18 Wettbewerbsbeiträge - Andreas Dresen und Nicolette Krebitz konkurrieren um die Berlinale-Bären

Mi 19.01.22 | 13:31 Uhr
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Collage: Nicolette Krebitz; Andreas Dresen bei der Berlinale. (Quelle: dpa/L. Schulze)
Video: Abendschau | 19.01.2022 | Arndt Breitfeld | Bild: dpa/L. Schulze

Mit insgesamt 18 Wettbewerbsfilmen zeigt die diesjährige Berlinale internationales Profil. Zwei deutsche Beiträge sind dabei - von hochkarätigen Filmemachern. Auf der Programmkonferenz verteidigten die Berlinale-Chefs nochmals ihr Präsenzkonzept.

Beim diesjährigen Wettbewerb der Berlinale werden insgesamt 18 Filme aus 17 Produktionsländern um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren, darunter auch zwei deutsche Beiträge.

"Mehr als die Hälfte der ausgewählten Filme spielt in der Gegenwart, doch nur zwei von ihnen zeigen das Leben in der aktuellen pandemischen Lage", sagte der Künstlerische Leiter Carlo Chatrian bei der Online-Programmpräsentation am Mittwoch.

Guantanamo und Liebesgeschichte: Deutsche Filme im Wettbewerb

Insgesamt 17 Filme werden als Weltpremieren gezeigt, darunter die rbb-Koproduktion "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" von Andreas Dresen. In dem Drama kämpft die türkische Hausfrau Rabiye Kurnaz, gespielt von der deutsch-türkischen Komödiantin Meltem Kaptan, um die Freilassung ihres Sohnes Murat (Alexander Scheer) aus dem Gefangenenlager Guantanamo.

Der renommierte deutsche Filmregisseur Andreas Dresen ist ein regelmäßiger Gast auf internationalen Festivals, zuletzt war er 2015 mit dem Wendedrama "Als wir träumten" im Wettbewerb der Berlinale. Insgesamt acht rbb-Koproduktionen sind auf dem diesjährigen Festival zu sehen.

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem Dieb und einer Frau erzählt Nicolette Krebitz in dem zweiten deutschen Beitrag "AEIOU – das schnelle Alphabet der Liebe" mit Sophie Rois und Udo Kier. Die Schauspielerin, Regisseurin und Musikerin Krebitz wurde zuletzt vielfach ausgezeichnet für ihr herausragendes Drama "Wild", in dem sich eine junge Frau sich in einen Wolf verliebt.

Sieben Filme von Regisseurinnen

Immerhin sieben Filme des diesjährigen Wettbewerbs gehen auf das Konto von Regisseurinnen. Neben "AEIOU" ist etwa "Alcarràs" der katalanisch-spanische Regisseurin Carla Simón zu sehen, das franzöische Werk "Avec amour et acharnement" (Both Sides of the Blade) von Claire Denis mit Juliette Binoche sowie "Nana" (Before, Now & Then) von Kamila Andini. Die Indonesierin Andini wurde zuletzt 2018 für ihr Drama "The Seen and the Unseen" mit dem Großen Preis der internationalen Jury in der Berlinale-Sektion Generation Kplus ausgezeichnet.

Zu den 18 Wettbewerbsfilmen zählen auch die französischen Produktionen "Les passagers de la nuit" (The Passengers of the Night) von Mikhael Hers mit Charlotte Gainsbourg sowie der Eröffnungsfilm "Peter von Kant" von Francois Ozon mit Denis Menochet, Isabelle Adjani und Hanna Schygulla.

Ebenfalls dabei ist unter anderen Michael Koch mit seinem Film "Drii Winter" aus der Schweiz. Aus Asien kommen unter anderem der südkoreanische "So-seol-ga-ui Yeong-hwa" (The Novelist's Film) von Hong Sangsoo sowie der chinesische "Yin Ru Chen Yan" (Return to Dust) von Li Ruijun.

"Wir freuen uns, dass wir wieder Künstler im Wettbewerb haben, deren Arbeit wir bereits kennen und schätzen gelernt haben. Ebenso freut es uns, neue Filmemacherinnen im Wettbewerb begrüßen zu können, deren Filme uns begeistert haben", erklärte Chatrian auf der Pressekonferenz. Elf Regisseure hätten ihre Werke schon einmal auf der Berlinale präsentiert, acht von ihnen im Wettbewerb und fünf seien ehemalige Bärenpreisgewinner.

"Menschliche und emotionale Bindungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Filme, wobei die Hälfte der Wettbewerbsbeiträge vor dem Hintergrund einer Familiensituation spielt", sagte Chatrian weiter zum Wettbewerbsprogramm. "Fast allen Filmen gemeinsam ist, dass ihre Schauplätze außerhalb des Stadtzentrums liegen, in der Peripherie oder auf dem Land oder sie folgen den Figuren auf ihren Reisen außerhalb der Städte."

Ein Viertel weniger Filme als 2020

Insgesamt werden von 10. bis 20. Februar 256 Filme aus 69 Ländern zu sehen sein, wie Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian am Mittwoch mitteilten. Dies seien im Vergleich zu 2020, als rund 340 Beiträge gezeigt wurden, fast 25 Prozent weniger Filme.

Die Sektion Encounters umfasst 15 Filme, die allesamt Weltpremieren sind, darunter ein Debütfilm. Viele Filmschaffende hätten hier den Dialog als die geeignetste Form gewählt, um Grenzen, Entfernungen und Einschränkungen zu überwinden, erklärte Chatrian.

Zum Berlinale-Special-Programm gehören ebenfalls 15 Filme. Unter den Beiträgen aus zwölf Ländern sind sechs dokumentarische Formen und neun Spielfilme, darunter zwei Kurzfilme. Gezeigt wird unter anderem die Dokumentation "This Much I Know To Be True" über den Musiker Nick Cave.

"Kultur ist ein wichtiger Anker für die Gesellschaft"

Mariette Rissenbeek machte sich bei der Programmkonferenz noch einmal für die teils umstrittene Entscheidung stark, das Festival trotz steigender Inzidenzen in Päsenz stattfinden zu lassen.

"Kultur ist ein wichtiger Anker für die Gesellschaft, gerade in der Pandemie" sagte sie. "Wir sind insbesondere froh, dass wir ein Konzept entwicklen könnten, dass ein Präsenzfestival ermöglicht."

Man habe "größte Sicherheitsvorkehrungen" getroffen, die Hygieneregeln verschärft und den Programmablauf verändert. Demnach wird unter anderem die Bären-Preisverleihung bereits am 16. Februar stattfinden, also am Mittwochabend - und nicht, wie sonst üblich, am Samstag.

Um Besucherströme zu entzerren, wird der "Publikumstag" auf vier Tage erweitert und bietet vom 17. bis 20. Februar Wiederholungsvorführungen in allen Berlinale-Kinos. Grundsätzlich werden die Platzkapazitäten in den Kinos wegen der Pandemie auf 50 Prozent reduziert. Partys und Empfänge soll es nicht geben, Auftritte auf dem Roten Teppich in reduzierter Form aber schon.

Zwar werden Teile des Festivals - etwa die Messe European Film Market - ins Internet verlegt, doch nur ein Präsenzfestival könne, laut Rissenbeek, den "Kern der Berlinale" beibehalten. Die Berlinale gilt als größtes Publikumsfilmfestival der Welt.

Archivbild: Carlo Chatrian, Künstlerischer Leiter der Berlinale, und Mariette Rissenbeek, Geschäftsführerin der Internationalen Filmfestspiele Berlin. (Quelle: dpa/G. Matzka)
Bild: dpa/G. Matzka

Das größte Publikumsfestival weltweit

Die Berlinale gehört neben Cannes und Venedig zu den wichtigsten internationalen Filmfestivals.
Der beste Wettbewerbsbeitrag wird mit dem Goldenen Bären geehrt. Silberne Bären gibt es unter anderem für die beste Regie und das beste Drehbuch. Auch die besten schauspielerischen Leistungen werden ausgezeichnet. Über die Vergabe der Preise entscheidet eine internationale Jury, der in diesem Jahr der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") als Präsident vorsitzt.

Alle 18 Wettbewerbsfilme der Berlinale

A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe (A E I O U - A Quick Alphabet of Love)
Deutschland / Frankreich
von Nicolette Krebitz
mit Sophie Rois, Udo Kier, Milan Herms, Nicolas Bridet

Alcarràs

Spanien / Italien
von Carla Simón
mit Jordi Pujol Dolcet, Anna Otin, Xènia Roset, Albert Bosch, Ainet Jounou, Josep Abad
Weltpremiere

Avec amour et acharnement (Both Sides of the Blade)
Frankreich
von Claire Denis
mit Juliette Binoche, Vincent Lindon, Grégoire Colin, Bulle Ogier
Weltpremiere

Rimini
Österreich / Frankreich / Deutschland
von Ulrich Seidl
mit Michael Thomas, Hans-Michael Rehberg, Tessa Göttlicher, Inge Maux, Claudia Martini
Weltpremiere

Call Jane
USA
von Phyllis Nagy
mit Elizabeth Banks, Sigourney Weaver, Kate Mara
Internationale Premiere

Drii Winter (A Piece of Sky)
Schweiz / Deutschland
von Michael Koch
mit Michèle Brand, Simon Wisler
Weltpremiere

Everything Will Be Ok
Frankreich / Kambodscha
von Rithy Panh
Weltpremiere / dokumentarische Form

La ligne (The Line)
Schweiz / Frankreich / Belgien
von Ursula Meier
mit Stéphanie Blanchoud, Valeria Bruni Tedeschi, Elli Spagnolo
Weltpremiere

Leonora addio
Italien
von Paolo Taviani
mit Fabrizio Ferracane, Matteo Pittiruti, Dania Marino, Dora Becker
Weltpremiere

Les passagers de la nuit (The Passengers of the Night)
Frankreich
von Mikhaël Hers
mit Charlotte Gainsbourg, Quito Rayon-Richter, Noée Abita, Megan Northam, Thibault Vinçon, Emmanuelle Béart
Weltpremiere

Nana (Before, Now & Then)
Indonesien
von Kamila Andini
mit Happy Salma, Laura Basuki, Arswendy Bening Swara, Ibnu Jamil
Weltpremiere

Peter von Kant
Frankreich
von François Ozon
mit Denis Ménochet, Isabelle Adjani, Hanna Schygulla
Weltpremiere / Eröffnungsfilm

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (Rabiye Kurnaz vs. George W. Bush)
Deutschland / Frankreich
von Andreas Dresen
mit Meltem Kaptan, Alexander Scheer
Weltpremiere

Robe of Gems
Mexiko / Argentinien / USA
von Natalia López Gallardo
mit Nailea Norvind, Antonia Olivares, Aida Roa
Weltpremiere / Debütfilm

So-seol-ga-ui Yeong-hwa (The Novelist's Film)
Südkorea
von Hong Sangsoo
mit Lee Hyeyoung, Kim Minhee, Seo Younghwa
Weltpremiere

Un año, una noche (One Year, One Night)
Spanien / Frankreich
von Isaki Lacuesta
mit Nahuel Pérez Biscayart, Noémie Merlant, Quim Gutiérrez
Weltpremiere

Un été comme ça (That Kind of Summer)
Kanada
von Denis Côté
mit Larissa Corriveau, Aude Mathieu, Laure Giappiconi, Anne Ratte Polle, Samir Guesmi
Weltpremiere

Yin Ru Chen Yan (Return to Dust)
Volksrepublik China
von Li Ruijun
mit Wu Renlin, Hai Qing
Weltpremiere

Sendung: Inforadio, 19.01.2022, 12:00 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ohne die Filmbranche sähe es düster aus in unsere Kulturlandschaft. Um nicht zu sagen Schattendüster. Erfreuen Sie sich denn gar nicht an gute Filme? Oder gehören Sie auch nur zu denen die einfach alles schlechteren müssen.

  2. 1.

    Wie die Filmbranche sich immer selber feiern muss.

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