ARCHIV - Der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner, aufgenommen am 05.12.2017 in Berlin bei der Verleihung des Friedenspreis 2017 Stiftung Quäker-Hilfe in der Gethsemanekirche. (Foto: dpa/Michael Kappeler)
Bild: dpa/Michael Kappeler

Monatelang in Türkei inhaftierter Menschenrechtler - Peter Steudtner in Berlinale-Jury für Friedensfilmpreis

Der Berliner Peter Steudtner saß fast vier Monate in türkischer Untersuchungshaft - nun wird er Teil der Friedensfilmpreis-Jury bei der Berlinale 2018. Sie zeichnet ein Werk aus, das die filmischen Mittel besonders in den Dienst des friedlichen Miteinanders stellt.

Der monatelang in der Türkei inhaftierte Berliner Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner gehört bei der 68. Berlinale der Jury zur Vergabe des Friedensfilmpreises an. Das siebenköpfige Gremium werde aus allen Berlinale-Beiträgen genreübergreifend den Preisträger 2018 auswählen, teilten die Träger des Friedensfilmpreises am Dienstag mit. Dazu würden bis zu 50 Filme aller Kategorien gesichtet.

Die Auszeichnung wird am 25. Februar bei der Berlinale im Rahmen der unabhängigen Filmpreise vergeben. Sie ist mit 5.000 Euro dotiert. Zu den Trägern gehören die Heinrich-Böll-Stiftung, der Weltfriedensdienst und die Friedensinitiative Zehlendorf. Der Friedensfilmpreis wurde im UNO-Jahr des Friedens 1986 von Berliner Friedensgruppen gestiftet.

Filmische Mittel im Dienst des friedlichen Miteinanders

Er gehe an ein Werk, das die ästhetischen Mittel des Films in besonderer Weise in den Dienst des friedlichen Miteinanders und des sozialen Engagements stellt, heißt es auf der Webseite des Preises.  

Neben Steudtner wurden den Angaben zufolge der Drehbuchautor Miraz Bezar, die Filmemacher Matthias Coers, Lena Müller und Burhan Qurbani, der Betreiber des  Bali-Kinos in Berlin-Zehlendorf, Helgard Gammert, sowie der Regiestudent Florian Hoffmann in die diesjährige Jury berufen.

Steudtner auch Dokumentarfilmer

Steudtner ist nicht nur Berater für gewaltfreie Konflikttransformation und Sicherheit für Menschenrechtsverteidiger. Er arbeitet den Angaben zufolge auch als Dokumentarfilmer und -fotograf im Bereich Landgrabbing und Menschenrechte, vor allem im südlichen Afrika.

Der 1971 in Berlin geborene Steudtner hatte im vergangenen Sommer in der Türkei als Referent an einem Workshop für Menschenrechtsorganisationen teilgenommen. Am 5. Juli wurde er in Istanbul verhaftet und saß bis zum 25. Oktober gemeinsam mit weiteren Menschenrechtsverteidigern wegen des Verdachts der Terrorunterstützung in türkischer Untersuchungshaft. Der Prozess gegen ihn wird in seiner Abwesenheit fortgesetzt.

Friedensfilmpreis 2017 nach Chile

Vor rund einem Monat war Peter Steudtner selbst mit einem Friedenspreis ausgezeichnet worden. Anfang Dezember erhielt er den Friedenspreis der Quäker-Hilfe-Stiftung. Steudtner setze sich seit Jahren für Gewaltprävention und Friedensförderung ein, hieß es zur Begründung.

Der Friedensfilmpreis 2017 ging an den chilenischen Dokumentarfilm "El Pacto de Adriana" (Adrianas Pact). Darin setzt sich Regisseurin Lisette Orozco mit der Rolle ihrer Tante Adriana in der Diktatur unter Pinochet auseinander.

Sendung: Kulturradio, 09.01.2018, 16:00 Uhr

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