Schauspielerin Emma Drogunova (Quelle: imago/snapshot/F.Boillot)
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Video: rbb | 11.02.2018 | Birgit Wolske | Bild: imago/snapshot/F.Boillot

Interview | Shooting-Star Emma Drogunova - "Ich versuche, cool zu bleiben"

Als Jugendliche hat Emma Drogunova eine große Rolle in "Das Adlon" übernommen - inzwischen ist die 23-jährige Deutsch-Russin in zahlreichen Filmen zu sehen. Im Interview schildert sie ihren Weg zum "European Shooting Star", der am Montagabend verliehen wird.  

rbb|24: Mit der Auszeichnung zum "European Shooting Star" trittst du in große Fußstapfen: Daniel Craig, Heike Makatsch, Daniel Brühl, Jella Hase und Franz gehören zu deinen Vorgängern. Wie fühlt sich das an?

Emma Drogunova: Es ist total verrückt. Ich konnte es erstmal gar nicht glauben. Als der finale Anruf kam, saß ich gerade im Taxi in Köln und habe einen riesigen Freudenschrei losgelassen. Der arme Fahrer hat sich total erschrocken, so ausgeflippt bin ich.

Hast du eine ungefähre Vorstellung, was auf dich zu kommt?

Ich bin mit Jella Haase befreundet, habe sie sofort angerufen, und sie hat mir ein wenig erzählt, was passieren wird, wen man so trifft. Dann hat sie mir noch den Rat ihres Papas mitgegeben: 'Immer cool bleiben.' Das versuche ich. Die Sache entspannt anzugehen und mich einfach zu freuen.

Du warst schon mit 17 Jahren in einer großen Rolle zu sehen. Wie hast du deine Leidenschaft für die Schauspielerei entdeckt?

Ich bin mit fünf ins Ensemble des russischen Kindertheaters in Berlin gekommen. Vor der Bühne hatte ich immer Respekt. Mit zehn habe ich meine Mutter überredet, dass ich in eine Agentur darf. Nach vielen zähen Castings habe ich meinen ersten Kurzfilm gedreht.

Du hast Blut geleckt?

Es hat eine Weile gedauert, denn am Anfang hat wirklich nichts geklappt. Aber als ich dann das erste Mal vor der Kamera stand, wusste ich, dass es das ist. Ich war auf dem französischen Gymnasium in Berlin, hatte bis 17 Uhr Unterricht und deswegen habe ich lange nur einen Film pro Jahr geschafft wenn überhaupt.

Was war der Durchbruch?

Mit 16 habe ich "Nicht den Boden berühren" gemacht, ein Studentenfilm von Mia Spengler. Mia ist für mich über die Jahre eine Art Mentorin geworden, wie meine große Schwester. Wir haben später "Back for Good" zusammen gemacht. Aber erst als ich mit der Schule fertig war, konnte ich mich voll und ganz auf die Schauspielerei konzentrieren.

Was magst du am liebsten an der Arbeit vor der Kamera?

Dass ich mich in eine andere Welt, eine andere Geschichte, eine andere Person hineinfühlen und dennoch meine eigene Geschichte, meine eigenen Erfahrungen einbringen kann. Die Kamera fängt im Idealfall genau das ein: solch ganz besonderen Momente zwischen zwei Menschen.

Du warst zwei Jahre alt, als du mit deinen Eltern von Russland nach Deutschland gekommen bist. Wie präsent sind deine russischen Wurzeln im Alltag?

Zum Glück werde ich nicht äußerlich ver- oder beurteilt. Denn man sieht mir meine russische Herkunft nicht an. Aber ich werde schon mit Klischees konfrontiert. Wobei das in meiner Kindheit sicherlich prägnanter war.

Inwiefern?

Es geht nicht spurlos an einem vorüber, wenn man ständig das Gefühl vermittelt bekommt, anders zu sein. "Bin ich weniger deutsch? Bin ich mehr russisch? Bin ich anders als meine Freunde? Was bin ich eigentlich?" - mit solchen Fragen habe ich mich sehr beschäftigt. Aber warum muss ich mich überhaupt entscheiden? An manchen Tagen bin ich mehr russisch und an manchen Tagen mehr deutsch. Ich muss mich gar nicht entscheiden. Ich kann alles sein.  

Beeinflusst deine Biografie dein Spiel?

Bei bestimmten Geschichten auf jeden Fall. Mit meinem Background kann ich Themen wie Diskriminierung anders angehen, denn ich habe es in meinem eigenen Alltag erlebt und kann es nachempfinden.

Du bist in Berlin-Moabit aufgewachsen. Welche Erinnerungen hast du an deine Kindheit?

Ich hatte eine wirklich tolle Kindheit. Wir haben in einem Wohnkomplex mit vielen Kindern gewohnt. In der Mitte gab es einen Spielplatz, da kamen immer die Kinder aus allen Häusern zusammen, haben ziemlich viel Unfug angestellt und Abenteuer erlebt. Aber in den letzten Jahren hat sich Moabit sehr verändert. Die Mieten werden höher, es gibt kaum noch Kinder. Das ist schade.

Wo wohnst du jetzt?

In Wilmersdorf (lacht). Das ist ungewöhnlich, denn die meisten meiner Schauspielkollegen wohnen in Mitte, Friedrichshain oder Kreuzberg.  

Was magst du an Wilmersdorf?

Die Ruhe! Ich habe da eine sehr schöne, kleine Wohnung gefunden. Das ist meine Oase - und wenn ich Action brauche, fahre ich einfach in einen anderen Kiez, habe aber immer diesen wunderschönen Rückzugsort. Oder ich besuche meine Familie in Moabit, wo ich, wenn ich ehrlich bin, früher oder später auch wieder wohnen möchte.

Damals jung - heute routiniert im Geschäft

Eine kreative Karriere bringt oft eine gewisse Unsicherheit mit sich. Wie gehst du damit um?

Ich habe mich langsam daran gewöhnt. Am Anfang hatte ich unfassbare Ängste, denn ich bin eigentlich ein sicherheitsliebender Mensch. Ich habe immer nebenbei gejobbt. Entweder in einem Café oder morgens um sechs in der Drogerie Kartons ausgepackt. Die Angst, dass irgendwann die Rollen wegbleiben, muss ich mir selbst nehmen. Aber langsam werde ich besser darin.

Hast du einen Plan B gehabt?

Ich habe nach dem Abi erstmal eine Ausbildung als Tänzerin angefangen, diese dann aber wieder abgebrochen. Ich konnte zeitlich Ausbildung und das Spielen nicht unter einen Hut bekommen. Ich studiere jetzt an der HU Französisch und Russisch, schaffe es aber leider auch hier nicht sooft hin. Die Schauspielerei geht einfach vor.

Diese Berlinale wird sicherlich für dich eine ganz besondere. Was ist deine schönste Berlinale-Erinnerung der letzten Jahre?

Ein Film: "Joven y Alocado" von Marialy Rivas über ein junges Mädchen, das seine Sexualität entdeckt und zur Frau wird. Ich war 14, hatte noch keinen Bezug zur Berlinale und habe das erste Mal bewusst gemerkt, was Filme bewirken können.

Berlinale heißt für dich in diesem Jahr auch Party und rote Teppiche. Freust du dich darauf?

Ich habe gemischte Gefühle. Rote Teppiche sind immer noch neu und aufregend für mich. Ich bin da sehr schüchtern, weiß noch nicht genau, wie ich mich am besten präsentieren soll. Zum Glück bin ich nicht nur Schauspielerin, sondern auch Tänzerin. Deswegen sehe ich den Gang über den roten Teppich immer als Tanz - nur ohne tanzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mit Emma Drogunova sprach Anna Wollner.

 

Sendung: rbb | 11.02.2018 | Birgit Wolske

Beitrag von Anna Wollner

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