Die Direktoren der Berlinale Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek stellen das Programm zur Berlinale vor. Die 70. Internationalen Filmfestspiele beginnen am 20. Februar. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Video: Abendschau | 29.01.2020 | Petra Gute | Bild: dpa/Britta Pedersen

Wettbewerb der Berlinale - Diese 18 Filme konkurrieren um den Goldenen Bären

Bislang waren sie ein gut gehütetes Geheimnis: die Wettbewerbsfilme der 70. Berlinale. Am Mittwoch hat das Filmfestival verkündet, wer um den Goldenen Bären konkurriert. Darunter sind auch drei Produktionen, in denen Berlin eine wichtige Rolle spielt.

So spannend hat es das Festival selten gemacht: Erst am Mittwoch haben die neuen Berlinale-Chefs Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek verkündet, welche 18 Filme am Wettbewerb teilnehmen.

Mit dabei sind drei Produktionen, die sich aus ganz unterschiedliche Weise mit Berlin beschäftigen. In der Filmadaption des Alfred-Döblin-Romans "Berlin Alexanderplatz" durch den deutsch-afghanischen Regisseur Burhan Qurbani spielen Welket Bungué, Jella Haase und Albrecht Schuch die wichtigsten Rollen.

Jella Haase, Welket Bungué in Berlin Alexanderplatz von Burhan Qurbani (Quelle: Stephanie Kulbach/2019 Sommerhaus/eOne Germany)
Jella Haase, Welket Bungué in "Berlin Alexanderplatz" von Burhan Qurbani | Bild: Stephanie Kulbach/2019 Sommerhaus/eOne Germany

"Undine" ist das aktuelle Werk von Berlinale-Dauergast Christian Petzold, ein modernes Märchen, mit Paula Beer als geheimnisvoller Wasserfrau und Stadtführerin in Berlin. Auch in dem Drama "Schwesterlein" des Regisseurinnen-Duos Stéphanie Chuat und Véronique Reymond mit Nina Hoss und Lars Eidinger ist die Hauptstadt eine wichtige Protagonistin.

Erstmals dabei ist der Iraner Mohammad Rasoulof mit "There Is No Evil". "Wir hoffen, dass seine Regierung ihm erlauben wird, nach Berlin zu kommen", sagte Chatrian. "Irradiés (Irradiated)" von Rithy Panh aus Kambodscha ist der einzige Dokumentarfilm im Wettbewerb.

Paula Beer in Undine von Christian Petzold (Quelle: Christian Schulz/Schramm Film)
Paula Beer in "Undine" von Christian Petzold | Bild: Christian Schulz/Schramm Film

Drei Merkmale des Wettbewerbs

Anders als in den Vorjahren wurde das Programm auf einen Schlag präsentiert. Ein Motto hat Chatrian nicht ausgegeben. Kennzeichend für den diesjährigen Wettbewerb seien drei Dinge: Zum einen, dass auch in diesem Jahr Berlinale-Regisseure wie Sally Potter ("The Roads Not Taken")  Petzold, Qurbani, Hong Sangsoo ("Domangchin yeoja"/The Woman Who Ran)" oder Benoit Delépine "Effacer l'historique"/Delete History) dabei sind. Zudem gebe es vier Regie-Duos. Und viele Filme offenbarten "einen Blick auf die dunkle Seite des Menschen".

"DAU" kommt doch noch nach Berlin

"Wenn die eher dunklen Farben überwiegen, mag das daran liegen, dass die von uns ausgewählten Filme eher illusionslos auf die Gegenwart blicken", kommentierte der künstlerische Leiter Chatrian die Wettbewerbsauswahl, "nicht weil sie Schrecken verbreiten, sondern weil sie uns die Augen öffnen wollen."

Darunter ist auch der Film "Natasha" des russischen Regisseurs Ilya Khrzanovskiy: eine Auskopplung aus seinem umstrittenen Großprojekt "DAU", das im Januar 2019 in Paris stattfand, nachdem Berlin der Riesen-Installation mit Filmen und 800 Meter langer Betonmauer im Jahr 2018 eine Absage erteilt hatte. Ein weiterer Film aus dem "DAU"-Projekt, "Degeneratsia", läuft im Berlinale Special im Haus der Berliner Festspiele.

Das größte Star-Aufgebot hat Sally Potters Wettbewerbsbeitrag "The Roads Not Taken" zu bieten: Javier Bardem, Elle Fanning und Salma Hayek spielen in der Vater-Tochter-Geschichte mit. 

Film ab für die Encounters-Reihe

Schon länger bekannt ist das Programm des frisch gegründeten innovativen Wettbewerbs, der "neue Stimmen des Kinos unterstützen soll". Insgesamt 15 internationale Spiel- und Dokumentarfilme laufen hier, darunter "Shirley" von der US-Amerikanerin Josephine Decker und die argentinische Produktion "Isabella" von Matías Piñeiro. Eröffnungsfilm ist die Koproduktion "Malmkrog" von Cristi Puiu. Darin erzählt der rumänische Autorenfilmer von den Weihnachtsfeiertagen in einem aristokratischen Herrenhaus. Aus Deutschland sind Alexander Kluge mit "Orphea" dabei, "Die letzte Stadt" von Heinz Emigholz sowie Melanie Waeldes Debüt "Nackte Tiere".

60 Filme weniger als im Vorjahr

Dass der gesamte Wettbewerb erst so spät öffentlich gemacht wird, ist eine von vielen Veränderungen unter der neuen Doppelspitze. Die neue Leitung sieht sich mit großen Erwartungen konfrontiert. In den vorangegangenen Jahren wurde verstärkt der Vorwurf laut, das Berlinale-Programm sei mit durchschnittlich 400 Filmen zu umfangreich und zu wenig profiliert. Zumindest in diesem Jahr hat Carlo Chatrian, der künstlerische Direktor, das Berlinale-Programm abgespeckt. Es sind rund 60 Filme weniger als im Vorjahr zu sehen.

Alfred-Bauer-Preis wird ausgesetzt

Wer zur Jury gehören wird, die unter Vorsitz des britischen Darstellers Jeremy Irons über die Haupttrophäen entscheidet, wurde - anders als erwartet - bei der Pressekonferenz zu den Wettbewerbsfilmen noch nicht verraten. Es bleibt auch noch geheim, wer im Entscheidungsgremium für die neue kompetitive Sektion Encounters sitzt.

Ein Preis der Berlinale wird in diesem Jahr nicht vergeben: Der Alfred-Bauer-Preis werde ausgesetzt, sagte eine Berlinale-Sprecherin am Mittwochabend.  Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte zuvor berichtet, Bauer sei ein "hochrangiger Funktionär der NS-Filmbürokratie" gewesen.

In dem Artikel würden "Quellen zitiert, die die Rolle von Alfred Bauer, dem ersten Leiter der Internationalen Filmfestspiele Berlin, in der nationalsozialistischen Filmpolitik neu beleuchten",  teilten die Internationalen Filmfestspiele mit.

Alfred Bauer hatte die Filmfestspiele in Berlin von 1951 bis 1976 geleitet. Der nach ihm benannte Preis wurde seit 1987 verliehen, zuletzt als eine von mehreren Silbernen Bären im Wettbewerb.

Logistisch ist der Festivalbesuch erschwert

Zur 70. Ausgabe hat die Berlinale einige organisatorische Hürden zu bewältigen, allen voran den Umzug vom Cinestar am Potsdamer Platz zum kilometerweit entfernten Cubix am Alexanderplatz. Dass außerdem die Ladengalerie der Arkaden inklusive Gastronomie wegen Renovierung geschlossen ist und auch am U-Bahnhof Potsdamer Platz gebaut wird, macht den Festivalbesuch logistisch nicht gerade einfacher.  

Programmheft und Ticketvorverkauf

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin finden in diesem Jahr von 20. Februar bis 1. März statt. Eröffnet wird Deutschlands größtes und wichtigstes Filmfest mit der Weltpremiere von Philippe Falardeaus "My Salinger Year". Die kanadisch-irische Produktion mit Sigourney Weaver als Literaturagentin von Kultautor J.D. Salinger läuft als "Berlinale Special Gala". 

Hommage und Goldener Ehrenbär sind der britischen Charakterdarstellerin Helen Mirren gewidmet. Die Berlinale Kamera geht an die avantgardistische Künstlerin und Filmemacherin Ulrike Ottinger. Und: Erstmals stiftet in diesem Jahr der rbb den mit rund 40.000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis. 

Das komplette Programm der 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin inklusive aller Terminierungen und Spielstätten veröffentlicht die Berlinale am 11. Februar 2020.  Der Ticketvorverkauf startet am Montag, 17. Februar, um 10 Uhr.

Die 18 Filme des Wettbewerbs

Berlin Alexanderplatz
Deutschland / Niederlande
von Burhan Qurbani

DAU. Natasha
Deutschland / Ukraine / Vereinigtes Königreich / Russische Föderation
von Ilya Khrzhanovskiy, Jekaterina Oertel

Domangchin yeoja (The Woman Who Ran)
Republik Korea
von Hong Sangsoo

Effacer l'historique (Delete History)
Frankreich / Belgien
von Benoît Delépine, Gustave Kervern

El prófugo (The Intruder)
Argentinien / Mexiko
von Natalia Meta

Favolacce (Bad Tales)
Italien / Schweiz
von Damiano & Fabio D‘Innocenzo

First Cow
USA
von Kelly Reichardt

Irradiés (Irradiated)
Frankreich / Kambodscha
von Rithy Panh
Dokumentarische Form

Le sel des larmes (The Salt of Tears)
Frankreich / Schweiz
von Philippe Garrel

Never Rarely Sometimes Always
USA
von Eliza Hittman

Rizi (Days)
Taiwan
von Tsai Ming-Liang

The Roads Not Taken
Vereinigtes Königreich
von Sally Potter

Schwesterlein (My Little Sister)
Schweiz
von Stéphanie Chuat, Véronique Reymond

Sheytan vojud nadarad (There Is No Evil)
Deutschland / Tschechische Republik / Iran
von Mohammad Rasoulof

Siberia
Italien / Deutschland / Mexiko
von Abel Ferrara

Todos os mortos (All the Dead Ones)
Brasilien / Frankreich
von Caetano Gotardo, Marco Dutra

Undine
Deutschland / Frankreich
von Christian Petzold

Volevo nascondermi (Hidden Away)
Italien
von Giorgio Diritti

Sendung: Inforadio, 29.01.2020, 16:55 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Preise sind nichts mehr Wert. Alles nur noch politische Show.

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