Audio: Inforadio | 12.02.2019 | Steffen Wurzel

Angeblich technische Probleme - Berlinale muss Film aus China aus dem Wettbewerb nehmen

Im Berlinale-Wettbewerb wird ein Film aus China ausfallen: "Yi miao zhong", das aktuelle Werk des vielfach preisgekrönten Regisseurs Zhang Yimou, kann am Freitag nicht gezeigt werden. In Kreisen chinesischer Berlinale-Teilnehmer ist von Zensur die Rede.

Auf der Berlinale musste am Montag ein weiterer Filmbeitrag aus dem Programm genommen worden. Anders als bei der ersten Absage, handelt es sich bei "Yi Miao Zhong" (One Second) diesmal sogar um einen Wettbewerbsfilm. Regie führte der vielfach preisgekrönte chinesische Regisseurs Zhang Yimou, der bereits häufiger Probleme mit der Zensur in China hatte.

Im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären sollte der Film am 15. und 16. Februar laufen. Wegen der Absage reduziert sich das Wettbewerbsprogramm der Berlinale damit auf 16 Filme. Anstelle von "Yi Miao Zhong" soll am Freitag und Samstag nun Zhangs Heldensaga "Ying xiong" (Hero) von 2002 gezeigt werden.

Produzenten sprechen von technischen Problemen

Wie die Berlinale-Leitung am Montag mitteilte, haben die Produzenten von "Yi Miao Zhong" technische Probleme in der Postproduktion als Grund für die Absage angeführt. Der Film habe nicht rechzeitig fertiggestellt werden können. Derselbe Grund war drei Tage vor dem Berlinale-Start auch für die Absage von "Shao nian de ni", einer Hongkong-China-Koproduktion, geltend gemacht worden.

Spekulationen über kulturpolitische Gründe

US-Filmmedien dagegen berichten, dass der Film möglicherweise der chinesischen Zensur zum Opfer gefallen ist. Das schreibt "The Hollywood Reporter" [externer Link] und beruft sich dabei auf Spekulationen chinesischer Berlinale-Teilnehmer. Zhang Yimou hatte 1988 als erster chinesischer Regisseur einen Goldenen Bären für sein Werk "Rotes Kornfeld" erhalten. In China löste das eine heftige Kontroverse aus, unterlagen Zhangs Filme doch häufig Aufführungsverboten. Gleichwohl brachte "Rotes Kornfeld" dem Regisseur internationalen Ruhm ein. 

"Yi Miao Zhong", der neue Zhang-Yimou-Film, erzählt die Geschichte eines Kinofans in einer ländlichen Region in China und seiner Beziehung zu einer obdachlosen Vagabundin. Der Film spielt während der chinesischen Kulturrevolution, einer politisch sensiblen Periode.

Auch ein Film aus Hongkong abgesagt

Am vergangenen Montag, drei Tage vor Berlinale-Beginn, war bereits ein Film aus Hongkong kurzfristig abgesagt worden. Auch bei "Shao nian de ni", der in der Jugendsektion "Generation 14plus" laufen sollte, wurden seitens der Produzenten technische Gründe geltend gemacht. Das angesehene US-Filmmagazin "Variety" [externer Link] hatte dagegen berichtet, dass die Absage kulturpolitische Gründe haben könnte. Möglicherweise habe der Plot den strengen Vorgaben der chinesischen Filmaufsicht nicht genügt.

Das Festival musste vier Termine, an denen das Melodram aus der chinesischen Sonderverwaltungszone gezeigt werden sollte, anderweitig besetzen. "Die chinesische Produktionsfirma hat uns mitgeteilt, dass der Film noch in der Postproduktion ist und nicht rechtzeitig fertig gestellt werden kann", sagte Frauke Greiner, Pressesprecherin der Berlinale, am 5. Februar rbb|24.

China ist in diesem Jahr auf der Berlinale besonders gut vertreten. In den verschiedenen
Festivalsektionen war das Land zum Festival-Start noch mit rund zehn Filmen vertreten.

Sendung: Inforadio, 11.02.2019, 16.00 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Guten Abend, vielen Dank für das aufmerksame Auge - wir haben die Stelle korrigiert. Besten Gruß

  2. 2.

    Der Familienname des Regisseurs ist Zhang, nicht Yimou.

  3. 1.

    Liebe Redaktion, der preisgekrönte Regisseur heißt mit Familiennamen Zhang. Yimou ist der Vorname.

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