Berlinale - Dokumentarfilmpreis geht an Regisseurin Alice Diop

Der Dokumentarfilmpreis der Berlinale geht in diesem Jahr nach Frankreich. "Nous" von Alice Diop nimmt die Zuschauer auf einen Trip in die Pariser Vorstädte mit.

Der Dokumentarfilmpreis der diesjährigen Berlinale geht an "Nous" von Alice Diop. Das teilten die Filmfestspiele am Dienstag mit.

Der Film nimmt einen laut Beschreibung mit auf eine Reise in die Pariser Vorstädte, zu den Geschichten und Menschen dort. Aufgrund von Diops Neugier auf die "conditio humana" und ihrer durchdachten Sprache habe die Jury einstimmig beschlossen, ihr den Preis zu verleihen, teilte die Berlinale weiter mit.

Der Berlinale-Dokumentarfilmpreis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro dotiert, das vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) gestiftet wird.

Durchdachtheit in der Sprache überzeugte Jury

"Das feministische Prinzip, autobiografisch zu schreiben, auch wenn es schmerzhaft ist, hat in diesem Film seinen Einsatz verdoppelt. Aus dem 'Ich' wird ein 'Wir' und das 'Wir' wird zu einem gedämpften Ich, das mit der Kadenz der Ungewissheit das gesamte Gebiet erkundet", bergündete die Jury ihre Wahl. er Film hatte zuvor auch in der Reihe Encounters, die besonders wagemutige Arbeiten auszeichnen will, den Preis als bester Film gewonnen.

Preis mit 40.000 Euro dotiert

Nach einem digitalen Format im März eröffnet die Berlinale an diesem Mittwoch ihr Sommerfestival fürs Publikum. Der mit 40.000 Euro dotierte Dokumentarfilmpreis soll dann gemeinsam mit anderen Preisen am Sonntag verliehen werden.

Seit Langem engagieren sich die Internationalen Filmfestspiele Berlin für die Vielfalt der dokumentarischen Formen. Eine spezielle Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm wurde 2017 ins Leben gerufen.

Schlesinger: "Klug, bilderstark, emotional"

Diops Film "Nous" sei "ein besonderes Werk, das vor dem Hintergrund der Schnellbahnstrecke RER B ein ebenso ungeschöntes wie poetisches Bild von Paris und seinen Außenbezirken einfängt", sagte rbb-Intendantin Patricia Schlesinger. Die Kleinteiligkeit seiner Geschichten und Impressionen spiegele eindrücklich eine zersplitterte Gesellschaft. "Klug, bilderstark, emotional - ein filmisch überzeugender Kommentar auf die Gegenwart und ein unbedingt sehenswerter Film", lobte Schlesinger. Filme wie 'Nous' seinen eine "vitale Bestätigung" für unser Engagement für den Dokumentarfilmpreis. Es freue Schlesinger besonders, dass der rbb als Preisstifter des Dokumentarfilmpreises diese wichtige Filmform aktiv fördere.

Die Jury des Berlinale Dokumentarfilmpreises sprach zudem eine "Lobende Erwähnung" für "The first 54 Years - An Abbreviated Manual for Military Occupation" von Avi Mograbi (Frankreich, Finnland, Israel, Deutschland) aus.

Insgesamt waren 16 aktuelle Dokumentarbeiträge aus den Sektionen Wettbewerb, Berlinale Special, Encounters, Panorama, Forum, Generation und Perspektive Deutsches Kino für den Berlinale Dokumentarfilmpreis nominiert.

Sendung: Inforadio, 08.06.2021, 15:00 Uhr

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