Adrienne Boros (Quelle: Carmen Korth)
Audio: Inforadio | 26.02.2020 | Anke Burmeister | Bild: Carmen Korth

Berlinale | Porträt - Adrienne Boros dirigiert während der Berlinale 1.200 Menschen

Sie ist die Frau, die die Berlinale am Laufen hält: Adrienne Boros, früher Geschäftsführerin der Freien Volksbühne, sorgt für den reibungslosen Ablauf der Filmfestspiele. Die meiste Arbeit aber hat sie erst, wenn die Abschlussgala schon gelaufen ist.Von Anke Burmeister 

"Hi, ich bin Laura und ich verkaufe die Merchandise-Produkte hier bei der Berlinale", sagt die Frau. Sie steht in den Potsdamer-Platz-Arkaden und verkauft T Shirts, Mützen, Plakate und Schokolade. Laura ist eine von 1.200 Menschen, die auf der Berlinale arbeiten. Dass alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, und jeder weiß, was zu tun ist - dafür sorgt Adrienne Boros, die Verwaltungsdirektorin der Filmfestspiele.

Neue Chefs, Vergangenheitsbewältigung und ein Virus

Boros sitzt in einem gläsernen Bürohaus direkt am Potsdamer Platz. Trotz des eng getakteten Zeitplans nimmt sie sich Zeit für ein Interview. Es ist ihr achtes Berlinale-Jahr. Das Festival ist das größte und teuerste Angebot der Kulturveranstaltungen des Bundes. Neben der Berlinale gehören noch die Berliner Festspiele mit dem Haus der Kulturen der Welt und dem Gropius-Bau dazu.

Adrienne Boros hat in diesen Jahr mit Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian nicht nur eine neue Chefin und einen neuen Chef, sondern gleich drei große Probleme: eine Kino-Schließung, Vorwürfe gegen den früheren Berlinale-Chef Alfred Bauer und das Corona-Virus.

Sich abstimmen und Unterstützung holen

Es sei wirklich ein sehr hartes Jahr gewesen, sagt die oberste Berlinale-Organisatorin: "Ich habe schon gedacht, das sind die sieben Plagen oder 20 Plagen oder wie viele es noch gibt." Wichtig sei, dass man sich intern im Leitungskreis abstimme, sich dann aber auch Unterstützung hole. "Ob das jetzt die Gesundheitsfragen waren, wo wir zum Beispiel mit dem Robert-Koch-Institut und mit dem Bundesgesundheitsministerium, mit der Senatsverwaltung für Gesundheit hier in Berlin in Kontakt waren und sind - oder das Thema mit Alfred Bauer, wo unsere Leitung dann sehr, sehr schnell reagiert hat", zählt sie auf.

Trotzdem läuft die Berlinale ruhig und routiniert. Größere, spürbare Pannen gab es bislang nicht. Und damit das so ist, müssen alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den gleichen Informationsstand haben. Das ist die wohl schwierigste Aufgabe. Saal-Manager, Besucherbetreuer, Assistentinnen, Pressemitarbeiter, Ticketverkäuferinnen - sie alle müssen das Richtige zur richtigen Zeit wissen. Dazu wurde eine spezielle Form des Briefings erarbeitet - per Newsletter, Intranet und einem eigens entwickleten Einarbeitungssystem.

"Alle Kollegen, die zwischen September und Dezember zu uns kommen, durchlaufen in den Abteilungen einen Onboarding-Prozess", erklärt Boros. Die Abteilungsleiter und die sogenannten Abteilungsbotschafter seien so geschult, dass sie wissen, was wichtig ist, wenn neue Kollegen anfangen oder alte Kollegen wiederkommen.

Am ersten Wochenende war die Verwaltungsdirektorin nochmal selbst im Kino; ab und zu ist sie auf Empfängen, ansonsten muss sie sortiert und ruhig den Überblick behalten. Und nach der Berlinale? Das sei fast noch mehr Arbeit als während des Festivals, sagt Boros.

Das dicke Ende kommt noch

"Im März werden wir die gesamten Abrechnungen machen. Das läuft über meine Abteilung, da ist Urlaubssperre, und wir sammeln die Berichte von den Sektions- und Abteilungsleitern - und gießen das in einen internen Bericht", erläutert die Verwaltungsexpertin. Dieser Bericht werde dann auch Grundlage für die Berlinale-Strategietagung im Mai sein, so dass dann das nächste Festival geplant und vorbereitet werden könne.

Außerhalb der beiden Festivalwochen arbeitet wieder der feste Stamm von 60 Menschen für die Berlinale - bevor es im September dann richtig losgeht mit der 71. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele. Die sollen am 9. Februar 2021 eröffnet werden.

Beitrag von Anke Burmeister

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