Berlinale 2022 - rbb-Koproduktion ist im Rennen um den Goldenen Bären

Mi 19.01.22 | 11:38 Uhr
Rabiye Kurnaz (Meltem Kaptan) kämpft mit dem Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke (Alexander Scheer) um die Freiheit ihres Sohnes aus Guantanamo. (Bild: Pandora Film/Andreas Hoefer)
Bild: Pandora Film/Andreas Hoefer

Bei der diesjährigen Berlinale laufen insgesamt acht rbb-Koproduktionen. Darunter ist auch der neue Film von Andreas Dresen, "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“. Der Film ist einer der Bären-Anwärter im Wettbewerb.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) bei den 72. Internationalen Filmfestspielen Berlin (10. bis 20. Februar) mit insgesamt acht Filmen vertreten. Die rbb-Koproduktion "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush"“ von Andreas Dresen läuft im Wettbewerb. Das Drama um die türkische Hausfrau Rabiye Kurnaz, die um die Freilassung ihres Sohnes Murat aus dem Gefangenenlager Guantanamo kämpft, feiert bei der Berlinale seine Weltpremiere.

Als "Ode an die Menschlichkeit" bezeichnete rbb-Intendantin Patricia Schlesinger den Film von Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler. Dresens Filme erhielten zahlreiche nationale und internationale Preise, zuletzt war er 2015 mit dem Wendedrama "Als wir träumten" im Wettbewerb der Berlinale.

Musikdokus im Panorama


Darüber hinaus laufen sieben weitere Koproduktionen des rbb im diesjährigen Festival-Programm. Annika Pinske stellt ihren Debütfilm "Alle reden übers Wetter“ in der Sektion Panorama vor. Der Film erzählt von der Philosophiedoktorandin Clara, der beim Heimatbesuch bewusst wird, wie weit sie sich auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben von ihren Wurzeln entfernt hat. Ebenfalls im Panorama zu sehen ist "Bettina“ von Lutz Pehnert, ein Dokumentarfilm über den biografischen und künstlerischen Werdegang der Liedermacherin Bettina Wegner.

Auch Regisseur Cem Kaya stellt seinen Dokumentarfilm "Aşk, Mark ve Ölüm” ("Liebe, D-Mark und Tod”) im Panorama vor. Er erzählt die Geschichte der einzigartigen Musik türkischer Gastarbeiter und ihrer Enkelkinder in Deutschland.

Die Gregors im Filmarchiv (Bild: rbb/Thomas Ernst)"Komm mit mir in das Cinema – Die Gregors“ von Alice Agneskirchner

Doku über legendäre Filmvermittler im Forum

Die rbb-Koproduktion "Europe“ läuft im Forum. Der dokumentarische Spielfilm von Philip Scheffner erzählt die Geschichte von Zohra Hamadi, deren Sommer mit dem Ende ihrer langen Krankengeschichte beginnt. Doch statt endlich ein normales Leben führen zu können, verliert Zohra ihr Aufenthaltsrecht in Frankreich.

Im Forum ist auch "Komm mit mir in das Cinema – Die Gregors“ von Alice Agneskirchner zu sehen. Mit Filmausschnitten, Archivmaterial, nachgestellten Szenen und Interviews gibt das Filmporträt einen tiefen Einblick in Vita und Wirken der Filmvermittler:innen Erika und Ulrich Gregor, ohne die es das Berlinale Forum und das Kino Arsenal nicht gäbe.

Anna (Ioana Iacob) liegt nackt wie ein Octopus in einer zu kleinen Badewanne im Zimmer. Hände und Füße in Schüsseln mit Wasser. (Bild: rbb/Jan Mayntz)Szenenfoto: "Wir könnten genauso gut tot sein" von Natalia Sinelnikova

Sozialsatire in der Perspektive Deutsches Kino

"Wir könnten genauso gut tot sein“, der Abschlussfilm von Natalia Sinelnikova an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, eröffnet die Sektion Perspektive Deutsches Kino. In der Sozialsatire soll ein abgeschirmtes Hochhaus mit Wohlfühleffekt ein Ort der Sicherheit sein. Doch als der Hund des Hausmeisters verschwindet, verbreitet sich eine irrationale Angst unter den Bewohner.

"Alle reden übers Wetter“ und "Wir könnten genauso gut tot sein" entstanden im Rahmen der Initiative Leuchtstoff von rbb und Medienboard Berlin-Brandenburg, die Kinofilme aus der Region unterstützt.

Andreas Wild, AfD (2016-2021 Mitglied des Berliner Abgeordneten Hauses, seit 2017 aus der Fraktion ausgeschlossen) 23.1.2021 bei einer Anti-Corona-Demonstration in Erfurt (Bild: rbb/Spicefilm)Szenenfoto: Simon Brückners Dokumentarfilm "Eine deutsche Partei"

Politische Filme im Fokus von rbb-Koproduktionen

Innenansichten der AfD zeigt Simon Brückners Dokumentarfilm "Eine deutsche Partei", der seine Premiere im Berlinale Special feiert.

Im Stil einer amerikanischen Polizeiserie erzählt Georg Tschurtschenthaler in der rbb-Koproduktion "Reeperbahn Special Unit 65” vom Kampf der ersten deutschen Spezialeinheit, der Fachdirektion 65, gegen das organisierte Verbrechen im Deutschland der 1980er Jahre. Zentraler Schauplatz der Serie ist das Rotlichtmilieu auf der Reeperbahn in St. Pauli, wo sich ein brutaler Kampf um Geld und Macht entspinnt. Die True-Crime-Serie wird im Rahmen des Berlinale Series Market präsentiert

Auch in diesem Jahr stiftet der rbb den Berlinale Dokumentarfilmpreis, der mit einem Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro dotiert ist. Dieses teilen sich Regisseurinnen und Regisseure sowie Produzentinnenn und Produzenten des Preisträgerfilms.

Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals der Welt. Insgesamt 18 Filme konkurrieren bei der 72. Ausgabe um den Goldenen und die Silbernen Bären. Den Auftakt macht am 10. Februar die Weltpremiere des Wettbewerbsbeitrags "Peter von Kant" von Drehbuchautor und Regisseur François Ozon.

Trotz steigender Infektionszahlen soll das Festival in Präsenz stattfinden - allerdings mit verschärften Hygieneregeln und einem veränderten Programmablauf, wie Mariette Rissenbeek auf der Pressekonferenz am 19. Januar bestätigte. Demnach wird unter anderem die Bären-Preisverleihung bereits am 16. Februar stattfinden, also am Mittwochabend - und nicht, wie sonst üblich, am Samstag.

Um Besucherströme zu entzerren, wird der "Publikumstag" auf vier Tage erweitert und bietet vom 17. bis 20. Februar Wiederholungsvorführungen in allen Berlinale-Kinos. Auf Partys und Empfänge wird bei der Berlinale 2022 verzichtet. Teile des Festivals - etwa die Messe European Film Market - werden ins Internet verlegt.

Sendung: Inforadio, 19.01.2021, 12:00 Uhr

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