Open-Air auf der Museumsinsel - Vorhang auf für großes Kino: Sommer-Berlinale startet mit feierlicher Gala

Fernsehmoderatorin Hadnet Tesfai spricht während der Eröffnung des Filmfestivals Berlinale auf der Bühne. (Quelle:dpa/Loos)
Audio: Inforadio | 10.06.2021 | Silke Mehring | Bild: dpa/Loos

Das Festival-Feeling ist zurückgekehrt: Mit einer feierlichen Gala ist am Mittwochabend die Sommer-Ausgabe der Berlinale im eigens errichteten Open-Air-Kino auf der Museumsinsel eröffnet worden. Es ist das erste große Kulturevent seit Beginn der Pandemie.

Mit dem Summer Special der 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin ist am Mittwochabend das erste große Kulturevent in Deutschland seit Beginn der Pandemie gestartet.

"Wir freuen uns, dass mit dem Berlinale-Summer-Special dem Publikum ein kuratiertes Festival angeboten wird - auch wenn dieses Angebot ein bisschen anders ist, als sonst", sagte Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek bei der Eröffnungsgala im eigens errichteten Open-Air-Kino auf der historischen Museumsinsel. "Das Programm ist divers, anregend und unterhaltend - wie Berlin."

"Wir wollen uns von der Sommerstimmung in Berlin inspirieren lassen", ergänzte Carlo Chatrian. Der künstlerische Direktor des Festivals hatte die Pandemie wohl auch genutzt, um sein Deutsch aufzufrischen.

Zwar sind die ganz großen internationalen Stars in diesem Jahr ausgeblieben. Doch bei der festlichen Zeremonie zeigte sich dennoch viel Prominenz aus Politik und Kultur: Mit dabei waren unter anderem Ramona Pop, Julia Klöckner, Claudia Roth, Feo Aladag, Jonas Dassler, Volker Schlöndorff, Christian Petzold, Jasmila Žbanić, Anne Zohra Berrached und Iris Berben.

"Lang ersehntes kulturelles Wiedererwachen"

Die Sommer-Berlinale stehe, so Kultusstaatsministerin Monika Grütters bei der Gala, für das lang ersehnte kulturelle Wiedererwachen in Berlin und Deutschland in der Corona-Pandemie. "Im Februar 2020 war die 70. Ausgabe der Berlinale das letzte kulturelle Großereignis für lange Zeit. Jetzt ist die 71. Berlinale wieder das erste kulturelle Großereignis seit der Pandemie."

Das Beispiel zeige, dass ein Neustart der Kultur auch unter Pandemiebedingungen möglich sei. Grütters untersützte ausdrücklich die Forderung nach bundesweit einheitlichen und wirtschaftlich rentablen Öffnungsperspektiven für die Kinos. "Gemeinsam haben wir alles dazu getan, dass die Berlinale auch ihrem Ruf als großes Publikumsfestival gerecht werden kann."

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller. sprach von "entbehrungsreichen Monaten für uns alle". "Besonders bitter waren diese Monate für die Kulturschaffenden selbst." Auch deswegen sei es gut, dass Bund und Länder unter anderem mit dem Programm Neustart Kultur Unterstützung leisteten.

Erhebliche Zusatzkosten bei der Berlinale

Die Pandemie-Version der Berlinale wird den Bund rund zehn Millionen Euro zusätzlich kosten. Die genaue Summe lässt sich noch nicht beziffern. Die Festspiele finanzieren sich in der Regel zu einem Drittel vom Bund mit derzeit 10,3 Millionen Euro. Ebenfalls ein Drittel bringt sonst der Ticketverkauf, im vergangenen Jahr waren es etwa 330 000 Eintrittskarten. Die restlichen Einnahmen sichern Sponsoren. Die Berlinale kann 2021 nur rund 60 000 Tickets verkaufen.
Auch beim Sponsoring sind erhebliche Rückgänge einkalkuliert.

Die Veranstaltung ist als Pilotprojekt mit Testpflicht und eigens entwickeltem Hygiene- und Sicherheitskonzept vom Berliner Senat genehmigt worden.

126 Filme in der ganzen Stadt

Im Anschluss an die Eröffnungszeremonie wurde der Berlinale Special Gala-Beitrag "The Mauritanian" von Kevin Macdonald gezeigt. Moderiert wurde die Gala von Hadnet Tesfai. Das sogenannte Berlinale Summer Special ist der zweite Teil des Festivals, nach dem digitalen Branchentreff im März.

Bis zum 20. Juni werden 126 Filme in 16 Open-Air-Kinos in der ganzen Stadt gezeigt. Herz der Festivals ist erstmals nicht der Berlinale-Palast am Potsdamer Platz sondern die Berliner Museumsinsel. Dort ist zwischen Neuem Museum und Alter Nationalgalerie eine insgesamt 96 Quadratmetern große LED-Wand errichtet worden.

Preisverleihungen finden nachträglich statt

Am 13. Juni werden vor Publikum die Silbernen und der Goldene Bär sowie der rbb-Dokumentarfilmpreis verliehen. Die Bären-Gewinner wurden bereits im März beim digitalen Branchentreff gekürt: Der Hauptpreisträger ist "Bad Luck Banging or Loony Porn" des rumänischen Filmemachers Radu Jude. Die Jury des Dokumentarfilmpreises entschied sich für den französischen Film "Nous" von Alice Diop, der bereits als bester Film im Wettbewerb Encounters ausgezeichnet worden war.

Erstmals wird es, in Kooperation mit dem rbb, einen Publikumspreis im Wettbewerb geben. Radioeins und das rbb-Fernsehen verleihen wieder den traditionsreichen Zuschauer-Preis im Panorama. Beide Publikumspreise werden bis zum Schluss ausgezählt und am 20. Juni, dem letzten Berlinale-Sonntag, verkündet.

Sendung: Abendschau, 09.06.2021, 19:30 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Hmmm welche Bedingungen - Mundschutz und Negativer Test ?

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