Open-Air-Kino auf der Museumsinsel - Filmkunst trifft Weltkulturerbe - So war die Berlinale-Eröffnung

Do 10.06.21 | 11:07 Uhr | Von Nadine Kreuzahler
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Gäste verfolgen die Eröffnung des Filmfestivals Berlinale am 09.06.2021 (Bild: dpa/Stefanie Loos)
Audio: Inforadio | 10.06.2021 | Nadine Kreuzahler | Bild: dpa/Stefanie Loos

Die Sommerausgabe der Berlinale ist am Mittwochabend im Open-Air-Kino auf der Museumsinsel eröffnet worden. Kino auf der Leinwand, Publikum, bei T-Shirt-Wetter - das alles vermittelt Hoffnung, meint Nadine Kreuzahler.

"Wir alle feiern zusammen hier heute "The Return of Cinema!" ruft Moderatorin Hadnet Tesfai dem Gala-Publikum im Open-Air-Kino auf der Museumsinsel zu. Sie erntet dafür viel Applaus. Endlich wieder Kino! Auf diese Formel lässt sich der Eröffnungsabend des Berlinale Summer-Special bringen.

Kurz darauf bescheinigt Kulturstaatsministerin Monika Grütters dem Kino ein fulminantes Comeback: "Filmkunst trifft Weltkulturerbe". Im Februar 2020 sei die 70. Ausgabe der Berlinale das letzte kulturelle Großereignis für lange Zeit gewesen. "Jetzt ist die 71. Berlinale wieder das erste kulturelle Großereignis seit der Pandemie." Grütters ist sich sicher, dass das Open-Air-Kino der diesjährigen Berlinale das "Feuerwerk der Filmleidenschaft" beim Publikum neu entfachen und so auch anderen Branchen Mut machen könne.

Die Berlinale als Signal – für Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek strahlt es in mehrere Richtungen: "Kino ist wichtig, Kino auf der Leinwand ist wichtig, Kino als Gemeinschaftserlebnis ist wichtig, und Kultur ist für unser aller Leben wichtig und für die Gesellschaft. Und wir sollten alles daran setzen, sie auch weiterhin stattfinden zu lassen. Ich freue mich sehr, dass hier ein bisschen ein Neustart von Kultur möglich ist."

Das Prinzip Hoffnung

Ein Neustart als Pilotprojekt mit Testpflicht. Statt mehr als 300.000 Tickets dürfen nur 60.000 Tickets verkauft werden. Die Gala-Gäste sitzen mit viel Abstand zueinander im Freiluftkino - unter ihnen viel deutsche Schauspiel- und Regieprominenz wie Iris Berben, Volker Schlöndorff, Albrecht Schuch und Hanno Koffler. Letzterer spielt im Film "Die Saat" mit, der die Sektion "Perspektive Deutsches Kino" eröffnet und bester Laune ist. Das schöne Wetter, die Lockerungen, "es ist so flirrig und quirlig", sagt er, "wie eine Blume, die sich langsam öffnet". Alles sei "noch ganz schüchtern, ein bisschen fragil, die Leute umarmen sich noch nicht, alle ein bisschen sozialphob, aber es macht Hoffnung, dass wir uns schon bald wieder alle näher kommen können. Das wäre toll."

Saskia Rosendahl, die im Wettbewerbsfilm "Fabian" mitspielt, einer Erich-Kästner-Verfilmung von Dominik Graf, freut sich auf die Premiere am 10. Juni auf der großen Leinwand: "Das fühlt sich unwirklich an, ich glaube es fast erst, wenn ich dastehe. Aber: Dafür macht man das alles." Der Film beleuchte gut die 1930er Jahre. "Aber vor allem ist es eine Geschichte über das Leben, das Beobachten, über Liebe, Zweifel, Ängste, das Wiederaufstehen und mit der Zeit zu fallen und zu stehen und zu hoffen. Es ist einfach ein dreistündiger sehr lebendiger überhaupt nicht langer Kinofilm. Wirklich, es ist einfach Kino."

Sommerlich ungezwungen statt glamourös

Die Stimmung ist gelöst am Eröffnungsabend des Berlinale Summer-Special im eigens für das Festival aufgebauten Open-Air-Kino mitten im historischen Zentrum Berlins auf der Museumsinsel. Im Hintergrund quietscht die S-Bahn, Feuerwehrsirenen mischen sich von außen in den Gala-Sound. Es fühlt sich sommerlich und ungezwungen an, und so sind auch die Outfits der meisten Gäste. Sie fühle sich ein wenig overdressed, lacht Maria Schrader. In ihrem raffinierten, weißen Designerkleid versprüht die Regisseurin ein bisschen Glamour. Passenderweise geht sie bald nach Hollywood. Schon nächste Woche wird sie in die USA abreisen, um die Enthüllungsgeschichte des #metoo-Skandals um Harvey Weinstein zu verfilmen.

Sei sie eingeladen worden, bei einem Projekt die Regie zu übernehmen. "Das heißt 'She Said' und das ist die Geschichte der beiden Journalistinnen, die für die "New York Times" die Investigation verfolgt haben. Das war für mich eine große Überraschung." Auf der Berlinale läuft im Wettbewerb Schraders Film "Ich bin dein Mensch" - Maren Eggert nimmt am Sonntag dafür den Silbernen Bären für das Beste Schaupiel entgegen.

Jodie Foster schickt eine Botschaft

Als Eröffnungsfilm läuft das Justiz-Drama "The Mauritanian" über einen zu Unrecht in Guantanamo eingesperrten Terrorverdächtigen, gedreht nach einer wahren Geschichte, mit Jodie Foster in der Hauptrolle. Lange hatte sich die Berlinale darum bemüht, den Hollywood-Star zur Gala nach Berlin zu holen. Am Ende hat es nicht geklappt. Stattdessen schickte Foster ein Grußwort: "Ich wünschte, ich könnte in Berlin sein - einem meiner Lieblingsplätze auf der Welt, nichts würde mich glücklicher machen. Aber dies sind verrückte Zeiten." Ihr Film, auf den sie sehr stolz sei, handle von Hoffnung - und sie hoffe, dass alle diese Botschaft mitnehmen am Ende des Abends.

Hoffnung - das macht die Berlinale-Eröffnung: auf einen Neustart des Kinos und der Kultur. Mit ihrem Publikums-Summer-Special nach dem rein virtuellen Branchenformat im März kehrt die 71. Berlinale auch zu ihren Ursprüngen zurück. Bis 1978 fand sie immer im Sommer statt.

Ein Modell für die Zukunft wird das aber wohl eher nicht werden. Wegen der Konkurrenz großer Festivals im Sommer wie Cannes und Venedig wurde sie einst in den Winter verlegt. Aber ein bisschen mehr Berlinale Open-Air-Spezial - darüber denkt Festival-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek nach. "Vielleicht können wir was daraus machen, aber was genau kann ich noch nicht genau einschätzen."

Sendung: Inforadio, 10.06.2021, 8.55 Uhr

Beitrag von Nadine Kreuzahler

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ich kann Ihren Unmut durchaus nachvollziehen. Aber von eine Elitenveranstaltung kann keineswegs hier die Rede sein. Ich kenne echte Cineasten deren Geldbeutel nicht gerade übermäßig voll ist und für die einmal im Jahr ein wunderbares Ereignis nebst Schauspieler*innen, Regisseur*innen zur Verfügung steht. Zudem finde ich, sollte diese wichtige Veranstaltung um diese Jahreszeit fortgesetzt werden. Draußen und drinnen. Je nachdem. Der Februar ist bekanntlich einfach zu kalt.

  2. 1.

    Ich hock mich doch nicht mit Maske in einen Kinofilm. Absurde Vorstellung. Ich werde kein reguläres Kino mehr besuchen, bis die Einschränkungen komplett aufgehoben werden. Das schließt diese von öffentlichen Fördergelder gefütterte Elitenveranstaltung mit ein.
    Ich bin durchgeimpft und gerne bereit alle Angebote so zu nutzen wie sie früher angeboten wurden. Eingeschränkte Angebote nutze ich nicht bzw. gebe kein Geld dafür aus. Macht mir so keinen Spaß, ganz simpel.

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