Preisverleihung - "Alcarràs" gewinnt Goldenen Bären der Berlinale

Mi 16.02.22 | 20:22 Uhr
Carla Simon mit dem großen Preis der Berlinale - dem goldenen Bären - für ihren Film Alcarràs. (Quelle: imago images/F. Kern)
Video: rbb24 | 16.02.2022 | Petra Gute | Bild: imago images/F. Kern

Wie so oft hat die Berlinale-Jury mit ihrer Wahl des besten Films auch in diesem Jahr überrascht: Der Goldene Bär ging am Mittwochabend an ein packendes katalanisches Familiendrama. Doch auch ein deutscher Film hat gut abgeräumt.

Bei der Preisverleihung der Berlinale 2022 ist am Mittwochabend das Drama "Alcarràs" mit dem Goldenen Bären als bester Film ausgezeichnet worden. Darin erzählt die Regisseurin Carla Simón von einer katalanischen Bauernfamilie, die kurz davor steht, ihre Lebensgrundlage zu verlieren.

Unter normalen Umständen wäre die festliche Bären-Gala erst am Samstag über die Bühne des Berlinale-Palasts gegangen. Pandemiebedingt wurden die 72. Internationalen Filmfestspiele Berlin aber in diesem Jahr gekürzt. Während der Höhepunkt des Wettbewerbs am Mittwoch erreicht war, dürfen Zuschauerinnen und Zuschauer des Programm noch bis zum 20. Februar genießen.

Über die Vergabe des Goldenen und der sieben Silbernen Bären entscheidet eine internationale Jury, der in diesem Jahr der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") als Präsident vorsitzt.

Der Große Preis der Jury für den zweitbesten Film ging an den südkoreanischen Regisseur Hong Sangsoo für seinen Film "So-seol-ga-ui Yeong-hwa" (The Novelist's Film). Dieser liegt auch in der Gunst der rbb-Kritikerinnen und -Kritiker weit vorne, mit einem Durchschnittswert von 3,7 von fünf maximal möglichen Sternen.

And the Winner Is: Die Preisträger der 72. Berlinale

Beide Schauspielbären gehen an Darstellerinnen

Mit dem Preis der Jury, dem ehemaligen Alfred-Bauer-Preis, ist "Robe of Gems" geehrt worden. In diesem Drama thematisiert die mexikanisch-bolivianische Regisseurin Natalia López Gallardo die Drogenkriminalität in Mexiko und ihre direkten und indirekten Opfer mit zwei Frauen im Zentrum der Geschichte.

Den Silbernen Bären für die beste Regie bekam die Französin Claire Denis für ihren Wettbewerbsbeitrag "Both Sides of the Blade" mit Juliette Binoche in der Hauptrolle. Diese spielt die Radiomoderatorin Sara, die sich nach vielen Jahren plötzlich wieder in ihren Ex verliebt.

Die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle zeigte nach Ansicht der Berlinale-Jury in diesem Jahr Meltem Kaptan. Sie verkörpert in Andreas Dresens Film "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" die Mutter des zu Unrecht in Guantanamo gefangengehaltenen Murat Kurnaz. Mit schier unglaublicher Energie kämpft ihre Figur für die Freilassung ihres Sohnes und schreckt mit Hilfe ihres Anwalts und Vertrauten, gespielt vom Berliner Alexander Scheer, auch vor den höchsten Ebenen nicht zurück.

Das Drehbuch für diese rbb-Koproduktion schrieb Laila Stieler, die mit Andreas Dresen schon für mehrere Filme wie "Gundermann" zusammenarbeitete. Sie erhielt für ihre Arbeit in diesem Jahr den Silbernen Bären für das beste Drehbuch.

 

rbb-Dokumentarfilmpreis für "Myanmar diaries"

Den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle erhielt Laura Basuki für ihre Darstellung in "Nana" (Before, Now & Then). Darin erzählt die indonesische Filmemacherin Kamila Andini von einer Frau, die Jahre nach einer Flucht im Krieg nicht in der Gegenwart ankommt. Laura Basuki verkörpert die Fleischerin Ino, die zur wichtigsten Vertrauten der Hauptfigur wird.

Als Herausragende Künstlerische Leistung würdigte die Jury Rithy Panhs "Everything Will Be Ok" mit einem Silbernen Bären. Der kambodschanische Regisseur hat einen dystopischen Essay-Film in den Wettbewerb geschickt. Tiere übernehmen darin die Weltherrschaft - und sind auch nicht besser als die Menschen.

Den Dokumentarfilmpreis der Berlinale, gestiftet vom rbb, gewann "Myanmar Diaries". Die 70 Minuten lange Dokumentation schildert aus der Sicht von Künstlerinnen und Künstlern den Alltag in dem von der Militärjunta regierten Land. Sie zeigen ganz unterschiedliche Geschichten - mal komisch, mal tragisch, autobiografisch, dokumentarisch, mal nüchtern, dann wieder ganz verspielt. Die Regisseure haben bewusst darauf verzichtet, ihre Namen zu veröffentlichen, um sich nicht der Willkür des Regimes auszusetzen.

Huppert erhält Ehrenbären - aber kann wegen Corona nicht kommen

Bereits am Dienstag war die Französin Isabelle Huppert mit dem Goldenen Ehrenbären der Berlinale für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Die Film- und Theaterschauspielerin konnte nicht nach Berlin kommen, da sie am Montag positiv auf Corona getestet wurde, wie die Festivalmacher mitteilten.

"Da sie nicht kommen kann, senden wir unsere Liebe und Bewunderung in ihr Pariser Zuhause. Wir freuen uns darauf, sie ein andermal persönlich in Berlin begrüßen zu dürfen", erklärte das Leitungsduo der Berlinale, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian.

Die Berlinale gehört neben Cannes und Venedig zu den wichtigsten internationalen Filmfestivals. Damit sie in Präsenz in den Kinos stattfinden kann, sind die Hygieneregeln verschärft worden. Unter anderem ist in den Kinos das Tragen einer Maske Pflicht, die Platzkapazitäten sind wegen der Pandemie auf 50 Prozent reduziert. Partys und Empfänge fallen in diesem Jahr aus, Auftritte auf dem Roten Teppich gibt es nur in reduzierter Form.

Die Veranstalter teilten am Montag mit, sie registrierten trotz der Corona-Auflagen ein "reges Interesse" bei Publikum und Fachgästen. Insgesamt seien bislang etwa 100.000 Tickets verkauft worden. Vor der Pandemie wurden bei der Berlinale etwa 330.000 Tickets verkauft. Aktuell seien 1.400 Journalisten und Journalistinnen vor Ort dabei. Zum Vergleich: 2019 waren es laut der Statistik 3.500 Pressevertreter.

Sendung: Berlinale-Studio, 16.02.2022, 22:15 Uhr

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