von ihnen sind auch baufällig. Die Bauwerke sind aber Kulturdenkmäler, dürfen deshalb nicht abgerissen werden. Oft sind sie auch das Wahrzeichen und der Mittelpunkt eines jeden Dorfes. Daher wurden vielerorts neue Nutzungsformen etabliert.

Auch Kirche in Rieben war baufällig

Die Historie der Riebener Dorfkirche (Potsdam-Mittelmark) ist zum Beispiel vergleichbar mit der Paulinauer Geschichte: Sie musste vor mehr als 20 Jahren wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Daraufhin setzten sich die Anwohnerinnen und Anwohner zusammen. Die Kirche sollte gerettet werden. Allein hätte das die Kirchengemeinde aber nicht stemmen können. Mit Geld des Landes Brandenburg und EU-Fördermittel sowie viel Eigeninitiative wurde die Dorfkirche saniert und umgebaut.

Heute gehört der Kirchengemeinde der vordere Teil. Dort werden Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten gefeiert. Der hintere Teil dient als Gemeindezentrum. In dem Bereich trifft sich zum Beispiel der Gemeinderat und die ortsansässige Rentnergruppe.

Blaulichtkirche in Ganz

Die kleine Gutskapelle im Kyritzer Ortsteil Ganz (Ostprignitz-Ruppin) wurde jahrzehntelang nicht genutzt. Mittlerweile ist sie die erste Blaulichtkirche Deutschlands. In der Kapelle treffen sich Polizisten, Rettungskräfte, Soldaten und Feuerwehrleute zu Trauergottesdiensten, Hochzeiten, Taufen, Lesungen und Konzerte. Vor Ort werden auch verstorbene Diensthunde und -pferde begraben.

Auch in Kreuzbruch (Oberhavel) wird die Kirche nicht nur als Gotteshaus genutzt. Horst-Werner Schneider kaufte die Ruine 1998 für 30.000 D-Mark. Der Ingenieur und Kunstmaler sanierte das Gebäude. Heute hat die Kirche Fußbodenheizung, eine Küche und ein Bad, dient als Wohnung.

Kirche als Herberge

Auch in der Kirche von Barsikow (Ostprignitz-Ruppin) kann übernachtet werden - für kleines Geld. Seit mehr als zehn Jahren gibt es im Turm der Dorfkirche eine Pilgerherberge. Die meisten Pilger, die durch Barsikow kommen, wandern von Berlin nach Bad Wilsnack. Durch den Einbau der Herberge wurde die Sanierung des Kirchenschiffs von der EU gefördert. Die Pilger bringen neben etwas Geld auch Leben in die Dorfkirche.

Die Umnutzung eine Dorfkirche könne nicht von außen vorgegeben werden, sagt Röger. Das müssten die Gemeinden und Dörfer selbst entscheiden, die Menschen vor Ort wüssten am besten um die jeweiligen Potenziale.

Sendung: Antenne Brandenburg, 2.6.2025, 14 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Wenn die Fußbodenheizung einige Zeit leckt haben sie ganz schnell ein "Odeur" in der Bude das arg antik anmutet. Mal im Ernst. Eine Fußbodenheizung ist nur unwesentlich teurer als eine herkömmliche Heizanlage. Durch geringere Betriebskosten haben sie das ganz schnell wieder drin. Auch liegt die Haltbarkeit mit mind. 50 Jahren ( DIN 4726) deutlich über der konventioneller Heizkörper. Anlagen mit Kunststoffrohren vor 1988 bedürfen allerdings schon eines gewissen Wartungsaufwandes. Da die Rohre oft nicht sauerstoffdiffusionsdicht sind, ist ein Verschlammen möglich. Regelmäßige Spülung und Neubefüllung ist angeraten. Das wird bei der beschriebenen Kirche aber eher nicht der Fall sein.
    Havariefälle außerhalb des Verteilers treten zu 99% durch externe Beschädigungen auf; ein anderer Handwerker oder der "Ich-machts-selbst-kaputt-Spezialist" haben schlicht Mist gemacht. Deckendurchbrüche oder schlichte Dübellöcher - immer wieder gern. Der Schadensort ist dann lokal eng begrenzt.

  2. 3.

    Fußbodenheizung, teuer und wartungsintensiv. Wasserrohr leckt: Fussboden aufreißen. Ko$t€t!

    Das muss nicht sein. Damit riecht die Kirche auch nicht so authentisch.
    ..
    Außerdem gibt es tausende "überflüssige" Kirchen in Deutschland. Gibt es dafür ein Masterplan?

  3. 2.

    Dem schließe ich mich an! Davon brauchen wir deutlich mehr Nachrichten. Und es gibt sie!

  4. 1.

    Bitte mehr von diesen guten Nachrichten.

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