Audio: Inforadio | 10.02.2019 | Anke Burmeister

Breloers Brecht-Doku auf der Berlinale - "Glotzt nicht so romantisch!"

Heinrich Breloer hat das Dokudrama ins deutsche Fernsehen gebracht - und für "Die "Manns" sogar einen Emmy bekommen. Jetzt hat Breloer das Leben von Bertolt Brecht dokumentiert - und erzählt es entlang Brechts zahlreicher Frauengeschichten. Von Anke Burmeister

Es ist der Abend von Heinrich Breloer und Adele Neuhauser. Heinrich Breloer genießt auf der Berlinale den langen warmen Applaus für sein dreistündiges Dokudrama - bejubelt wird aber die Schauspielerin Adele Neuhauser, die den meisten als Wiener Tatort-Kommissarin bekannt sein dürfte.

Neuhauser spielt Helene Weigel, für sie war diese Rolle "kosmisch genial". Sie habe aufgehört zu denken, die Frau einfach machen lassen, es sei einfach großartig gewesen. Diese Begeisterung, diese Hingabe ist auch spürbar, und wenn Szenen mit Adele Neuhauser und historischen Aufnahmen der Weigel als Mutter Courage ineinander übergehen, ist auch die Ähnlichkeit der beiden frappierend.

Der Autor und Filmregisseur Heinrich Breloer
Autor und Filmregisseur Heinrich Breloer | Bild: dpa/Oliver Berg

Unzählige Affären und Frauengeschichten

Adele Neuhauser glänzt als die Weigel, als die Frau, die Bertolt Brecht stärkt, sich immer wieder vor den Karren spannt, das Theater am Schiffbauerdamm leitet und als Dankeschön sich mit einem Handkuss begnügt oder besser begnügen muss. Denn Brecht hat unzählige Affären und Verhältnisse, und Breloer erzählt Brechts Leben entlang dieser Frauengeschichten.

Ein Mann, der im Theater seine Schauspieler beschimpft, das ist in Original-Tonbandmitschnitten zu hören,  aber Frauen ganz sanft über den Kopf gestreichelt haben soll. So beschreibt es jedenfalls Regine Lutz. Sie ist eine der wenigen noch lebenden Künstlerinnen, die mit Brecht gearbeitet haben, die Kamera ruht auf ihrem offenen Gesicht, beobachtet sie beim Erinnern.

Eine Ahnung von Brechts Faszination

Eine andere Frau kommt ebenfalls häufig zu Wort: Paula Banholzer. Die Bi, wie Brecht sie genannt hat, war die Jugendliebe des Dramatikers. Sie bekam als 17-Jährige von ihm ein Kind, musste Augsburg verlassen, das Kind wird bei Pflegeeltern groß.

Breloer hatte Banholzer schon vor Jahrzehnten ausfindig gemacht und interviewt, denn schon seinen ersten Dokumentarfilm hatte er 1978 über den jungen Brecht gedreht. Seitdem hat ihn das Thema nicht losgelassen. Es sind vor allem diese aufrichtigen Gespräche mit Paula und der Schauspielerin Regine Lutz, die einen Ahnung von Brechts Faszination geben, die aber auch eine Abhängigkeit der Schauspielerinnen von ihrem Regisseur beschreiben.

Tom Schilling spielt den jungen Brecht, passend zur Erzählweise des ersten Teils, ganz brav und ordentlich, erst im zweiten Teil wird "Brecht" mehr als lehrreich, da spielt Breloer viel raffinierter und eleganter mit seinen bewährten Stilmitteln. Er zeigt, wie Brecht in der DDR von den einen misstrauisch beobachtet und den anderen verehrt wird, und wie der Künstler selbst immer wieder nach Anerkennung lechzt. Es macht einfach Spaß, Burkhard Klaußner als Brecht an der Seite von Adele Neuhauser zu sehen.

Zartheit eines kämpferischen Mannes

"Brecht kennen doch alle", dachte Klaußner, bevor er die Rolle annahm. Deshalb habe er sich auf die Suche nach einem neuen Aspekt gemacht. Dabei habe ihn vor allem die körperliche Zerbrechlichkeit, die Zartheit dieses kämpferischen Mannes interessiert - und vielleicht hat das auch das Herz des Dramatikers zerrissen. Bertolt Brecht ist lediglich 58 Jahre alt geworden.

Sein Leben gibt es jetzt erst einmal im Kino, bei einem der ganzen großen Filmfestivals der Welt. Am Sonntag läuft der Film nochmal um 13.30 und am 15. Februar um 10.30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele. Anschließend kommt er ab dem kommenden Donnerstag für eine Woche in die Kinos und wird erst dann als Zweiteiler auf arte und im Ersten gezeigt, auf dem privaten Bildschirm zu Hause.

Beitrag von Anke Burmeister

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