70. Berlinale, eine Frau geht im Februar 2020 an einem Berlinale-Plakat vorbei.
Audio: Inforadio | 18.12.2020 | Alexander Soyez | Bild: dpa/Christoph Soeder

Absage des Februar-Termins - Die nächste Berlinale findet im März und im Juni statt

Kein Warten in der Kälte auf die Stars, keine Schlangen vor den Kinos: Die 71. Ausgabe der Berlinale wird nicht wie geplant im Februar 2021 stattfinden. Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen hat die Festivalleitung umdisponiert - auf gleich zwei Termine.

Die Berlinale 2021 wird wegen der Corona-Pandemie verschoben und soll an zwei verschiedenen Terminen stattfinden. Wie die Festivalleitung am Freitag in Berlin mitteilte, wird es im März einen digitalen Branchentreff geben, im Juni ist dann ein Festival mit Filmvorführungen vor Publikum geplant.

Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek erklärte, die Zweiteilung ermögliche es, die beiden tragenden Säulen zu erhalten: Filmmarkt und Festival. "Mit der Veränderung des Festivalformats 2021 haben wir die Möglichkeit, die Gesundheit aller Gäste zu schützen und den Neustart der Kinobranche zu unterstützen", so Rissenbeek.

Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek erklärte, die Zweiteilung ermögliche es, die beiden tragenden Säulen zu erhalten: Filmmarkt und Festival. Es sei wichtig, der Filmindustrie im ersten Quartal 2021 einen Markt zu bieten. Mit dem neuen Konzept werde die Gesundheit der Gäste geschützt und der Neustart der Kinobranche unterstützt.

 

Das Programm der Berlinale wird im Februar veröffentlicht

 

Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek erklärte, die Zweiteilung ermögliche es, die beiden tragenden Säulen zu erhalten: Filmmarkt und Festival. Es sei wichtig, der Filmindustrie im ersten Quartal 2021 einen Markt zu bieten. Mit dem neuen Konzept werde die Gesundheit der Gäste geschützt und der Neustart der Kinobranche unterstützt.

 

Das Programm der Berlinale wird im Februar veröffentlicht

 

Branchentreffen "wenn die Taschen noch voll sind"

Die Zweiteilung sei absolut notwendig gewesen, sagte Rissenbeek im rbb. Filme vor Publikum vorzuführen sei frühestens im Frühsommer möglich. Für den Markt aber sei es sehr wichtig, dass die Branche sich am Anfang des Jahres treffe, "wenn die Taschen noch voll sind und die Einkäufer Filme einkaufen wollen", so Rissenbeek weiterb.

Den Beginn macht deshalb Anfang März das digitale Branchentreffen, als virtueller Marktplatz und als Plattform für die Filmwirtschaft. Alle Filme und Veranstaltungen im Rahmen der Berlinale Talents mit Fort- und Weiterbildungsprogrammen, dem European Film Market (EFM) sowie dem World Cinema Fond (WCF) werden gestreamt. Fünf Tage soll die digitale Berlinale andauern, sie ist nicht öffentlich.

Der rote Teppich wird im Juni ausgerollt

Bis Ende Februar soll der Berlinale-Wettbewerb feststehen. In der ersten Junihälfte soll dann ein Publikumsfestival Open Air und und in den Kinos stattfinden, mit Weltpremieren, Filmen aus verschiedenen Sektionen, Stars und rotem Teppich. "Mit dem Sommer-Event wollen wir ein Fest für das Kino feiern und dem Berliner Publikum das langersehnte Gemeinschaftserlebnis von Kino und Kultur bieten", so Rissenbeek. Sie sei sehr zuversichtlich, dass die Menschen im Sommer wieder in die Kinos gehen wollen.

Dann erst sollen auch die Bären an die Preisträgerinnen und Preisträger verliehen werden. Je nachdem wann die Kinos wieder öffnen, sind Filmstarts von Berlinale-Beiträgen bereits vor dem Juni möglich.

Eine Sommer-Berlinale ist nichts Neues: Von der Gründung 1950 bis 1977 wurde das Festival im Juni beziehungsweise im Juli ausgetragen, anfangs sogar unter freiem Himmel in der Waldbühne. Erst 1978 verlegte der damalige Berlinale-Chef Wolf Donner das Filmfest in den Februar. Ein wichtiger Grund war die Filmmesse, der Handelsplatz der Filmwirtschaft. Der Wintertermin würde sich, so die Überlegung, nicht mit anderen internationalen Filmmärkten überschneiden und Produzenten, Filmeinkäufer und Verleiher nach Berlin locken. Heute gehört der European Film Market (EFM) zu den wichtigsten Branchentreffs der Filmindustrie.

Grütters: "starkes Signal"

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sieht in der alternativen Planung der Berlinale ein "starkes kultur- und filmpolitisches Signal". Ein Wettbewerb lasse viele Filmschaffende international auf eine Würdigung ihrer Leistung hoffen, sagte sie am Freitag. "Und im Sommer wird das Festivalerlebnis mit Publikum auf großer Leinwand zelebriert."

Sie habe der Berlinale zusätzliche finanzielle Unterstützung aus dem Corona-Hilfsprogramm für die Kultur zugesagt, "um sie in schwierigen Zeiten abzusichern".

"Wir haben uns natürlich sehr verantwortlich gefühlt"

Die Berlinale-Leitung hatte bis zuletzt gehofft, die ursprüngliche Festivalplanung in den Frühjahr verschieben zu können: "Wir haben uns sehr spät davon verabschiedet, weil wir ein sehr großes Bedürfnis haben, das Festival, so wie die Berliner und die internationale Filmbranche es kennen, abzuhalten. Dafür wäre April der letzte Moment gewesen", sagte Berlinale-Chefin Mariette Rissenbeek dem rbb.

Das Festival ausfallen zu lassen, habe für sie nie zur Debatte gestanden. "Wir haben zehn Prozent mehr Anmeldungen von Langfilmen als noch im letzten Jahr. Da haben wir uns natürlich sehr verantwortlich gefühlt, dass eine Berlinale, wie von allen erhofft, im Februar über die Bühne gehen kann. Erst als Ende Oktober, Anfang November, die Situation Pandemie-bedingt unwegbarer wurde, haben wir überlegt, zu verschieben", so Rissenbeek.

"Nach wie vor ist es unser Wunsch, das Festival physisch durchzuführen und so auch 2021 einen Ort des Austauschs und der Begegnung zu bieten", ist auf der Berlinale-Website zu lesen.

Hoffnung trotz hoher Infektionsraten

Bereits Anfang Dezember hatte der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sich skeptisch gezeigt, ob eine Berlinale im Februar stattfinden könne. "Das glaube ich eher nicht bei den derzeitigen Zahlen", sagte der Linke-Politiker im Hinblick auf die aktuelle Corona-Situation.

Zuletzt waren die Corona-Infektionen bundesweit und auch in Berlin und Brandenburg rasant gestiegen. Am 13. Dezember hatten Bund und Länder einen harten Lockdown mit der weitgehenden Schließung von Einzelhandel, Schulen und Kitas ab 16. Dezember vereinbart. Dieser wird auch von Berlin und Brandenburg umgesetzt.

Berlinale hat eine große Bedeutung

Die Berlinale ist von herausragender Bedeutung für die deutsche und internationale Filmwelt. Ein kompletter Ausfall des Festivals wäre für Filmwirtschaft wie junge Filmschaffende, die im Rahmen der Berlinale-Talents nach Berlin kommen, schwierig gewesen.

Als langfristiges Groß-Event laufen zudem die Vorbereitungen bereits seit Monaten: Filme werden gesichtet, das Personal ist bestellt. Rund 1.200 Menschen sind bei dem Internationalen Filmfestival im Einsatz - etwa als Eventmanager, bei der Akkreditierung oder Gästebetreuung.

Für die 71. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele ist unter anderem eine Retrospektive der Hollywoodstars Mae West, Rosalind Russell und Carole Lombard geplant.

Mit ihrer abgespeckten und verschobenen Ausgabe steht das Berliner Festival nicht alleine da. Auch das größte und wichtigste Filmfestival in Cannes hatte im Mai absagen müssen und im Oktober eine Miniausgabe nachgeschoben. Das Internationale Filmfestival in Cottbus fand in diesem Jahr nur online statt. Venedig dagegen konnte im September als Präsenzfestival unter strengen Sicherheits-Maßnahmen stattfinden.

In diesem Jahr feierte die Berlinale 70. Jubiläum

In Februar diesen Jahres feierten die Internationalen Filmfestspiele Berlin ihr 70. Jubiläum unter der neuen Leitung von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Fast 1.500 Filme haben seit 1951 um die Goldenen und Silbernen Bären konkurriert. Der Hauptpreis des Goldenen Bären ging zuletzt an den den iranischen Episodenfilm "Sheytan vojud nadarad" von Mohammad Rasoulof. Paula Beer Paula Beer erhielt den Silbernen Bären als beste Darstellerin in Christian Petzolds "Undine". Dafür wurde sie auch im Dezember 2020 beim Europäischen Filmpreis geehrt.

Die Berlinale ist weltweit das größte Publikumsfilmfestival und zählt neben Cannes und Venedig zu den wichtigsten Filmfestivals. Zur 70. Berlinale vom 20. Februar bis 1. März 2020 kamen 479.365 Kinobesucher.

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