Video: Abendschau | 25.02.2020 | Marcel Trocoli Castro

Berlinale | Dokumentarfilmpreis - Berlinerin Lin Sternal gehört mit "Perro" zum Favoritenkreis

Insgesamt 21 Filme sind für den diesjährigen Dokumentarfilmpreis der Berlinale nominiert - aus ganz unterschiedlichen Sektionen des Festivals. Mit "Perro" darf sich auch die 32-jährige Berlinerin Lin Sternal Hoffnungen auf 40.000 Euro Preisgeld machen, gefördert vom rbb.

Im Dorf nennen sie Joshua einfach nur "Perro" - zu Deutsch Hund. Weil er als Kleinkind gerne mal zugebissen hat. Aus dem Radio erfährt der 10-Jährige, dass sein Dorf einem gigantischen Bauprojekt weichen soll. Die Regierung von Nicaragua plant einen Kanal, der den Atlantik mit dem Pazifik verbinden soll. Bis heute ist zwar nichts davon realisiert worden, doch das Leben der Menschen, die hier im Einklang mit der Natur leben, verändert sich trotzdem. Der Dokumentarfilm "Perro" erzählt das aus der Sicht des Kindes.

Vom Tresen auf den roten Teppich

Regisseurin des Films ist die Berlinerin Lin Sternal. Gerade feierte ihr Film Premiere auf der Berlinale. Sie jobbt in einem Café in Berlin-Mitte als Kellnerin. Vom Filmemachen allein kann sie nicht leben. Daher erlebt sie ihre Situation jetzt im Rahmen der Berlinale als geradezu absurd: "Gerade auch gestern, als wir die Premiere hatten, was total schön war. Da sind wir mit einer Limousine abgeholt worden und sind dann über den roten Teppich gelaufen." Es sei schön, das einmal zu erleben - "aber danach fällt der Vorhang und es kommt der bittere Alltag", sagt die 32-Jährige, nimmt es aber mit Humor.

Ein Film der leisen Töne

Bitter sind auch die Veränderungen, die ihr Protagonist Perro erfahren muss. Die Baupläne für den Kanal haben die Schließung seiner Dorfschule zur Folge. Um weiter unterrichtet zu werden, muss er seine Heimat im Dschungel verlassen und in die große Stadt ziehen.

Lin Sternal und ihr Kamera-Team begleiten den Jungen dabei, der nur wenig Worte verliert. Perro ist ein schüchterner Protagonist. Und Lins Doku ein leiser Film. "Er ist mir sofort aufgefallen, weil er sehr feinfühlig ist, sehr sensibel, sehr introvertiert", sagt die Dokumentarfilmerin. Der Junge trage Vieles in sich, was nicht immer alles nach außen komme: "Da war so eine Spannung, so eine Energie zu spüren."

Heikle Zeiten in Nicaragua

"Perro" ist Sternals erster Film in Spielfilmlänge. Er entstand innerhalb von fünf Jahren. Immer wieder ist sie dazu mit ihrem Team nach Nicaragua gereist und hat monateweise gedreht. Fördergelder für die Dreharbeiten zu beantragen und die Reisen zu finanzieren war für die junge Filmemacherin eine große Herausforderung. "Das haben wir gerade so geschafft am Ende, aber es war zwischendurch immer heikel auf jeden Fall." Auch habe es Kollegen aus der Branche gegeben, die ihr von dem Projekt abgeraten hätten.

Doch Sternal bleibt standhaft - ein Durchhaltevermögen, das sich heute auszahlt. Auf der diesjährigen Berlinale ist ihr Film für den Dokumentarfilmpreis nominiert. Gerade weil sie sich nicht sicher gewesen sei, dass die Doku überhaupt fertig wird, dass den Film überhaupt jemand sieht, sei die Ehrung durch die Nominierung "sehr, sehr schön".

Der Preis ist mit 40.000 Euro dotiert. Sollte sie gewinnen, will die Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg erst mal ihre Bafög-Schulden begleichen. Ansonsten hofft sie, dass die Nominierung ein Türöffner sein wird, um ihren Film später auch an einen TV-Sender verkaufen zu können.

Sendung: Abendschau, 25.02.2020, 19.30 Uhr

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