Berlinale-Direktor Dieter Kosslick überreicht der Schauspielerin Charlotte Rampling den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Video: rbb|24 | 14.02.2019 | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Berlinale-Ehrenbär für Charlotte Rampling - "Meine Rollen sind für mich wie Komplizen"

Die Schauspielerin Charlotte Rampling ist am Donnerstagabend mit dem Berlinale-Ehrenbären ausgezeichnet worden. Am Rande des roten Teppichs sprach der Weltstar über die Faszination des Kinos und die Kunst, eine fremde Figur zum Leben zu erwecken.

"Einen Bären habe ich ja schon", sagt Charlotte Rampling am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor der Verleihung des Goldenen Ehrenbären. Aber der "Silberne" von 2015, den sie für ihre Rolle in "45 Years" bekommen hat, habe sich einsam gefühlt. "Jetzt kann ich beide nebeneinanderstellen und sie können miteinander boxen", lächelt Rampling - mit demselben "Look", den sie schon mit Anfang 20 hatte.

"Der Nachtportier" - Hommage an Charlotte Rampling

Später am Abend nahm Rampling dann aus den Händen von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick ihren Ehrenbären entgegen. Anschließend wurde im Rahmen der diesjährigen Berlinale-Hommage "Der Nachtportier" in der Regie von Liliana Cavani aus dem Jahr 1974 gezeigt.

Darin spielt Rampling eine KZ-Überlebende, die einen ihrer Peiniger später wiedererkennt und mit ihm eine sadomasochistische Affäre eingeht - ein damals höchst umstrittener Stoff, der Rampling mit einem Schlag in ganz Europa bekannt machte.

Besonderes Verhältnis zur Berlinale

Zwar gebe es Festivals, die Ehrenpreise auslobten, um ganz gezielt einen Star anzulocken, aber die Berlinale stehe nicht in diesem Verdacht, sagte die 73-Jährige: "Ich war einige Male hier, ich habe viele besondere Erinnerungen an die Berlinale." Sie freue sich daher sehr und wisse die Ehrung sehr zu schätzen.

Auch fühle sie eine besondere Nähe zu Deuschland, erklärte Rampling, denn sie habe mit vielen deutschen Künstlern gearbeitet. Die Berlinale sei ihr näher als die anderen großen A-Festivals, noch zumal sie ein besonders Verhältnis zu Berlinale-Chef Kosslick habe.

"Letztes Jahr konnte ich nicht"

"Für letztes Jahr hatte er mich schon gefragt, da konnte ich aber nicht", erinnert sich die Britin. Damals habe Kosslick noch nicht gesagt, dass er gehen werde. Dann habe er sie Ende 2018 angerufen und gesagt, dass es sein letztes Festival sein werde und sie es ihm doch versprochen habe. "Und das hatte ich."

Es habe auch etwas Schönes, den Ehrenbären zu bekommen, "weil ich eine enge Beziehung zu Dieter Kosslick habe", sagt die Charakterdarstellerin, die im Laufe ihrer Karriere zahlreiche Preise erhalten hat, darunter den Europäischen Filmpreis 2003 (für "Swimming Pool") und eben diesen Silbernen Bären 2015 - als beste Darstellerin im Ehedrama "45 Years", das 2016 auch für den Oscar nominiert war.

Gern erinnert sich Rampling auch an 2006 zurück, als sie der internationalen Berlinale-Jury vorsaß. "Präsidentin einer Filmjury zu sein, ist die beste Position bei einem Festival wie diesem."

Über 100 Rollen in über 50 Jahren

In ihrer über 50-jährigen Karriere hat Rampling über 100 verschiedene Charaktere zum Leben erweckt. Eine besondere Technik, sich auf eine Rolle vorzubereiten, habe sie aber nicht, sagt sie auf der Berlinale-Pressekonferenz. Sie versuche nur, ihre Figuren zu verstehen, so dass letztlich Rolle und eigene Person ineinanderfließen würden. In den Rollen, die sie gespielt habe, sei sie letztlich auch selbst erschienen - in den unterschiedlichsten und oft extremen Situationen und Umständen.

Eine Korrespondenz zwischen Film und Leben

Alle Filme, die sie gedreht habe, "haben eine Bewandnis für mich oder sagen etwas über mich." Aber die zehn Filme, die auf der diesjährigen Berlinale als Hommage zu sehen seien, "zeigen meiner Ansicht nach am besten, was für ein Mensch und was für eine Schauspielerin ich bin. Ich sehe meine Karriere als eine Art Begleiterscheinung und ich wollte immer, dass diese Filme mit meinem eigenen Weg, meinen eigenen Interessen, meiner eigenen Lebensreise korrespondieren."

"Lassen sie uns in zehn Jahren wieder hier treffen"

Geheimnisvolle, wilde, extreme, exzentrische, unabhängige, freigeistige, mörderische und spannende 'Möglichkeiten' hat sie so seit über 50 Jahren zum Leben erweckt - und sich gleichzeitig von ihnen leiten lassen. "Rollen sind für mich wie Komplizen, die sich gemeinsam mit mir den Dingen stellen. Das hat für mich immer gut funktioniert und das ist wahrscheinlich der Grund, warum es auch ansonsten gut funktioniert hat."

Den Ehrenpreis der Berlinale möchte sie dabei noch lange nicht als Abschluss sehen. Als einer der zahlreichen Journalisten fragt, ob man eine solche Auszeichnung möglicherweise als eine Art Schlusspunkt des künstlerischen Schaffens verstehen könnte, muss Rampling laut lachen. "Lassen Sie uns hier in zehn Jahren wieder treffen - dann kann ich Ihnen sagen, was ich bis dahin noch geschafft habe."

Sendung: Berlinale Studio, 14.02.2019, 22.00 Uhr

Das Lebenswerk der Charlotte Rampling

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