Symbolbild: Ein Kameramann bei der Arbeit im Sonnenuntergang (Bild: imago/Johann Groder)
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Streit um Streamingdienste - Netflix will offenbar in deutsche Filmförderung einzahlen

Der Streamingdienst Netflix hat sich offenbar bereit erklärt, künftig in die deutsche Filmförderung einzuzahlen. Die Filmförderungsanstalt habe dies auf Nachfrage bestätigt, schreibt "Welt.de". Auf der Berlinale hatte es heftigen Streit um Netflix gegeben.

Nach langem Ringen ist der US-Streamingdienst Netflix offenbar bereit, sich deutschen Gesetzen zu beugen. Wie das Onlineportal "Welt.de" [externer Link] am Donnerstag berichtet, will Netflix ab September dieses Jahres in die deutsche Filmförderung einzahlen. Das habe die Filmförderungsanstalt (FFA) auf Anfrage bestätigt.

Möglicherweise Folgen für Google, Apple und andere

Mit der Einigung könnte ein langwieriger Streit entschärft werden, der auch auf der diesjährigen Berlinale für Kontroversen gesorgt hatte. Möglicherweise habe der Fall Präzedenzwirkung für andere Streaminganbieter, wie zum Beispiel Google und Apple. Amazon dagegen zahle mit seinen Streamingangeboten bereits in die Filmförderung ein.

Das deutsche Filmförderungsgesetz sieht vor, dass Unternehmen, die ihr Geld mit der Vermarktung von Kinofilmen verdienen, auch wieder etwas zurückgeben müssen. Die umsatzstärkeren Kinos zahlen daher eine Abgabe zwischen 1,8 und 3,0 Prozent des Umsatzes an die FFA - Gelder, mit denen neue Filmprojekte gefördert werden.

Netflix hatte sich auf hohe Produktionskosten berufen

In Paragraph 152 und 153 des Filmförderungsgesetzes [externer Link] sind auch die Verpflichtungen von Streamingdiensten (Video-on-Demand-Angeboten) geregelt - denn indem sie Filme zeigen, agieren sie nicht anders als Kino und lineares Fernsehen. Wie die Gebühren für einen Streamingdienst berechnet werden sollen, ist abschließend noch nicht geklärt - unter anderem weil Netflix seine Zahlen nicht offenlege, heißt es in dem Bericht.

Netflix hatte sich bisher darauf berufen, ohnehin sehr viel Geld in deutsche Produktionen zu stecken. So waren auf der Berlinale mehrere Netflix-Produktionen zu sehen, wobei zum ersten Mal Spielfilme statt Serien vorgestellt wurden. Auch der spanische Wettbewerbsbeitrag "Elisa y Marcela" ist von Netflix produziert worden, was Streaming-Kritiker auf der Berlinale, vor allem aber die deutschen Kinobetreiber, zu heftigen Protesten veranlasste. Anbieter wie Netflix machten das Kino kaputt, ist ihr Argument.

Die Regisseurin des Films, Isabel Coixet, bezeichnete diese Kritik als "respektlos". Sie habe jahrelang um eine anderweitige Finanzierung gerungen, bis Netflix eine Zusage gegeben habe. Sie gehöre einer anderen Generation an und wolle auch künftig noch Filme drehen - auch, wenn diese auf einem Tablet oder anderen Wiedergabegerät zu sehen seien.

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