Mark Waschke zu Gast bei "Talk aus Berlin" (Quelle: rbb)
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Video: Berlinale Studio | 12.02.2019 | Marwa Eldessouky | Bild: rbb

Interview | Mark Waschke zu Berlinale-Serie "8 Tage" - "Heftigste Grenzsituationen beim Dreh"

Eltern, die versuchen, ihre Familie vor der drohenden Apokalypse zu retten - darum geht es in der Serie "8 Tage", die ab Mittwoch auf der Berlinale läuft. Den Vater spielt Mark Waschke, auch bekannt als Kommissar im Berliner "Tatort". Er erzählt von einem harten Dreh.

rbb: Sie waren schon auf mehreren Berlinale-Partys dieses Jahr. Sind die wie Klassentreffen für Sie?

Das ist beides gleichzeitig: Klassentreffen und Arbeitstreffen. Und natürlich Party.

Das heißt, Sie treffen Unmengen von Leuten?

Genau. Es gibt Leute, die trifft man nur einmal im Jahr dort und redet darüber, was man im letzten Jahr gemacht hat. Ein paar will man auch gar nicht wiedersehen und trifft sie dann nächstes Jahr doch wieder. (Lacht.) Am fünften Abend fragt man sich aber, warum man immer wieder an verschiedene Orte geht, um mit den gleichen Leuten in unterschiedlichen Outfits zu ähnlicher Musik ähnliche Gespräche zu führen. Heute Morgen habe ich mir gedacht, dass es doch eigentlich ein Filmfestival ist. Als ich anfangs nach Berlin kam und nicht ganz so viel gedreht habe, habe ich auch ganz viele Filme geschaut und keine einzige dieser Partys besucht. Heute bin ich fast nur noch auf diesen Treffen.

Sie sind ja mit der Serie "8 Tage" auf der Berlinale zu sehen. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Serien- und einem Filmdreh? Was ist spannender?

So allgemein könnte ich das nicht sagen. Jetzt bei "8 Tage" hatte ich 26 Drehtage. Das ist ein bisschen mehr, als sonst bei einem Film. Das Tolle ist, dass es einen größeren Bogen zu erzählen gibt, dass die Figur in der Regel eine größere Entwicklung durchmacht, als in einem Film – und man sich deswegen weiter ausstrecken kann schauspielerisch. Das macht dann schon mehr Spaß, wenn der Stoff stimmt und gut ist.

Ihre Filmpartnerin Christiane Paul hat Sie als "sehr motorisch" beschrieben, sie sagte, Sie müssten sich immer bewegen. Sind sie wirklich so hibbelig?

Viele, die mich kennen, werden das bestätigen. Aber das kommt auf die Situation an und den Umgang damit und auch auf meine Lust, den Energien, die dann gerade da sind, freien Lauf zu lassen.

Beim Dreh der Serie Extremzustände - waren das Extremzustände?

Ja, total. Da träumt man ja als kleiner Junge von: irgendwann renne ich mal über einen Zug, um meinen Sohn zu retten. Das durfte ich da machen. Über einen fahrenden Zug rennen. Es waren heftigste Grenzsituationen, bei denen es immer um alles ging. Auch in den sehr ruhigen Momenten geht es um alles. Aber das ist ja auch auf die anderen Filme, die man so dreht, übertragbar. Auch da geht es ja eigentlich immer um alles. Um das Hier und Jetzt.

Sie versuchen ja, Ihre Filmfamilie in Sicherheit zu bringen. Wie ist das dann, wenn man sich etwa die Situation von Geflüchteten ansieht. Betrachten Sie die jetzt anders?

Ich finde es ist eine spannende Perspektive der Serie, das, was wir so als normal hinnehmen, grundsätzlich in Frage zu stellen. Warum ist es als Deutscher für mich in jedem Land der Welt selbstverständlich, dass, wenn ich meinen Pass verloren habe, ich zum deutschen Konsulat gehe – und da kriege ich einen neuen. Und dann komme ich schön nach Hause. Warum ist es so selbstverständlich, dass wir mit Kreuzfahrtschiffen in Länder der sogenannten zweiten und dritten Welt fahren und sie uns anschauen. Aber die Schiffe, die zu uns kommen – mit den Menschen aus dieser Welt – das sind keine Kreuzfahrtschiffe. Ich finde es interessant, das anzuschauen und zu sehen, wie ich mich dann zu der Welt verhalte.

Was würden Sie machen, wenn in acht Tagen die Welt wirklich unterginge?

Das weiß, glaube ich, keiner. Und man würde das so gerne wissen. Bei diesen großen archaischen Bedrohungen setzt dann entweder das Amphibienhirn ein – Flucht oder Angriff oder Verteidigung oder Wegrennen. Da wird es dann spannend, wie gut man noch sein kann oder wie egoistisch man sein muss.

Serien sind ja jetzt das neue Kino. Wie finden Sie das?

Ich würde das gar nicht generell gegeneinander setzen. Denn es gibt auch ganz ganz tolle Filme. Wieder und immer noch. Und es gibt auch ganz, ganz schlechte Serien. Nur, weil etwas eine Serie ist, ist es nicht besser.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Marwa Eldessouky, Berlinale Studio

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