Silberne Berlinale-Bären stehen beim Radioeins Berlinale-Nighttalk auf einem Tisch. (Quelle: imago-images/Seeliger)
Audio: Inforadio | 30.01.2020 | Wolf Siebert | Bild: imago-images/Seeliger

Rolle in der NS-Zeit - Berlinale ersetzt Alfred-Bauer-Preis mit Sonderpreis

Die Rolle des ersten Berlinale-Leiters in der NS-Zeit wird jetzt von Historikern untersucht. Den Alfred-Bauer-Preis hatte das Festival in diesem Jahr zunächst einmal gestrichen – aber nicht ersatzlos, wie die Berlinale jetzt mitteilte.

Die Berlinale wird in diesem Jahr einen Sonderpreis vergeben.  Der Preis "Silberner Bär – 70. Berlinale" werde von der internationalen Jury vergeben, wie die Berliner Filmfestspiele am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte das Festival angekündigt, in Reaktion auf NS-Vorwürfe gegen den ersten Berlinale-Leiter Alfred Bauer den nach ihm benannten Preis auszusetzen.

Institut für Zeitgeschichte untersucht Bauers Vergangenheit

Kurz vor Beginn der Berliner Filmfestspiele waren Vorwürfe laut geworden, Alfred Bauer sei während des Nationalsozialismus ein hochrangiger Funktionär in der Filmbürokratie gewesen. Laut der Wochenzeitung "Die Zeit" war Bauer von 1942 bis Kriegsende Referent der Reichsfilmintendanz.

Die Berlinale-Leitung hat nun das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) beauftragt, Alfred Bauers Funktion in der NS-Zeit zu untersuchen. "Wir sind überzeugt, dass zur Erforschung von Alfred Bauers Position im NS-Machtapparat eine externe und unabhängige Historiker*innengruppe herangezogen werden sollte", sagte Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek laut einer Mitteilung vom Dienstag. Die Ergebnisse des IfZ-Gutachtens würden im Sommer erwartet.

Alfred-Bauer-Preis wurde seit 1987 verliehen

"Die Zeit" hatte berichtet, dass Bauer in seinem Entnazifizierungsverfahren nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich verschleiert und gelogen habe - sowohl was seine Zugehörigkeit zum Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund betrifft, als auch über seine Mitgliedschaften bei SA und NSDAP.

Alfred Bauer hatte die Filmfestspiele in Berlin von 1951 bis 1976 geleitet. Der nach ihm benannte Preis wurde seit 1987 verliehen, zuletzt als einer von sieben Silbernen Bären im Wettbewerb. Im vergangenen Jahr ging der Bär an den deutschen Wettbewerbsbeitrag "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt.

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