Am zweiten Tag der Berlinale haben Beschäftigte der Kino-Kette Cinemaxx in Berlin mit Trillerpfeifen und Transparenten vor dem Festival-Palast für höhere Löhne demonstriert. (Quelle: rbb/Fabian Wallmeier)
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Video: rbb|24 | 08.02.2019 | Grit Lieder | Bild: rbb/Fabian Wallmeier

Rund 50 Teilnehmer am Potsdamer Platz - Kino-Mitarbeiter demonstrieren bei Berlinale für mehr Geld

Am zweiten Tag der Berlinale haben Kino-Mitarbeiter, darunter Beschäftigte der Kette Cinemaxx, mit Trillerpfeifen und Transparenten vor dem Festival-Palast für höhere Löhne demonstriert. Sie folgten einem Verdi-Aufruf. Die Gewerkschaft und der Kinobetreiber befinden sich seit November 2018 in Tarifverhandlungen. Verdi fordert eine Erhöhung des Einstiegslohns auf zehn Euro brutto.

"Spiel mir das Lied vom Hungerlohn"

Rund 50 Menschen nahmen am Freitagabend an dem Protest teil. Sie hielten Schilder etwa mit der Aufschrift "Spiel mir das Lied vom Hungerlohn" hoch und trugen Westen mit dem Verdi-Logo.

Es werde für "existenzsichernde Löhne in den Kinos" demonstriert, sagte der Verdi-Landesgeschäftsführer für Berlin-Brandenburg, Jörg Reichel. "Der rote Teppich auf der Berlinale gaukelt eine heile Welt vor." Die schillernde Welt der Berlinale dürfe aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Kinobeschäftigte Niedriglöhner sind, hieß es. Filmvorführungen würden durch die Kundgebung nicht gestört, erklärten Verdi und ein Sprecher von Cinemaxx.

Weitere Kundgebung am Samstag

Eine Cinemaxx-Mitarbeiterin erklärte rbb|24 bei der Aktion, man könne heute vom Mindestlohn nicht leben. Er liegt seit 1. Januar bei 9,19 Euro. Deshalb müssten auch Servicemitarbeiter mehr verdienen. 

In den Tarifverhandlungen gebe es bisher keine nennenswerten Erfolge, sagte Verdi-Landesgeschäftsführer Reichel. Durchschnittlich liege der Stundenlohn der Kino-Beschäftigten derzeit bei durchschnittlich 9,47 Euro brutto. Cinemaxx wiederum warf Verdi vor, einen medialen Aufschrei generieren zu wollen. Der Kinobetreiber nannte die Forderungen "unrealistisch" und bot eine Lohnsteigerung für Servicemitarbeiter von sieben Prozent über drei Jahre an. Derzeit sind laut Verdi etwa 70 Menschen im Cinemaxx Berlin beschäftigt. Eine weitere Kundgebung sei für Samstagabend geplant, hieß es.

Verdi plant Warnstreiks

Zudem plane die Gewerkschaft ab Samstag Warnstreik-Aktionen im gesamten Bundesgebiet, sagte Reichel rbb|24 am Freitagabend. Es blieb jedoch unklar, ob und gegebenenfalls wann Berlin davon betroffen ist. Verdi forderte die Berlinale-Festspielleitung auf, im Berliner Cinemaxx-Kino und damit im Rahmen des Festivals keine Streikbrecher zu dulden. Außerdem solle sich die Berlinale solidarisch mit den Cinemaxx-Beschäftigten erklären, so Verdi. 

Das Kino Cinemaxx wird derzeit als Berlinale-Austragungsort genutzt. Wie Verdi am Freitag kritisierte, halte der Arbeitgeber dort Streikbrecher bereit. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass dies offenbar in Kenntnis oder Duldung der Berlinale-Festspielleitung organisiert worden ist.

Reaktion auf Streikbrecher-Vorwurf

Cinemaxx erklärte laut einer Mitteilung: Unabhängig von der rechtlichen Bewertung werde das Unternehmen am Freitag regulär eingeplante Mitarbeiter "bei einem Streikaufruf vorsorglich freistellen". Bisher habe man jedoch von der Gewerkschaft noch keinen Streikaufruf erhalten.

Von der Berlinale werde "wie jedes Jahr" zusätzlich zu Cinemaxx-Mitarbeitern "Fremdpersonal für den Festival-Betrieb eingesetzt". Die Planungen dafür fänden teils Monate vor der Berlinale statt und seien vom lokalen Betriebsrat abgenommen. Von der Berlinale war am Freitag kein Statement zu bekommen. Das Kino am Potsdamer Platz ist während der Filmfestspiele komplett an die Berlinale untervermietet.

Sendung: radioBerlin 88.8, 08.02.2019, 14.00 Uhr

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Mensch Verdi bleibt doch realistisch . Es gehtbei der Berlinale um Kohle nicht um Moral ( ausser man kann damit Kohle machen ).

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