Lars Eidinger und Nina Hoss. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 24.02.2020 | Alexander Soyez | Bild: dpa/Christoph Soeder

Berlinale | "Schwesterlein" im Wettbewerb - Nina Hoss zwischen Fiktion und Realität

Seit Jahren sind Nina Hoss und Lars Eidinger Dauergäste der Berlinale, diesmal treten beide im Rennen um den Goldenen Bären mit dem schweizerischen Film "Schwesterlein" an. Im rbb-Interview erzählt Hoss, warum sie dieser Film besonders berührt.

Ihr erster Berlinale-Besuch ist schon Jahrzehnte her: "1996 oder 1997 muss das gewesen sein", erinnert sich Nina Hoss im Gespräch mit rbb-Filmexperte Alexander Soyez. "Wir waren damals Schauspielschülerinnen und haben uns frühmorgens für Karten angestellt, um dann von einem Kino ins nächste zu rennen", erzählt die 44-jährige gebürtige Stuttgarterin, die 1995 ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin aufnahm – übrigens im gleichen Jahrgang wie Lars Eidinger.

"Ich fühle mich nicht fremd"

2011 war Hoss Teil der Berlinale-Jury, und bereits im Jahr 2007 gewann sie für ihre Hauptrolle in Christian Petzolds "Yella" den Silbernen Bären, damals zu ihrer großen Überraschung. Seitdem ist Nina Hoss Dauergast auf der Berlinale, und auch unter der neuen Festival-Leitung fühlt sie sich wohl. "Natürlich war das in zehn Jahren mit Dieter Kosslick schon so, man kennt sich, man kennt die Leute hinter den Kulissen. Aber jetzt fühlt sich das auch so an, ich fühle mich nicht fremd, sondern freue mich sehr auf diese Berlinale."

Der Wettbewerbsfilm "Schwesterlein" der beiden Schweizerinnen Véronique Reymond und Stéphanie Chuat bringt Hoss auf eine emotionale Reise in eine ihr sehr bekannte eigene Welt.

Eidinger spielt todkranken Schaubühnen-Star

Lars Eidinger spielt den tödlich erkrankten Schaubühnen-Star Sven, Nina Hoss, die selbst auch schon an der Berliner Schaubühne spielte, schlüpft in die Rolle seiner Zwillingsschwester, einer Dramaturgin, die nach der Krebserkrankung des Bruders mit dem Schreiben aufgehört hat.

Der Künstlerische Leiter und Regisseur an der Schaubühne Berlin, Thomas Ostermeier, spielt in "Schwesterlein" sich selbst. Vertraute stoßen also aufeinander, wenngleich Hoss und Eidinger noch nie gemeinsam auf der Theaterbühne standen.

"Schauspielerei ist alles in einem"

"Es ist merkwürdig, dass sich in diesem Film Fiktion und Realität so verschränken. Wenn ich ihn sehe, habe ich überhaupt nicht das Gefühl, das ist Lars, weil wir in anderen Zusammenhängen sind, das ist für uns Fiktion", beschreibt Hoss ihre Gefühle während der Dreharbeiten. Das gilt selbst dann, wenn Eidinger als Sven seine Paraderolle, den Hamlet, spielt: "Wenn Lars als Sven den Hamlet spielt und todkrank ist, dann verstehe ich so viel über Schauspiel. Sven entwickelt für sich eine Traumwelt und verliert sich darin, das machte für mich absolut Sinn, dass man auch weiß, er spielt ihn tatsächlich", so Hoss.

"Schwesterlein" zeigt also auch, wie sehr die Schauspielerei ein Lebensinhalt sei, meint Hoss: "Man kann das gar nicht trennen, das ist unser Leben. Früher wurde ich oft nach meinen Hobbys gefragt - Schauspielerei ist alles in einem! Diese Ausdrucksmöglichkeit, wenn ich die nicht hätte, würde ich wahnsinnig werden."

Sendung: Inforadio, 24.02.2020, 08:30 Uhr

 

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