Protestaktion während einer Podiumsdiskussion auf der Berlinale (Quelle: rbb/ Mara Nolte)
Video: rbb | 19.02.2018 | Bild: rbb/ Mara Nolte

Störaktion bei #MeToo-Podium - "Nazis raus"-Rufe, nachdem Frauen Berlinale-Bühne stürmen

Eine Berlinale-Diskussion zum Thema Belästigung und Gewalt gegen Frauen in der Film- und Fernsehbranche ist von mehreren Frauen mit Bannern gestürmt worden. Die Störer gehören offenbar zum neurechten Kreis der Identitären Bewegung.

"Die Stimme der vergessenen Frauen" - Mit einem mehrere Meter langen weißen Banner mit großen schwarzen Buchstaben haben mehrere junge Frauen aus mutmaßlich rechten Kreisen am Montagnachmittag die Berlinale-Veranstaltung "Kultur will Wandel" im Tipi am Kanzleramt gestört. Auf dem Banner stand außerdem - in roter Schrift - "#120dB". Der Hashtag gehört zu einer Internetkampagne, die junge Frauen dazu aufruft, unter benanntem Tag ihre Erfahrungen zu "Überfremdung, Gewalt und Missbrauch" mitzuteilen.

Die Podiumsdiskussion wurde daraufhin kurz unterbrochen, aus dem Publikum kamen deutliche "Nazis raus"-Rufe. Barbara Rohm von Pro Quote, einer der Veranstalter, ging mit einem kurzen "Das ist nicht ok!" auf die Situation ein, bot aber dennoch den Störern das Gespräch an. Nach etwa einer Minute war die Störaktion beendet. Die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, die auch mit auf dem Podium saß, bewertete einen Dialog kritisch: "Es waren wohl Neonazis, die dachten, sie müssten das Programm sprengen. (...) Ich weiß nicht, ob es wirklich Sinn macht, mit solchen Leuten zu diskutieren."

Die Nähe der Aktion zu rechten Kreisen und zur Identitären Bewegung ist nicht auszuschließen. Prominent geteilt wurde die Facebook-Community-Seite zum Kampagnenvideo "Frauen wehrt euch! #120db – Die Töchter Europas" unter anderem von Martin Sellner, einem österreichischen Aktivisten der Identitären Bewegung.  

Die Veranstaltung "Kultur will Wandel" hatte zu der Gesprächsrunde über sexualisierte Belästigung und Gewalt in der Film- und Fernsehbranche eingeladen. "Es geht nicht nur um Schauspielerinnen, sondern auch Kostümbildnerinnen, Maskenbildnerinnen und Technikerinnen", sagte Christine Lüders von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Vertreter der Film- und Fernsehbranche diskutierten unter anderem darüber, welche Strukturen den Missbrauch von Macht begünstigen und welche konkreten Schritte für ein Umfeld ohne Belästigung notwendig sind. "Ein Indikator für Machtmissbrauch ist auch der Anteil von Frauen in Führungspositionen: In der Berlinale-Jury ist das Verhältnis 3:3, das ist gut. Aber im Wettbewerb sind nur 1/4 Frauen. Ich glaube, dass sich Machtstrukturen ändern, wenn mehr Frauen in Führungspositionen sitzen", so Katarina Barley, Bundesministerin für Familie, Frauen und Jugend. 

Ziel der Veranstaltung war es, "sexualisierte Belästigung und Gewalt innerhalb der Branche zu verhindern und Betroffene angemessen zu unterstützen".

Die deutsche Schauspielerin Natalia Wörner beurteilte ein Regelwerk am Set skeptisch - der kreative Prozess sollte nicht beeinträchtigt werden. Schauspielerin Jasmin Tabatabai widerspricht und bekommt spontanen Applaus: "Ein gewisser Leitfaden könnte schon formuliert werden. Was ist ok und was nicht. Und Castings auf dem Hotelzimmer gehören nicht dazu. (...) Viel zu lange wird unter dem Deckmantel der Kreativität Missbrauch betrieben." Eine Idee der Veranstalter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dem Bundesverband Schauspiel und Pro Quote Film wäre beispielsweise eine überbetriebliche Beschwerdestelle.

Kommentarfunktion am 23.02.2018, um 9.21 Uhr geschlossen

60 Kommentare

  1. 60.

    Na dann stehen wir ja in einem Punkt gleich. Denn ich halte persöhnlich nichts von der Ehe für alle. Damit stehe keinesfalls alleine in unserer Community. Sind es doch gerade die sehr,sehr konservativen und gar nicht so offen lebenden Gays die es als schick betrachten, oder der Steuern wegen heiraten. Adoptionen werden dadurch auch erleichtert. Wobei letzteres noch das beste Argument einer Ehe darstellt.

  2. 59.

    Weil die CDU so lebensbejahende, gleichberechtigende Wertvorstellungen hat, hat sie es seit ihrer Gründung fast durchgängig geschafft, geschlossen für tradierte heterosexistische Familienmodelle zu werben und andere lange von dieser Möglichkeit auszuschließen - auf jeden Fall supertolerant...

    Mirko Welsch redete selbst von einer "Gendermafia" sowie einer "Homolobby". Wenn Sie denn schon mit Wahlprogramminhalten daherkommen, sollte sie die transparent völkische Ideologie der AfD nicht ausblenden. Das hat dann sehr wenig mit Gleichwertigkeit und -berechtigung zu tun und führt zu dem Schluss, dass sich z.B. homo- o. transsexuelle AfD-Mitglieder instrumentalisieren lassen, sogar aus den gleichen Gründen wie hier die "Feministinnen": Selbstentlastung u. antimuslimischer Rassismus. Denn das Narrativ vom homofeindlichen Moslem soll bedient werden. Es braucht seitens AfD nicht erst einen Nerstheimer, um von nicht-heterosexuellen Menschen gar nichts zu halten.

  3. 58.

    Hallo Lothar,

    Sie schrieben: "P.s. Wenn Fr.Weidel es echt ernst meint, wieso steht sie nicht öffentlich dazu ein? "

    Das tut und tat sie öffentlich: geben Sie einfach in Google "Weidel Schutzmacht" ein und Sie werden fündig.
    hessenschau.de :
    Wahlkampf-Endspurt Wie Weidel die AfD als "Schutzmacht" der Homosexuellen bewirbt
    Veröffentlicht am 21.09.17 um 00:08 Uhr

    oder
    am 22.12.17 in epochtimes.de: Zudem sagt Alice Weidel: "Viele haben erkannt, dass die AfD die einzige Schutzmacht für jüdisches Leben in Deutschland ist." -

    oder:
    merkur.de: 20.09.2017 - In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Blog „Philosophia Perennis“ sagte Weidel, ihre Partei sei „die einzige echte Schutzmacht für Schwule und Lesben in Deutschland“.

    Es kann sein, daß sie gegen die "Ehe für alle" ist, da dann auch Mehrfachehen oder Kinderehen in Deutschland gefordert werden könnte. Ich persönlich lehne die fiskalische Förderung des Trauscheins grundsätzlich ab.

  4. 57.

    Wenn Sie mich schon freundlicherweise auf die engagierten und auch in Gemeinschaft der Schwulen Community Lesbischen Frauen ansprechen, ja selbstredend gibt es die und das ist auch gut so. Aber trotz vieler Gemeinsamkeiten wollen oder können es viele Lesben einfach nicht verwinden sich mit Männern grundsätzlich auseinanderzusetzen.Auch nicht mit Schwulen Männern.Siehe die Lederszene. Gerade jetzt ist die Diskussion wieder im vollem Gange, wonach sich die Lesben in der Gay Community gerne ins gemachte Nest setzen. Apropo Orlando USA. Habe es persönlich i.San Francisco 1975 erlebt wie Schwule u.Lesben gemeinsam auf die Straße gingen um dafür einzutreten, das es bei der Polizei zu Einstellungen von eben diesen kommt. Was dann auch dazu führte. Gleichzeitig standen vor gr.Clubs echte Schwule Polizisten als Türwächter. Unvorstellbar bei uns. Wir sind noch weit entfernt von der Bewegung i.d.USA




    P.s. Wenn Fr.Weidel es echt ernst meint, wieso steht sie nicht öffentlich dazu ein?

  5. 56.

    Auch für Lesben gelten Frauenrechte - noch!
    Ich hoffe das bleibt auch so!
    Dasselbe hoffe ich auch für Schwule, auch deren Rechte existeren zwar formal und offiziell.
    Im Café Rosa in Düsseldorf haben die Lesben als Türsteherinnen tätliche Übergriffe in meiner Jugend erfolgreich verhindert. Wehrhafte Frauen hätten den Attentäter vom Club Impulse in Orlando wohl auch nicht bewaffnet Einlaß gewährt. Vielleicht war die "Security" zu tolerant und wollte sich ncht dem Vorwurf des Rassismus aussetzen?
    Ich weiß es nicht. Jedenfalls gehe ich seit rund 19 Jahren in Deutschland nicht mehr aus.

    Mögen Sie Alice Weidel auch nicht? Ich denke sie hat Recht, dass ihre Partei die einzige 'Schutzmacht' für uns ist.
    Googelns Sie mal "Schwule in der AfD" oder "Schwule in der CDU": Sie werden (positiv!) überrascht sein!

    Viele Grüße und schöen Abend :-)

  6. 53.

    Oh da sprechen Sie aber genau die Richtige an.Die selbsernannte „Kaiserin“ des Feminismus und stramme Lesbe vorm Herrn. Sorry, aber als Schwuler Mann darf ich das hier ruhig in den Raum stellen.Denn Fr.Schwarzers Belange waren und sind nur ihre Frauenrechte. Männer, auch Schwule, haben bei ihr nichts aber auch gar nichts zu melden. Diese Frau hat auch bei mir immer noch den bitteren Beigeschmack bei Lesben hinterlassen. Ich mag sie überhaupt nicht,die Steuerhinterzieherin. Ich bin nicht der Einzige Schwule der mit Lesben an sich so seine Probleme hat.

  7. 52.

    Diese politisch korrekte Peepshow, was sich Berlinale nennt, wurde durch diesen Auftritt etwas aufgewertet.
    Politisch korrektes Essen, kein deutsches Bier und feministischer Sprachgebrauch - auf diese Veranstaltung kann gerne verzichtet werden

  8. 51.

    Frauenrechte sind unteilbar.

    Auch linke Frauen haben Rechte, da sollte keine künstliche Ausgrenzung vorgenommen werden.

    Die Diskussion ob rings oder lechts ist absurd und hat mit dem eigentlichen Thema gar nichts zu tuen.

  9. 50.

    Ein paar Zitate gefällig?

    "Von Frauenbewegung kann man heute nicht mehr reden. Heute ist Feminismus in den Köpfen der Frauen selbstverständlich verankert."
    Alice Schwarzer

    "Das Kopftuch ist die Flagge des islamischen Kreuzzuges.
    Diese islamistischen Kreuzzügler sind die Faschisten des 21. Jahrhunderts."
    Alice Schwarzer

    "Eine Frau, die unter ihren Stoffbergen dahinstolpert, während ihr Mann lässig in Jeans ausschreitet; oder ein Mädchen, das zwangsverheiratet wird - das ist ein Skandal, egal, zu welchem Kulturkreis man gehört."
    Alice Schwarzer in DER SPIEGEL, 15. November 2004


    Wenn sich sonst niemand für die Frauenrechte einsetzt, müssen Frauen das eben alleine machen. Noch dürfen sie ja?!
    Warum sollten heutige Frauen auch weniger Rechte haben als im 19./20. Jahrhundert?

  10. 48.

    Ich finde es gut, daß sich Frauen für ihre Rechte einsetzen.

    Noch dürfen sie es ja.

  11. 46.

    War das eine Kunstaktion?

  12. 45.

    Und aus welchem Grund sollte man sie nicht als Rassistinnen bezeichnen dürfen wenn sie sich doch rassistisch äußern?

    Abgesehen davon verharmlosen sie das tatsächliche Problem, wenn man sieht wo und wie sexualisierte Gewalt üblicher Weise passiert...

  13. 44.

    Zur Erklärung: Wenn man bei seinen Aussagen die Worte: wahrscheinlich, vermutlich, ist nicht auszuschließen, wohl, eventuell, eigentlich ....verwendet dann sind das einfach Vermutungen bzw. Annahmen. Das hat mit Qualität nichts zu tun, aber mit Propaganda und Fakes.

  14. 43.

    Auch für Sie zur Allgemeinbildung. Nicht alles was auf Wikipedia veröffentlicht wird muß auch richtig sein.JEDER darf darauf was Schreiben. Viel Spaß noch beim Stöbern durchs Internet. In meiner Freizeit weiß ich besseres anzufangen.

  15. 42.

    Lächerlich, wie hier Femen diffamiert werden soll, um die es nicht einmla im Artikel geht.
    Wieso kann kein Pseudolinker ohne Beleidigungen auskommen? Weil Argumente fehlen.

  16. 41.

    Die drei K von Feministinnen sind: Klamotten, Kohle und Karriere.
    Besser finde ich die alten drei K: wie Kinder, Kirche und Küche.

Das könnte Sie auch interessieren

24.02.2018, Berlin, Berlinale, Verleihung der Berlinale Bären, Berlinale-Palast: Die Regisseurin Adina Pintilie zeigt den erhaltenen Preis für "Goldener Bär für den besten Film" (_Touch me not_) den Fotografen vor dem Berlinale-Palast (Quelle:dpa/Jens Kalaene)
dpa

Fazit zur Berlinale 2018 - Gegen den Strich und für die Filmkunst

Der Goldene Bär für "Touch Me Not" ist die überraschendste Auszeichnung der Berlinale seit Jahren. Auch wenn der Film seine Mängel hat, ist das keine schlechte Entscheidung - in einem Jahrgang, der schwach begann, sich aber deutlich steigerte. Von Fabian Wallmeier