Filmstill aus "Shao nian de ni" (Better Days). Der Film aus Hongkong darf auf der Berlinale nicht gezeigt werden. (Quelle: Berlinale/Wei Lun Wong)
Bild: Berlinale/Wei Lun Wong

Absage für "Shao nian de ni" - Berlinale-Beitrag aus Hongkong kann nicht gezeigt werden

China ist in diesem Jahr auf der Berlinale besonders gut vertreten. In den verschiedenen
Festivalsektionen ist das Land mit rund zehn Filmen vertreten. Neue Werke präsentieren auch die Chinesen Wang Quan'an und Zhang Yimou, die beide schon einen Goldenen Bären gewonnen haben. Dagegen kann ein Film aus Hongkong nicht gezeigt werden.

Nur drei Tage vor Beginn der Berlinale kam am Montag die Absage für "Shao nian de ni", der in der Jugendsektion "Generation" laufen sollte. Das Festival musste vier Termine, an denen das Melodram aus der chinesischen Sonderverwaltungszone gezeigt werden sollte, kurzfristig anderweitig besetzen. "Die chinesische Produktionsfirma hat uns mitgeteilt, dass der Film noch in der Postproduktion ist und nicht rechtzeitig fertig gestellt werden kann", sagte Frauke Greiner, Pressesprecherin der Berlinale, am Dienstagabend rbb|24. Im Rahmen der Jugendsektion "Generation 14Plus" waren vier Vorführungen geplant (am 11., 14., 16. und 17. Februar).

Filmcrew hatte bereits Flüge nach Berlin gebucht

Laut Medienberichten soll es für den kurzfristigen Rückzieher von "Shao nian de ni" allerdings andere Gründe geben. Wie das angesehene US-Film-Magazin "Variety" berichtet [externer Link], hatte die gesamte Filmcrew bereits Flüge und Unterkünfte gebucht, um in Berlin dabei sein zu können. Doch offenbar habe der Film von Derek Kwok-cheung Tsang (englischer Verleihtitel: "Better Days") nicht die erforderliche Genehmigung der zuständigen chinesischen Behörden erhalten.

Wie "Variety" schreibt, handelt es sich bei "Better Days" um ein "Melodram" über eine junge Frau (Zhou Dongyu), die für eine wichtige Aufnahmeprüfung an der Uni lernt und sich unter die Fittiche eines älteren Mannes (Yi Yangqianxi) begibt. Doch dann taucht jemand aus der Vergangenheit der Studentin auf, so dass sie und ihr Beschützer in den Sog der sozialen und politischen Kräfte geraten, die derzeit in China herrschen.

"Better Days" passt China offenbar nicht ins Konzept

Offenbar, so schreibt "Variety" unter Bezugnahme auf nicht näher genannte Quellen, passe dieser Stoff nicht ins Konzept der chinesischen Filmaufsicht. Seit dem vergangenen Jahr werde diese von der Propaganda-Abteilung der Kommunistischen Partei verwaltet. Diese dringe darauf, dass möglichst nur Filme in die Kinos kommen, die für die "soziale Harmonie" und die "sozialistischen Werte" der chinesischen Gesellschaft stehen. Filmschaffende würden daher seit einigen Monaten auch wieder stärker kontrolliert.

Zwar komme "Better Days"-Regisseur Tsang aus Hongkong - bei dem Film handele es sich aber um eine Koproduktion, an der sowohl Hongkong als auch China beteiligt seien. Aufgrund der internationalen Vereinbarungen für die Sonderverwaltungszone Hongkong würden daher in einem solchen Fall chinesische Vorgaben gelten, schreibt "Variety".

Ob letztlich die Behörden in Peking den Film zurückgezogen haben oder er tatsächlich in der Postproduktion steckengeblieben ist, lässt sich nur schwer ermitteln. "Wir müssen uns darauf verlassen, was uns die Produktionsfirma mitteilt", sagte Berlinale-Sprecherin Frauke Greiner. Gerüchte um die Absage wolle sie nicht kommentieren.

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