Der deutsche Filmregisseur Fatih Akin auf der Berlinale 2019 (Quelle: imago/Manuel Romano)
Audio: Inforadio | 10.02.2019 | Alexander Soyez | Bild: imago/Manuel Romano

Berlinale | Fatih Akin über Fritz Honka - "Selbst die Kiezgrößen waren erschüttert"

Fatih Akin ist einer der Regiestars, die im Berlinale-Wettbewerb vertreten sind. "Der Goldene Handschuh", seine Millieustudie über den Serienmörder Fritz Honka, ist nichts für schwache Nerven - und das alles geschah quasi bei Akin um die Ecke, erzählt er. Von Alexander Soyez

"Ich habe schon die Möglichkeit gesehen, aus dem Ding einen Horrorfilm zu machen", sagt Fatih Akin über die Taten des Serienmörders Fritz Honka, die in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre nicht nur Hamburg, sondern die ganze Republik erschütterten.

Vier Frauen ermordet und zerstückelt

Schon die erste Szene lässt einem das Blut in den Adern gefrieren: Wenn Honka versucht, eine tote Frau komplett in einem Müllsack zu verstauen und sie dann zersägt und Teile von ihr auf den Müll wirft - noch bevor der Film so richtig beginnt. Das ist realer Horror - denn es gab diesen Honka wirklich. Er brachte vier Frauen um, warf sie weg oder versteckte die Leichenteile in seiner Wohnung.

Wenn Akin von diesem Grauen erzählt, merkt man bis heute, dass er auf gewisse Weise auch persönlich betroffen war, denn all das geschah auf St. Pauli, nicht weit entfernt von den Orten, an denen Akin seine Kindheit verbracht hat. Und natürlich wurde der Film auch dort gedreht.

"Es war so um die Ecke"

"Es ist einfach in der Realität gewesen, weil der Typ in meiner Nachbarschaft gehaust hat", sagt Akin. Der Patenonkel von seinem besten Freund sei sogar ein Nachbar Honkas gewesen. "Es war wirlich real, es war so um die Ecke."

Der Horror ist echt und in seiner Intensität so schwer zu ertragen, dass man sich fragt, warum  man sich als Zuschauer darauf einlässt? Aber Akin zuckt mit den Schultern. "Warum guckt ein Zuschauer 'Der Junge muss an die frische Luft'?", fragt er eher rhetorisch. Er könne sich Gott sei Dank den Luxus leisten, "nicht Filme machen zu müssen, die ich nicht machen möchte".

Nächstes Horror-Projekt ist schon in Arbeit

Schon die Buchvorlage von Heinz Strunk,der sonst eher für seinen komödiantischen Ton bekannt ist, sei nichts für zarte Gemüter, wurde aber dennoch ein Riesenerfolg. "Es scheint eine Neugierde zu geben", sagt Akin über den teils bestialischen Stoff. "Das Buch ist nicht weniger herausfordernd, halt literarisch, nicht visuell."

Selbst die Kiezgrößen, die während der Dreharbeiten auf Akin und seine Crew aufgepasst hätten, "so tätowierte, heftige Typen - die haben sich den Film angeguckt und waren danach erschüttert", berichtet der Filmemacher. "Das ist doch ganz gut, denn diese Leute zu erschüttern, ist nicht so einfach." Kein Wunder, dass das nächste Horror-Projekt bereits in Arbeit ist. In Hollywood will Akin noch in diesem Jahr Stephen Kings "Feuerkind" verfilmen.

Sendung: Inforadio, 10.02.2019, 14.10 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Oha, wenn der Grad der Erschütterung bei einer "Kiezgröße" ein Qualitätsmerkmal für diesen Film sein soll, dann weiß ich, dass ich Akin überschätzt habe. Diese Statements und Erklärungen sind von enttäuschender Oberflächlichkeit.

  2. 7.

    Mir tut der junge hochtalentierte Schauspieler Jonas Dassler leid, der für das eklige Kasperletheater und Horrorszenario eines total überschätzten und selbstverliebten Regisseurs jeden Drehtag 2 Stunden und mehr in der Maske sitzen musste. Pure Angstmacherei ist einfach eine zu billige Nummer für einen Regisseur.

  3. 6.

    "Selbst die Kiezgrößen waren erschüttert." Für mich unvorstellbar. Welche Kiezgrößen denn?
    Ich kannte Honka persönlich seit 1972 und auch drei seiner Opfer. Fast täglich oder zur Nachtzeit sah ich ihn mit meinem Partner, wenn er wieder einmal im "Goldenen Handschuh", visavis im "Elbschloßkeller" oder im "HONG KONG" und dem "Schmalen Handtuch" herumlungerte. Bei unseren Personenüberprüfungen in den üblen Schankwirtschaften haben wir stets entwichene Strafgefangene, per Haftbefehl Gesuchte oder von der Gesundheitsbehörde zur Gewahrsamnahme ausgeschriebene Personen mit offener TB verhaftet, festgenommen oder in Gewahrsam genommen. Ebenso die nicht mehr begehrenswerten Prostituierten, die wieder einmal die Kontrolluntersuchungen bei der Gesundheitsbehörde versäumt hatten, der sogen. "Bockschein" die Untersuchungsstempel vermissen ließ. Honka verhielt sich bei unserem Kommen stets zurückhaltend, devot und kriecherisch. Heute Nacht, 12.2., 00:30 Uhr, die Doku dazu auf RTL-Justice-

  4. 5.

    Auch Kritiker sind subjektiv und lassen so manches mal kritische Distanz vermissen und haben damit schon massenhaft Künstler zerstört. Selbst ansehen und Urteil bilden!

  5. 4.

    "Selbst die Kiezgrößen waren erschüttert" Ist doch kein Wunder, wenn man den Kritikern Glauben schenken darf. Erschüttert waren sie, weil sie noch nie einen so schlechten Film gesehen haben.

  6. 3.

    Soyez der Akin Flüsterer.Das Buch von Strunk ist Literatur.Der Film von Akin ist sehr plakativ ,der muss noch viel lernen bis er die wenige Schönheit und Hoffnung, die Traurigkeit,zwischen dem menschlich pervertiertem Horror ,zeigt.Vor allem total überladene Elends und Verkommenheitssequenzen.Da bleibt für tief betroffenen Stille im Betrachter kein Raum.Er maltretiert seine eigene Seele und benutzt das Buch ,ohne aber Strunk und dem geschriebenen gerecht zu werden.Sie haben ihre "Couch "gefunden Herr Akin.

  7. 2.

    Ich weiß jetzt nicht, welchen Weg Fatih Akin gehen will. Solino war der erste Tastversuch in das Filmgeschäft hinein, Gegen die Wand hat ihn zur Bekanntheit gebracht.

    Bei dem - mit Verlaub - Voyeurstum mit HIlfe immer ausgefeilterer technischer Mittel bleiben Menschen wesenhaft auf der Strecke. Friedrichshain ist mehr als die zeitweilig herben Geschichten auf dem eh. RAW-Gelände, Prenzlauer Berg mehr als die Schießerei auf Türsteher der Kulturbrauerei und St. Pauli und Altona mehr als dieser Fritz Honka, der an der Nahtstelle dieser beiden Stadtteile (am Hamburger Berg) seine Menschlichkeit mit Alkohol heruntergespült hat.

  8. 1.

    Fabian Wllmeiers Kommentar war besser !

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