Abschluss und Verleihung der Bären im Berlinale Palast: Dieter Kosslick, Berlinale-Direktor (M), hält einen großen Teddy vor Juliette Binoche (l-r),Trudie Styler und Sebastian Lelio, Präsidentin bzw. Mitglieder der Berlinale-Jury. (Quelle: dpa/Hirschberger)
Audio: Inforadio | 17.02.2019 | Reiner Veit | Bild: dpa/Hirschberger

Kommentar | Festivalleiter geht - Das Ende der Ära Kosslick ist eine Chance für die Berlinale

Nach 18 Jahren endete mit dem Publikumstag nicht nur die 69. Berlinale, sondern auch die Ära Kosslick. Als Festivalleiter hat er viel angestoßen, meint Reiner Veit. Aber es brauche wieder neue Impulse.

Mit einer soliden und wenig spektakulären Ausgabe hat sich der scheidende Direktor Dieter Kosslick von seiner Berlinale verabschiedet. Wie oft in den vergangenen Jahren erweckte er dabei den Eindruck, dass der Festival-Leiter viel wichtiger ist, als es die Festival-Filme sind - und der rote Teppich sowieso das Maß aller Dinge ist.

Auch wenn in den letzten 18 Jahren immer weniger große Namen über den Teppich schritten und Kosslick selbst häufig den Part des stets nahbaren Berlinale-Stars übernahm - es waren und sind noch immer die Medien, die ihn genauso inszenieren: Dieter hier, Kosslick dort, Dieter Kosslick überall. 

Der Berlinale neues Leben eingehaucht

Auch bei der diesjährigen Preisverleihung war das nicht anders. Sein letztes Festival hin oder her: Statt mit dem zu beginnen, worum es bei dieser Preisverleihung eigentlich zuerst gehen sollte -  nämlich die Silbernen und den Goldenen Bären, die Filme ihrer Macherinnen und Macher - drehte sich zunächst alles um den scheidenden Hausherrn: Dieter hier, Dieter da, Dieter dort.

Das macht die Sache etwas peinlich und lässt die Ehre, die ihm in nach all den Jahren gebührt, etwas schal wirken. Als großer Kommunikator, der er nun einmal ist, hat er der Berlinale viel frisches Leben eingehaucht. Und hat sie vor allem in Berlin viel populärer gemacht, ihr eine Leichtigkeit verordnet, sich um Filmtalente gekümmert, das Potsdamer-Platz-Gefühl in die Kinos gebracht. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Die großen Filme laufen in Venedig und Cannes

Ja, er hat viel bewegt. Aber die meisten dieser Ideen sind nun auch schon etwas in die Jahre gekommen und bedürfen einer Revision. Leider reagierte Kosslick oft allergisch auf Kritik. Also: Nach 18 Jahren wird es Zeit für Neue und Neues.

Lokal und regional betrachtet, mag die Berlinale sicherlich eine große Berlinale sein, wobei die Stadt dazu neigt, sie größer zu machen, als sie ist. International gesehen, spielt das Berliner Filmfestival längst nicht mehr die bedeutenden Rolle.

Die großen Filme, über die wirklich gesprochen wird, laufen in Venedig und Cannes. Und dort laufen auch die Stars über den Teppich, die die Berlinale gerne gehabt hätte. Schon seit ein paar Jahren ist auch zu sehen, dass das Festival die ersten paar Tage von Fachbesuchern gut besucht wird, aber schon bald lichten sich die Reihen merklich. Und ab Mittwochs könnte man sich fragen: War da eigentlich was?

Auch wenn beim Publikumsfestival Berlinale die Kinos rappelvoll sind und unglaublich viele Karten verkauft werden, täuscht es nicht darüber hinweg, dass Filmfestivals, sich einer veränderten und sich weiter verändernden Medienwelt stellen und sich in ihr behaupten müssen. Mit dem Publikumstag ging am Sonntag nicht nur die Berlinale zu Ende, sondern auch eine Ära. Das ist für viele traurig, aber es ist vor allem eine Chance: für Berlin und die Berlinale.

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Beitrag von Reiner Veit

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1 Kommentar

  1. 1.

    Guter Audiokommentar zur Berlinale. Mal schauen wie‘s nun weitergeht. Dieter Kosslick wünsche ich weiterhin alles erdenklich Gute.

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