Ein Mensch vor dem Berlinale-Palast (Quelle: George Pavlopoulos)
Audio: Inforadio | 07.02.2019 | Jakob Bauer | Bild: George Pavlopoulos

"Zweites Weihnachten" - Was ein Super-Fan so alles auf der Berlinale erleben kann

Mick Jagger oder Bill Murray mal leger erleben und Non-Stop-Kino auf der Glitzermeile - der Grieche George Pavlopoulos liebt die Berlinale so sehr, dass er sogar nach Berlin gezogen ist. Und: er hat den "längsten Berlinale-Führer" im Netz geschrieben. Von Jakob Bauer 

Die Potsdamer Platz Arkaden, meist ein gewöhnliches Berliner Einkaufszentrum, verwandelt sich jeden Februar zum Hotspot der Berlinale-Fans. Für George Pavlopoulos ist das die beste Zeit: Vor zehn Jahren ist der geborene Athener nach Berlin gezogen. Einer der Gründe ist die Berlinale. 25 bis 30 Filme schafft der38Jährige pro Festival, sein Rekord: 34. "Man wird Teil einer Gemeinschaft, die das Kino feiert. Das ist sehr wichtig für mich. Die Berlinale ist das Kino-Highlight des Jahres."

George Pavlopoulos
Berlinale-Super-Fan: George Pavlopoulos | Bild: Efi Longinou

2,5 Stunden bei minus 10 Grad

Seine Liebe für die Berlinale will er teilen – deswegen hat er den "längsten Berlinale-Führer" im Internet geschrieben, wie er sagt. Eines der großen Themen: Wie kommt man an Tickets? Für die Filme, die er unbedingt sehen will, kauft er Online-Tickets. Und da heißt es: schnell sein. Die Karten gibt es drei Tage im Voraus, um 10 Uhr ist Verkaufsstart, um 10:01 sind oft schon alle weg.

Aber George kennt auch das Schlangestehen. Zweieinhalb Stunden bei minus 10 Grad ist die längste Wartezeit, an die er sich erinnern kann. Das sei vor ein paar Jahren an der Audi City am Ku'damm gewesen, erzählt George. Die Leute aus dem Gebäude hätten ihnen heißen Tee gebracht. "Das werde ich nie vergessen."  

Für den Körper wie ein Marathon

Der Winter in Berlin ist meist düster, grau und kalt. Warum die Berliner ihr Filmfestival trotzdem gerade in den Februar gelegt haben, dazu hat George eine Theorie: Man habe einen Grund gesucht, um auch nach dem Ende der Weihnachtszeit noch einmal Lichterglanz in die Stadt zu bringen – zumindest am Potsdamer Platz. "Im November haben die Menschen eher schlechte Laune. Aber an Weihnachten, wenn alles erleuchtet ist, sind alle gut drauf. Danach wird es wieder düster in Berlin. Aber wenn ich während der Berlinale raus gehe, all diese Lichter sehe, all diesen Glanz, dann fühlt sich das an wie ein zweites Weihnachten."

Die physische Seite der Berlinale sollte man nicht unterschätzen, warnt George. Das Filmfestival sei für den Körper wie ein Marathon – vor allem für Hardcore-Fans: "Du musst aufpassen, nicht zu dehydrieren, du musst genug essen. Und hier in den Arkaden schlafen die Menschen auf dem Boden, die ganze Nacht, nur um die ersten in der Schlange zu sein. Das ist wie bei einem Musikfestival."

Stars am Potsdamer Platz

Das gemeinsame Schlangestehen gehört für ihn genauso zum Berlinale-Feeling wie der Star-Rummel. Man muss aber nicht zwingend am roten Teppich auf die Promis warten. Georges Tipp: Einfach ein bisschen am Hyatt herumhängen. "Es gibt keinen vergleichbaren Ort in Berlin." Hier würden sich die Stars auch mal leger zeigen. Mick Jagger habe 2008 bei offenem Fenster den Song "Satisfaction" gespielt, glaubt George sich zu erinnern. Die Rolling Stones waren für die Weltpremiere des Martin-Scorsese-Films über die Band zur Berlinale gekommen.  

Dieses Jahr freut er sich darauf, vielleicht Christian Bale zu sehen. Aber nicht wegen eines Autogramms: "Auf der Leinwand sind die Schauspieler so groß, fast Riesen. Und auf dem roten Teppich sind sie einfach normale Menschen."  

Anekdoten erzählt George gerne: etwa von Bill Murray, der höchst selbstironisch und gespielt arrogant mit einem Martini aus der Limousine steigt und mit dem Publikum schäkert. Oder von John Cusack, der sich sichtlich peinlich berührt in der Ecke herumdrückt, auf seine Schuhe starrt und nicht weiß, wohin mit sich. "Das ist ein großer Kerl, 1,90 Meter oder so, und ein absoluter Weltstar. Das ist total interessant, ihn dann so schüchtern zu sehen."

Limousinen stehen vor dem Berlinale-Palast (Quelle: George Pavlopoulos)
Aus Georges Blog: Limousinen warten am Potsdamer Platz | Bild: George Pavlopoulos

Wunsch: Dauerkarte für Sektionen

In der Regel interessiert sich George aber ohnehin weniger für den Starrummel als vielmehr für die ungewöhnlichen Filme aus dem "Panorama" - für ihn die vielleicht beste Festival-Sektion Europas. Auch in anderen Bereichen sieht er die Berlinale vorne: etwa beim Politischen, bei Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, der Unterstützung von Regisseuren, die unter gefährlichen Bedingungen in Ländern wie Afghanistan oder dem Iran arbeiten.

Wünsche für Veränderungen hat er dennoch: Eine Dauerkarte für einzelne Sektionen, vor allem jedoch dass die Tickets nicht noch teurer werden. Seit seiner ersten Berlinale 2008 hätten sich die Preise ungefähr verdoppelt. Für Hardcore-Filmfans wie ihn, ist das ein Problem: "Ich will nicht, dass eine Sache, die ich so sehr liebe wie die Berlinale, zur weiteren Gentrifizierung der Stadt beiträgt." Das Festival dürfe nicht zum reinen Touristenevent verkommen: "Die Berlinale muss ihre berlintypische Atmosphäre behalten.“

Sendung: Inforadio, 07.02.2019, 15.55 Uhr

Beitrag von Jakob Bauer

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ein schöner Beitrag zur Berlinale. Insbesondere das durchaus kritische Schlusswort ist brilliant.
    Die Preise erreichen langsam wirklich Dimensionen, wo man sich zweimal überlegt, ob man ein Ticket kauft oder nicht.
    Bei der Generation hat sich der Preis von Gruppenkarten übrigens am meisten erhöht. Hat man als Gruppe bisher immer 2,50€ gezahlt, fallen nun 4€ bei einer kleinen Gruppe an und 3,50€ bei einer größeren.
    Auf der anderen Seite kostet so ein Event auch viel Geld für Personal jnd Service, den selbst wir als normale Besucher bekommen wie zum Beispiel kostenlose Gaderobe. Das Personal verdient nun mal auch einen Mindestlohn und auch Anerkennung für all das, was sie in den 10 Tagen eisten.

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