Sommer-Berlinale auf der Museumsinsel - Highend-Kino mit S-Bahn-Quietschen

Mi 09.06.21 | 08:11 Uhr | Von Frauke Gust
  1
Aufbau des Berlinale-Freilichtkinos auf der Museumsinsel (Quelle: rbb/Gust)
Audio: Inforadio | 08.09.2021 |Frauke Gust | Bild: rbb/Gust

Am Mittwoch startet das Berlinale Summer Special fürs Publikum in insgesamt 16 Freiluftkinos. Hauptspielort, auch für die feierliche Eröffnung, ist ein neues Open-Air-Kino auf der Museumsinsel. Frauke Gust hat sich den Aufbau der LED-Leinwand angeschaut.

Das Geräusch einer vorbei quietschenden S-Bahn wird dieses Mal zu allen Wettbewerbsfilmen gehören. Mitten auf der Museumsinsel, zwischen Alter Nationalgalerie, neue Museum und dem Pergamonmuseum im Rücken entsteht das Open Air Kino für Vorführungen und Gala-Events des Berlinale Summer Special.

Michael Greulich, technischer Leiter, betreut seit Ende Mai die Aufbauarbeiten. Trotz des abgeschotteten Innenhofs, höre man die S-Bahn Hackescher Markt, sagt er – wohl auch in ruhigen Nächten: "Das ist halt der Kompromiss, den man hat, wenn man draußen spielt. Genauso gibt es hier vielleicht auch Leute im Park, die dann mal Musik machen werden. Aber wir haben jetzt fast einen geschlossenen Raum, den wir hier bespielen, da bin ich ganz zuversichtlich."

Eigentlich ein riesiger Fernseher

Herzstück des Kinos ist eine riesige LED-Wand: acht Meter hoch, zwölf Meter breit, insgesamt 96 Quadratmeter groß und 2,3 Tonnen schwer. "Vom Pixel Abstand sind das 4,8 Millimeter. Das ist also nicht der feinste Pitch, den man da bekommen kann. Aber für eine Wand, die draußen steht und dem Wetter ausgesetzt sein kann, ist das der beste Standard, den man bekommen kann", sagt Greulich.

Im Prinzip sei das ein riesiger Fernseher mit High End Kino und nicht wirklich zu vergleichen, erklärt Tammo Buch, zuständiger Techniker. Aber er sei natürlich auch ein "absoluter Kinomann, 110 Prozent". Leinwandqualitäten könne eine LED nicht erreichen – aber man versuche, möglichst nah an das Erlebnis Kino heranzukommen. "Das ist das Ziel dabei. Zusammen hier zu sitzen und Kino zu erleben. Das haben wir alle lange nicht gehabt."

450 Plätze gibt es in diesem wunderschönen Hof. Dafür werden 900 Stühle aufgestellt, um die Abstände zu sichern. Die grünen Rabatten, die beeindruckenden Fassaden der Museumsgebäude, der Eingang unter den Kolonnaden – die Atmosphäre ist wirklich einmalig. Jetzt muss nur das Wetter mitmachen. "Regen ist erst einmal nicht das Problem. Aber Starkregen, Gewitter können vielleicht zu einem Abbruch führen", sagt Michael Groll.

Um die Videowand zu stabilisieren, sind sechs Wassertanks mit 30.000 Litern Wasser in die Unterkonstruktion eingebaut: als Gegengewicht, damit bei Windböen die Wand nicht umkippen kann.

Der rote Teppich fällt dagegen in diesem Jahr etwas schmaler aus. Wo sonst Pulks von schreienden Reportern stehen, dürfen nur drei Fotografen gleichzeitig arbeiten. Zaungäste, die von der Brücke ein bisschen was von den Filmen sehen wollen, wären eigentlich sogar erwünscht gewesen – wenn Corona wirklich schon vorbei wäre, erzählt Michael Greulich. Jetzt hat man die Leinwand bewusst so aufgebaut, dass sie mit der Rückwand zum Eingangsbereich an den Kolonnaden steht. Die Filmfans, die gerade draußen gerade unterwegs sind, freuen sich dennoch auf eine Berlinale als Sommerfest.

Beitrag von Frauke Gust

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    Eine der schönsten Locations Berlin - leider konnte man hier für den heutigen Auftaktfilm keine Berlinale-Karten kaufen. Hier wurden nur "Eingeladene" zugelassen, ein Kauf war nicht möglich. Das sollte im nächsten Jahr wieder abgeschafft werden, Berlin und die Berlinale gehört uns allen, nicht nur wenigen privilegierten in unserer schönen Stadt!

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren