Isabel Coixet, Regisseurin von "Elisa y Marcela", bei der Berlinale-Pressekonferenz am 13.02.2019 in Berlin (Foto: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Streit um Berlinale-Wettbewerb - Regisseurin Coixet verteidigt Netflix gegen Kinobetreiber

Die spanische Regisseurin Isabel Coixet hat nach eigenen Angaben zehn Jahre gebraucht, um ihren Film "Elisa Y Marcela" finanziert zu bekommen. Niemand habe sich für ihren Filmstoff interessiert, sagte Coixet am Mittwoch in Berlin. Dann habe sie eine Produktionsfirma gefunden, die die Idee hatte, das Projekt Netflix vorzuschlagen.

Die Teilnahme des Films im Wettbewerb der Berlinale wird von deutschen Kinobetreibern scharf kritisiert. Die AG Kino fordert in einem offenen Brief an Festivalleiter Dieter Kosslick und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), dass der Film auf der Berlinale außer Konkurrenz laufen solle, da er "keine reguläre Auswertung im Kino bekommt, sondern nur auf Netflix zu sehen sein wird". Unterstützt wird die AG Kino durch den Internationalen Verband der unabhängigen Kinobetreiber CICAE.

Kinobetreiber fürchten um ihr Geschäft

Die Kinobetreiber fürchten um ihr Geschäft, wenn Filme gewinnen, dann aber schnell online gezeigt werden. Die Festivalleitung und auch Netflix hatten hingegen betont, dass der Film in Spanien ins Kino kommen soll. "Er wird auch in Spanien im Kino laufen", versicherte nun auch Regisseurin Coixet in Berlin. Wenn er in Spanien gut laufe, hoffe sie, dass der Film auch in anderen Ländern in den Verleih gehe. In Brasilien gebe es schon Interesse. "Wir müssen da wirklich Daumen drücken." Ein Kinostart in Deutschland ist bisher nicht vorgesehen.

Coixet finde es unfair für die Story und die beiden Frauen, wenn man fordere, den Film aus dem Wettbewerb herauszulassen. "Es geht um lebendige Kultur", sagte Coixet. Sie habe nur ein kleines Budget gehabt und den Film innerhalb von vier Wochen gedreht. Schauspielerin Greta Fernández sagte, das Gute an Netflix sei, dass viele Menschen den Film sehen könnten.

Das Drama erzählt in Schwarzweiß-Bildern von zwei Frauen die sich um das Jahr 1900 herum ineinander verlieben.

Charlotte Rampling: Debatte unzeitgemäß

Auch die britische Schauspielerin Charlotte Rampling, die am Donnerstag den Goldenen Ehrenbären der Berlinale für ihr Lebenswerk erhält, hat sich in die Debatte um Streamingdienste und andere Angebote jenseits des Kinos eingeschaltet. Diese Debatte sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Rampling am Mittwoch in Berlin während eines Gesprächs im Rahmen der Berlinale Talents.  "Es ist wunderbar, wenn man für Filme ins Kino gehen möchte, das dann auch zu tun", sagte die 73-Jährige. Aber es gebe inzwischen ganz viele verschiedene Möglichkeiten, Filme anzuschauen. "Wichtig ist, dass die Arbeiten gesehen werden", so Rampling.

"Wenn jemand seine Box zu Hause oder ein Heimkino hat, finde ich das völlig okay." Die Entwicklung schreite voran. Gleichzeitig betonte sie: "Kino wird es immer geben." Gegen zu viel Nutzung von Streamingdiensten und die Gefahr, ein Serien-Junkie zu werden, empfahl sie ein einfaches Mittel: "Ich habe kein Netflix-Abo." Neben der Auszeichnung mit dem Goldenen Ehrenbären wird Rampling außerdem mit der diesjährigen "Hommage" geehrt. Es werden elf Filme mit oder über Charlotte Rampling gezeigt.

Sendung: Radioeins, 13.02.2019, 16 Uhr

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