Mariette Rissenbeek, Geschäftsführerin der Berlinale-Leitung, und Carlo Chatrian, künstlerischer Direktor der Berlinale, bei der feierlichen Eröffnung der Internationalen Filmfestspiele. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
Video: rbb|24 | 20.02.2020 | Material: ARD aktuell, Abendschau | Bild: ZB

Internationale Filmfestspiele Berlin - 70. Berlinale eröffnet mit einer Schweigeminute

Rund 340 Filme werden während der 70. Berlinale gezeigt, 18 davon konkurrieren im Wettbewerb. Überschattet wird das diesjährige Festival von dem Anschlag in Hanau. Bei der glanzvollen Eröffnungsgala am Donnerstagabend wurde auch der Opfer gedacht.

Am Potsdamer Platz in Berlin sind am Abend die 70. Internationalen Filmfestspiele eröffnet worden. Durch die glanzvolle Gala führt in diesem Jahr erstmals der Schauspieler Samuel Finzi. In der Kosslick-Ära hatte Anke Engelke traditionell die Eröffnungsveranstaltung moderiert.

Überschattet wurde die Gala von dem Anschlag in Hanau. Die neuen Festival-Chefs Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek erinnerten mit einer Schweigeminute an die Opfer des mutmaßlich des mutmaßlich rechtsextremen Mordanschlags mit insgesamt elf Toten.

"Die Berlinale wendet sich wirklich gegen Gewalt, gegen Rassismus", erklärte die Geschäftführerin des Festivals. Sie stehe für Freiheit, Toleranz, Respekt, Offenheit und Gastfreundschaft.

Der künstlerische Leiter Carlo Chatrian sagte, im Kino komme ein Publikum "ohne Unterschiede zwischen Klasse, Sprache und Religion zusammen". Eine Gemeinschaft zu sein, sei das, was das Kino auszeichne. Es bringe zusammen und erlaube zu träumen.

"Nie wieder sollten Menschen wegen ihrer Religion, Überzeugung oder Hautfarbe, um ihr Leben fürchten müssen. Die Wirklichkeit sieht anders aus", betonte auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters in ihrer Rede. Niemals dürfe es eine Zusammenarbeit mit solchen rassistischen Kräften geben.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller verwies auf das multikulturelle, tolerante und weltoffende Berlin, das zu schützen sei. Teil dieses Prozesses sei auch die kritische Aufarbeitung der Geschichte des ehemaligen Berlinale Direktors Alfred Bauer.

Premiere für Chatrian und Rissenbeek

Erstmals werden die Filmfestspiele von einer Doppelspitze geleitet. Im vergangenen Jahr haben der Italiener Carlo Chatrian und die Niederländerin Mariette Rissenbeek den langjährigen Berlinale-Direktor Dieter Kosslick abgelöst. Im Interview mit dem rbb beschrieben die neuen Berlinale-Chefs das Festival als "ein großes Gemälde mit unterschiedlichen Farben". 

Bis zum 1. März werden auf der 70. Berlinale rund 340 Filme gezeigt. Der Goldene und die Silbernen Bären werden am 29. Februar verliehen. Den Vorsitz der Internationalen Jury hat in diesem Jahr der britische Schauspieler Jeremy Irons. Weitere Jury-Mitglieder sind unter anderen die französisch-argentinische Schauspielerin Bérénice Bejo ("The Artist", 2011) der US-Regisseur und Drehbuchautor Kenneth Lonergan ("Manchester by the Sea", 2016) und die deutsche Filmproduzentin Bettina Brokemper ("Nymphomanic", 2013).

Jury-Präsident Irons gibt persönliche Erklärung ab

Dieser nutzte am Vormittag die offizielle Vorstellung der Jury, um eine persönliche Erklärung abzugeben. Damit sprach sich der britische Schauspieler gegen die Unterdrückung von Frauen und für sexuelle Selbstbestimmung aus. Damit wolle er frühere Äußerungen klarstellen, betonte der 71-Jährige. Er hoffe, dass diese nicht vom weiteren Festivalgeschehen ablenkten. Zuletzt hatte es Kritik an Aussagen gegeben, die Irons über den Umgang mit Frauen gemacht hatte.

Der rote Berlinale-Teppich, der die ganze Welt bedeutet ...

Zahlreiche Stars am roten Teppich erwartet

Eröffnet wird die Berlinale durch die Buchverfilmung "My Salinger Year". Regisseur Philippe Falardeau erzählt darin vom Literaturbetrieb im New York der 1990er Jahre rund um den Autor J. D. Salinger ("Der Fänger im Roggen"). Eine der tragenden Rollen spielt die US-Amerikanerin Sigourney Weaver.

Wie immer ist die Berlinale Treffpunkt der internationalen Kino-Prominenz. Neben Weaver werden in den kommenden zehn Tagen auch Cate Blanchett, Javier Bardem, Johnny Depp und Willem Dafoe erwartet. Oscar-Preisträgerin Helen Mirren wird einen Ehrenbären für ihr Lebenswerk erhalten.

18 Filme im Wettbewerb, auch zwei deutsche

Die große Bärenjagd startet am Freitag. Im Berlinale-Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren in diesem Jahr 18 Filme, darunter auch zwei deutsche Produktionen: Die Adaption des Alfred-Döblin-Romans "Berlin Alexanderplatz" in der Regie des deutsch-afghanischen Regisseurs Burhan Qurbani (mit Jella Haase und Albrecht Schuch) und "Undine", der aktuelle Film von Berlinale-Dauergast Christian Petzold (mit Paula Beer).

Grütters lobt Berlinale als "Publikumsfestival"

Bereits im Vorfeld der Filmfestspiele hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Berlinale als herausragendes Filmfestival gewürdigt. Es gebe weltweit 15 "A-Festivals", die Berlinale aber rage heraus, weil sie ein Publikumsfestival sei, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Auch in diesem Jahr würden voraussichtlich etwa 330.000 Karten verkauft, insgesamt schauten sich fast eine halbe Million Menschen die Filme an. "Ich bin stolz darauf, dass die Berlinale unter den großen Festivals der Welt das politischste ist", sagte sie. "Die Künstler halten die Demokratie lebendig, indem sie Stellung beziehen."

Allerdings übte Grütters auch Kritik am deutschen Film. Es sei noch nie so viel Geld für den Film ausgegeben worden wie heute. So werde der Bund die Filmförderung in diesem Jahr auf rund 210 Millionen Euro erhöhen. Dennoch gebe es zu wenige erfolgreiche deutsche Filme, sagte die CDU-Politikerin wenige Stunden vor der Berlinale-Eröffnung.

Ihr Weg zu Berlinale-Tickets

Berlinale-Tickets gibt es auch in diesem Jahr an mehreren Vorverkaufsstellen, als Restkarten an der Abendkasse, Online und am Ticket-Abholcounter. Eine Ticket-App gibt es in diesem Jahr dagegen nicht, dafür ist die Berlinale-Webseite für mobile Endgeräte optimiert worden. Der Vorverkauf beginnt - bis auf wenige Ausnahmen - jeweils drei Tage vor der jeweiligen Vorstellung. Alle Infos zum Ticketverkauf bei der 70. Berlinale finden Sie hier.

Sendung: Abendschau, 20.02.2020, 19.30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Da haben Sie wohl Recht. Ich erinnere mich noch daran, wie die Stones mal hier zur Berlinale waren......da war was los.

  2. 1.

    Da war auch schon mal mehr Lametta.

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