Hillary Clinton besucht am 25.02.2020 zur Präsentation der Dokumentation "Hillary" die Berlinale. (Quelle: rbb|24/Marcus Heep)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.02.2020 | Anderea Handels | Bild: rbb|24/Marcus Heep

Berlinale | Hillary Clinton zu Gast - "Ich hatte Höhen und Tiefen - wie jeder von uns"

Sie ist gewiss kein Filmstar, aber ihr Leben bietet genug Stoff für die große Leinwand. Am Montag präsentierte Hillary Clinton auf der Berlinale die vierteilige Doku "Hillary". Neben viel Applaus gab es dabei auch kritische Zwischentöne.

Die frühere US-amerikanische Außenministerin Hillary Clinton ist am Montag auf der Berlinale mit Ovationen und lang anhaltendem Applaus gefeiert worden. Clinton (72), die zur Vorstellung der vierteiligen Dokuserie "Hillary" über ihr Leben nach Berlin gekommen war, sagte vor dem Premierenpublikum, sie habe damit einen vollständigen Blick auf ihre Person geben wollen.

"Ich konnte schlecht nur über die positiven Seiten sprechen", sagte Clinton über ihre Gespräche mit der Filmemacherin Nanette Burstein. "Das wäre lächerlich gewesen." Sie habe eben ein Leben voller Höhen und Tiefen, Erfolgen und Enttäuschungen gelebt. "Wie jeder von uns."

Clinton sagt Vorurteilen den Kampf an

"Hillary" verbindet Aufnahmen hinter den Kulissen während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 mit Interviews von Freunden und politischen Weggefährten Clintons. Zu Wort kommt auch ihr Ehemann, Ex-US-Präsident Bill Clinton, der unter anderem über die Affäre mit der Praktikantin Monika Lewinsky spricht.

Sie sei sich immer bewusst gewesen, dass sie polarisiere, sagte Hillary Clinton. "Akzeptiert wurde ich vor allem, wenn ich für andere im Dienst war", etwa als First Lady oder Außenministerin. Als sie aber selbstständig politisch aktiv geworden sei, etwa als Senatorin oder Präsidentschaftskandidatin, sei sie immer wieder mit Stereotypen angefeindet worden. Es sei höchste Zeit, solche - vor allem gegen Frauen gerichteten - Vorurteile anzugehen.

In ihren politischen Absichten habe sie sich allerdings nie missverstanden gefühlt. "Ich glaube nicht, dass mich Wladimir Putin missverstanden hat. Er wusste, dass ich meine Stimme für mein Land, den Westen, für Demokratie und Freiheit erheben würde", sagte Clinton.

Demo gegen Hillary Clinton in Berlin (Quelle: Marcus Heep/rbb)
Protest gegen Hillary Clinton am Haus der Berliner Festspiele | Bild: Marcus Heep/rbb

Protest linker Aktivistinnen

Hillary Clinton war am Nachmittag vor Beginn der vierstündigen Serie auf dem roten Berlinale-Teppich empfangen worden. "Ich liebe Berlin, ich liebe Filme. Was könnte besser sein, als beides hier zusammen zu haben?", sagte die ehemalige First Lady beim Empfang im Haus der Festspiele in der Schaperstraße in Berlin-Charlottenburg. Begrüßt wurde sie von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und den Berlinale-Chefs Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian. Beim Empfang gab es Buhrufe linker Aktivistinnen, die die frühere US-Außenministerin als "Mörderin" bezeichneten. Auch einige Unterstützer waren gekommen.

252 Minuten über "Hillary"

Die Endfassung der Serie "Hillary", deren TV-Rechte der Abo-Sender Sky besitzt, dauert 252 Minuten. Clinton ist Gattin des früheren US-Präsidenten Bill Clinton (1993 bis 2001), unter Barack Obama war sie Außenministerin (2009 bis 2013), 2016 unterlag sie Donald Trump im Rennen um die US-Präsidentschaft - als erste Frau, die überhaupt jemals für eine US-Präsidentschaft kandidiert hat.

Nach der Wahlniederlage zieht sich die heute 72-Jährige ins Privatleben zurück, mischt sich aber weiter ins politische Geschehen ein. Daneben ist sie für die Clinton Foundation aktiv, die sich der Bekämpfung von Aids verschrieben hat, aber auch andere Projekte fördert, zum Beispiel im Bereich Klimaschutz, Entwicklungshilfe, Frauenrechte und medizinische Versorgung.

Nanette Burstein - Expertin für biografische Dokus

Nanette Burstein, Regisseurin und Produzentin von "Hillary", besuchte die "Tisch School of the Arts" in New York und hat sich auf biografische Dokumentationen spezialisiert. Noch während ihres Studiums realisierte sie "On the Ropes" - eine Doku über drei junge Boxer und ihren Coach, die 1999 eine Oscar-Nominierung für den besten Dokumentarfilm sowie den "Special Jury Prize" beim Sundance-Filmfestival erhielt.

Für "American Teen" (2008) wurde Burstein beim Sundance-Festival mit dem Preis für die beste Dokumentarfilm-Regie ausgezeichnet. Es folgten Filme über die Eiskunstläuferin Tonya Harding (2014) und den Unternehmer John McAfee (2016).

Sendung: Berlinale Studio, 24.02.2020, 22.00 Uhr

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